Fashion Week Mailand Sieht düster aus

Prada hat tief im Firmenarchiv gewühlt und Mode für eine düstere Zukunft entworfen. Andere Labels zeigen weniger dystopische Kreationen für Luxus-Hippies und Cowboys. Bilder von der Mailänder Modewoche.

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Slogans sind auch auf der Mailänder Modewoche allgegenwärtig. Besonders häufig ist der Aufruf "Time For Change" zu lesen. Die Catchphrase wird im Herbst und Winter also auf etlichen Sweatshirts, Hosenbünden und Accessoires stehen. Und diesmal ist klar, dass es um mehr geht als den regelmäßigen Wechsel der Garderobe, von dem die Modeindustrie lebt.

Bei Miuccia Prada kann der Schrei nach Wandel als Warnung, aber auch als Rückkehr zu den Wurzeln gelesen werden. Die Designerin stieg für ihre neue Herbstware tief in ihre Archive hinab und kam mit einer Kollektion voller Zitate zurück: Schwarzes Nylon - ihr Lieblingsmaterial und in den Neunzigern großer Verkaufsschlager - kombinierte sie zu kastigen Anoraks, Jackets und Hosen. Mehrlagige Schutzschichten für die kalte Jahreszeit und eine düstere Zukunft.

Denn die promovierte Politikwissenschaftlerin liefert mit ihrer Kleidung immer auch ein Statement zum aktuellen Weltgeschehen. In diesem Jahr in Form von ID-Karten, die sie ihren Models ans Revers heftete und Rucksäcken, die aussehen wie kugelsichere Westen (teilweise von namhaften Architekten wie Rem Kohlhaas oder Herzog & de Meuron entworfen). Orwell in Mailand, oder wie Miuccia Prada es nach der Show ausdrückte: "Ich denke, wir leben in einer Zeit, in der das Thema Überwachung sehr relevant ist."

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Es war aber nicht nur düster auf dem Prada-Laufsteg. Für Farbtupfer sorgten bunte Kurzarmhemden im Touri-Look und wildbedruckte Short-Shirt-Kombinationen bei den Herren. Besonders auffällig waren die Bananen-Motive, ebenfalls ein Prada-Klassiker. Für die Damen gab es geschlitzte Röcke in hellen Farben gepaart mit vorne offenen Stöckelschuhen und langen Lederhandschuhen.

Was den Veranstaltungsort angeht, wagte Miuccia Prada etwas vollkommen Neues. Gezeigt wurde die Kollektion nicht wie seit Jahrzehnten üblich am Firmensitz, sondern bei der Fondazione Prada im Süden der Stadt. Die private Kunstgalerie und die angrenzenden Lagerhallen waren eine passende Kulisse für Pradas düsteres Zukunftsgemälde.

Basics bei Dirk Dikkembergs und Cowboys bei DSquared2

Beim belgischen Label Dirk Bikkembergs war alles etwas weniger schwarzmalerisch. Die neue Kollektion von Lee Wood ist sehr viel kommerzieller als die aus dem Hause Prada: Wasserdichte Mäntel zu Anzughosen für einen urbanen Look, der Sportswear mit traditioneller Schneiderkunst vereint. Die dunkle Farbpalette aus Marineblau, Schwarz und Grau sei inspiriert von Gemälden im Amsterdamer Rijksmuseum, sagte Designer Wood hinterher. Für Kontraste sorgen Hellblau, Rot und Safrangelb. "Es sind Basics, Dinge, die wir brauchen", fasst Wood seine jüngste Arbeit zusammen. Dazu gehören auch interessante Materialmischungen wie ein Nylonparka mit einem Rücken aus Wolle und einem Gürtel aus Strick.

Die Kanadier Dean und Dan Caten, besser bekannt als DSquared2, blickten für ihre Herbstmode in den Wilden Westen: Bella Hadid eröffnete das Defilee als Cowgirl mit Jeanshemd, Bolotie, Rodeojacke, Jeans und auffälliger Gürtelschnalle. Das Supermodel präsentierte auch den letzten Look, deutlich schicker in einem schulterfreien Delilah-Kleid. Dazwischen gab es ein wenig Country, ein bisschen Rockabilly und eine Prise Hippie-Chic.

Abgesehen von der allgemeinen Ablehnung des Status Quo kann der Satz "Time For A Change" in Mailand also für jedes Label unterschiedlich interpretiert werden. Doch in einer Sache haben sich alle in die gleiche Richtung gewandelt: Der gemeinsame Runway ist mittlerweile auch in Mailand das gängige Format. Doch die gleichzeitige Präsentation von Herren- und Frauenkleidung ist nicht nur ein Zeichen in Richtung Geschlechtergleichheit, sie ist einfach auch günstiger als zwei einzelne Veranstaltungen.

löw / AP



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