Fashiontech-Designerin Dein Pulli ist klüger als du

Was das Smartphone kann, könnte doch unser T-Shirt übernehmen, findet Anouk Wipprecht. Die niederländische Designerin entwirft Kleidung mit integrierter Software.

Ein Interview von

Anouk Wipprecht

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Smartphones, smarte Uhren, Fitnesstracker. Brauchen wir wirklich auch noch smarte Kleidung?

Wipprecht: Wir haben alle diese Geräte gebaut, aber brauchen wir sie wirklich? Ich glaube nicht. Geräte werden verschwinden und die Technik wird direkt in Dinge integriert werden, die schon da sind. Elektronik wird zur zweiten Haut. Mode ist die neue Benutzeroberfläche. Unsere Kleidung wird uns besser kennen, als wir selbst. Diesen Gedanken finde ich faszinierend, weil wir Technik gerade auf eine Art und Weise benutzen, die uns nichts bringt. Sie laugt uns aus, ermüdet uns.

Zur Person
  • SPIEGEL ONLINE
    Anouk Wipprecht ist eine niederländische Designerin. Sie hat Modedesign und Interaction Design in den Niederlande und Schweden studiert und für ihre Entwürfe von tragbarer Elektronik mehrere Design-Preise gewonnen. Sie pendelt zwischen Amsterdam, Wien, Los Angeles, San Francisco und Montreal.
SPIEGEL ONLINE: Wenn das Problem zu viel Technik ist, wie kann dann noch mehr Technik helfen?

Wipprecht: Technik kam mit dem Versprechen in unser Leben, dass sie uns den Alltag erleichtert. Aber das passiert noch nicht. Wenn ich mein Handy aus der Tasche ziehe, bekomme ich fast einen Herzinfarkt, weil ich so viele Mails lesen muss. Ich möchte intelligente Kleidung erschaffen, die sich wirklich an unseren Bedürfnissen orientiert.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie kann solche Kleidung konkret aussehen?

Wipprecht: Ich arbeite mit Sensoren. Sie sind in die Kleidung eingenäht und registrieren, was um sie herum passiert und können auf bestimmte Informationen reagieren. Mein "Spinnenkleid" hat zum Beispiel bewegliche Arme, die erfassen, wie schnell sich jemand nähert. Der nächste Schritt wird sein, dass Maschinen durch die Umgebungsdaten um sie herum immer klüger werden. Wenn jemand solche Systeme am Körper hat, kann die Kleidung kontinuierlich von ihrem Träger lernen.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist solche Kleidung auch alltagstauglich? Es gibt gerade viele Kreationen, die mehr Design-Prototyp als tragbares Kleidungsstück sind.

Wipprecht: Ja, das stimmt. Es gibt noch sehr viele konzeptuelle Stücke, da schließe ich meine eigenen Designs durchaus mit ein. Meine Entwürfe sind nicht einfach zu tragen. Aber es ändert sich gerade einiges in der Branche, weil Designer, Ingenieure und Programmierer immer besser zusammenarbeiten. So gelingt es, Kleidung zu erfinden, die schön und tragbar ist.

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SPIEGEL ONLINE: Wie entstehen Ihre Entwürfe?

Wipprecht: Ich habe Mode- und Interaktionsdesign studiert, und kann auch ein bisschen programmieren und einen Lötkolben halten. Außerdem arbeite ich oft mit großen Tech-Firmen wie Google oder Intel zusammen. Ich komme für den Design-Prozess direkt zu den Firmen, egal ob ins Silicon Valley oder sonst wohin. Viele meiner Entwürfe werden von 3D-Druckern ausgedruckt, aber solche Geräte sind teuer. Bei den Tech-Firmen komme ich leichter an solches Equipment. Die Tech-Branche löst einige der großen Probleme, die wir Fashiontech-Leute gerade noch haben.

SPIEGEL ONLINE: Was sind das für Probleme?

Wipprecht: Waschbarkeit ist eines. Elektronik lässt sich aktuell noch nicht gut in die Waschmaschine stecken. Woher die Energie für die Sensoren kommt, ist auch ein Problem. Batterien lassen sich bisher noch nicht einfach in Kleidung integrieren. Und ich muss mich fragen: Was passiert, wenn mein Kleid kaputt geht? Smarte Kleidung braucht technischen Support.

SPIEGEL ONLINE: Passen angesichts solcher Probleme Mode und Technik vielleicht einfach nicht zusammen?

Wipprecht: Ich glaube, intelligente Kleidung wird in weniger als zehn Jahren bei H&M zu kaufen sein. Bei Mode ging es nie nur um Stoffe und Farben. Mode ist Kommunikation, es geht darum, sich selbst auszudrücken. Technik ist ein Weg, dieses Ziel zu erreichen.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
der_unbekannte 01.02.2016
1. Kleidung soll
vor Kälte, Wärme, Regen und und und schützen, alles darüber ist völlig sinnfrei. Ich bin für weniger Technik, und nicht noch für mehr.
thelix 01.02.2016
2.
Zitat von der_unbekanntevor Kälte, Wärme, Regen und und und schützen, alles darüber ist völlig sinnfrei. Ich bin für weniger Technik, und nicht noch für mehr.
Na dann... DANKE für Ihre Meinung. Wenn Sie die jetzt noch BEGRÜNDEN könnten, wäre alles supi! ^^
_derhenne 01.02.2016
3.
Glückwunsch an die gute Frau, mit ein paar schmissigen Buzzwords Kohle machen und zwischen den Metropolen der Welt hin und her jetten, das hat schon was. "Fashiontech", "Mode ist die neue Benutzeroberfläche", aha. Wäre sie Fleischerin würde sie uns sicher den Chip in der Wurst propagieren, der uns am nächsten morgen die Diagnose aus der Kloschüssel zuruft. Klar, die Technik macht uns kaputt, aber nochmehr Technik hilft, diesmal ganz bestimmt! Und je weniger sie wirklich benötigt wird, umso besser! Zumindest für den Kapitalismus...
TLB 01.02.2016
4.
"Wir haben alle diese Geräte gebaut, aber brauchen wir sie wirklich? Ich glaube nicht." Und ich glaube nicht, dass ich einen Pulli brauche, der klüger ist als ich
Leser222 01.02.2016
5. Gadgets...
Wer ist denn bitte so beknackt und näht sich sein Telefon (oder dessen Funktionen) in den Pulli ein? Schon mal die Bedeutung des Wortes "Tasche" eruiert? Ein paar zappelnde H.R. Giger-Ärmchen, und so Disco-Blinker aus dem China-Shop, sind allerdings cool. Für Karneval.
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