Mobile Imbissbuden Immer schön Truck machen

Food Trucks erobern die Straßen und die Mittagspausen Deutschlands. Ein hungrig machender Bildband porträtiert jetzt die schönsten Essensmobile. Guten Appetit!

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Prestel Verlag/ Toby Binder

Frittenbuden sind irgendwann aus der Mode gekommen. Vielleicht war es das viele Fett oder das schmale, seit Jahrzehnten unveränderte Essensangebot: Bratwurst, Currywurst, Pommes, Hähnchen, Pott Kaffee. Zu Hause lagen bereits Avocados in deutschen Kühlschränken, und schon arme Studenten entwickelten Präferenzen beim Olivenöl. Das kulinarische Verständnis der Republik veränderte und weitete sich, doch das mobile Essen kam nicht ganz mit. Es war irgendwie im Fett steckengeblieben.

Wenn man heute zur Mittagessenzeit durch eine beliebige deutsche Großstadt schlendert, dann kann man mit etwas Glück die Wiedergeburt der Imbissbudenkultur erleben. Denn kreuz und quer durch Berlin (natürlich), München (war ja klar), Bayreuth (tatsächlich?), Stuttgart oder Rostock (dann ist es ernst) düsen oder vielmehr: zockeln neue Imbissmobile - die Food Trucks.

In den Fahrzeugen wird Essen zubereitet und auch verkauft: Burger, Rösti, Maultaschen, Kartoffelpuffer oder Spätzle, kolumbianische Teigtaschen oder vegane Sandwiches. Food Trucks sind für die Köche nicht das Ende, sondern der Anfang ihrer Karriere: In den USA, wo Food Trucks seit einigen Jahren das Angestelltenheer mittags begeistern, haben viele Truckbesitzer mittlerweile eigene Restaurants gegründet.

Das Konzept eines Food Trucks ist relativ simpel: Biete drei, vier, fünf, handwerklich einwandfreie Gerichte an, verwende Biozutaten, bereite das meiste von Hand zu. Gib deinen Besuchern coole Brause zu trinken und, ganz wichtig: Trage beim Zubereiten der Speisen unbedingt schwarze Gummihandschuhe.

Dieses unvermeidbare Accessoire sieht man auf ziemlich vielen Bildern im ersten großen Food-Truck-Fotoband Deutschlands. Sein Titel ist so puristisch wie ein Burger-Patty ohne Brötchen und Salat: "Food Trucks."

Mancher Truck-Koch wurde zur regionalen Berühmtheit

Das Buch bietet einen guten Einstieg in die Welt der Essensmobile, sowohl ästhetisch als auch kulinarisch. Man wünscht sich sofort auf eines der Streetfood-Festivals, wo die besten deutschen Trucks manchmal zusammenkommen, damit man sich durchs gesamte Angebot schlemmen kann. Toby Binder hat die Trucks in ihrer individuellen Schönheit porträtiert; die Autorin Gabriela Herpell hat die Besitzer interviewt.

Den meisten geht es um die Freiheit: Als Truck-Koch kann man jeden Tag woanders aufkreuzen. Doch das Leben ist wirklich hart. Frühmorgens stehen die meisten Besitzer, die ja gleichzeitig Köche, Kellner, Kassierer und Geschäftsführer sind, auf und bereiten ihre Speisen vor. Anschließend geht das Ganze seinen Küchengang, danach wird noch gespült, und dann ist vom Tag nicht mehr viel übrig.

In "Food Trucks" sind auch Sondermobile zu sehen. Einige fahren mit selbst gemachtem Wassereis durch die Gegend, andere mit Frozen Yogurt oder Süßigkeiten.

Manche mögen darin eine Pervertierung der Imbiss-Idee sehen: Früher wurde ein Wurstwagen vor die Fabrik gerollt, um die Arbeiter mit dem Nötigsten zu versorgen, heute bekommen die neo-bourgeoisen Hipster ihr veganes Eis vom Food-Auto.

An die rustikalen Anfänge des Imbiss-Essens erinnern allerdings hier und da noch die warmen Speisen. Traditionelle, nur leicht modernisierte Gerichte wie Spätzle oder Kartoffelpuffer laufen super und haben so manchen Truck-Koch zu einer regionalen Berühmtheit werden lassen.

Nachdem wir Ihnen jetzt genug den Mund wässrig geredet haben, ist es Zeit, den nächsten Food Truck in Ihrer Nähe zu suchen und noch diesen Mittag loszuziehen! Viel Erfolg dabei und Mahlzeit!

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