Bildband über Adelige Seine Durchlaucht beliebt zu scherzen

Für seine Serie "Belgian Blue Blood" hat der Fotograf Rip Hopkins belgische Adlige porträtiert. Viele Aristokraten setzten sich voller Selbstironie in Szene - und zogen sich dabei auch mal komplett aus.


Der englische Fotograf Rip Hopkins ist in eine verschlossene Welt hinter Schlossmauern und Zugbrücken eingetaucht. Für den Bildband "Belgian Blue Blood" hat er Angehörige des belgischen Adels porträtiert. Innerhalb eines Jahres konnte er Grafen, Fürsten und Barone für die Mitarbeit an seinem Projekt gewinnen, darunter Mitglieder der ältesten und reichsten europäischen Adelsfamilien. Herausgekommen sind 96 Porträts, die einen nicht immer ganz ernst gemeinten Blick auf die belgische Aristokratie werfen.

Hopkins ist eigentlich Dokumentarfotograf, bekannt für Porträts von Randgruppen. Seine Adelsbilder muten zunächst klassisch an, die Motive erinnern auf den ersten Blick an traditionelle Ahnengemälde. Selbstbewusst werden Insignien der Macht und des Wohlstands präsentiert: Jagdhunde, Reitpferde, Familienanwesen. Doch bei näherer Betrachtung offenbaren Kleinigkeiten, dass die Abgebildeten offenbar über ein gesundes Maß an Selbstironie verfügen.

So präsentiert sich der Prinz von Chimay und Caraman mit Knopfblume und Kettenhemd vor seinem mittelalterlichen Schloss. Dazu trägt er extravagante rote Cowboystiefel mit Totenkopfmuster - und eine Kettensäge als Symbol für seine Einkommensquelle, den Holzhandel. Die Schlossherrin, eine der wohlhabendsten Frauen Belgiens, posiert in der Loge ihres eigenen Rokokotheaters - in Nachthemd, Nerz und mit Weißkopfadler auf dem Arm.

Das Gesetz auf dem Hintern

Rund 25.000 Belgier wurden bislang in den Adelsstand erhoben. Verteilt über 1000 Familien stellen sie 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zu einem Drittel besteht der Adel bereits seit der Zeit vor der Französischen Revolution, seine Wurzeln liegen teilweise im Heiligen Römischen Reich. Der Rest wurde nach der Unabhängigkeit Belgiens im Jahr 1830 durch den König geadelt, meist für besondere Verdienste um die Nation. Bis heute werden jährlich etwa 20 Menschen auf diese Art ausgezeichnet. Persönliche Privilegien sind damit längst nicht mehr verbunden.

Die Fotoserie liefert kein repräsentatives Bild des belgischen Adels. Hopkins selbst spricht von einer "zufälligen Folge von Begegnungen". Die Fotos konnte der 44-Jährige ausschließlich nach persönlicher Weiterempfehlung machen. Nach und nach erarbeitete er sich so das Vertrauen der Noblesse. Das war in einigen Fällen offensichtlich ziemlich groß: Eleonore de Sadeleer, deren Vater 1922 den Titel eines Barons verliehen bekommen hatte, blickt nach einem Reitunfall mit blauem Auge in die Kamera, und der Künstler Laurent d'Ursel ließ sich nackt in seiner Rumpelkammer ablichten - auf dem Hintern des Grafen prangt eine Tätowierung des ersten Artikels der belgischen Verfassung.

Die 96 Bilder werden vom 15. bis 24. April in Brüssel ausgestellt. Nähere Informationen gibt es auf der Webseite von Rip Hopkins.

ppl

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