Frank-Walter Steinmeier auf Galapagos Leuchtendes Beispiel

Angela Merkel hat es getan, Sigmar Gabriel auch und nun Frank-Walter Steinmeier. Doch auch der Bundespräsident macht in bunter Outdoorkleidung keine gute Figur. Besonders wenn er vor Plastikmüll warnt.

DPA

Eine Stilkritik von


Frank-Walter Steinmeier hat Stil. Eigentlich. Oft sieht man den Bundespräsidenten im Dreiteiler. Das sieht gut aus und hat den Vorteil, dass der Herr Bundespräsident selbst dann präsentabel bleibt, wenn er mal sein Jackett ablegen möchte, etwa weil es warm ist. Auf den Galapagos-Inseln ist es sehr warm. Aktuell liegen die Temperaturen dort um die 30 Grad. Dazu kommen Regen und Böen. Anzug und Weste wären hier also definitiv die verkehrte Wahl gewesen.

Das Feuerwehrmann-Sam-Outfit, in dem Steinmeier am Donnerstag auf der Insel Seymour zwischen Schildkröten und Leguanen herumspazierte, war aber auch daneben.

Zunächst einmal war es sehr bunt: weinrote Wanderstiefel, eine safrangelbe Wanderhose mit roten Reißverschlüssen und ein azurblaues kariertes Kurzarmhemd (Modell Puez Minicheck Dry'ton Short Sleeve: "atmungsaktiv, schnelltrocknend und pflegeleicht"). Farblich passt das alles noch irgendwie zusammen und berücksichtigt auch eine so simple wie wichtige Stylingregel: nie mehr als drei Farben mischen!

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Fotostrecke: Die Steinmeiers auf Galapagos

Haarsträubend sieht der bunte Trekking-Mix aber trotzdem aus - nach Wandertag am Brocken, nicht nach Schloss Bellevue. Besonders deutlich wird das im Vergleich zu Steinmeiers Begleitern. Klar, das olivgrüne Rangeroutfit seiner Guides hätte man ihm nicht abgenommen. Aber eine Hose in gedeckten Farben und dazu Stiefel aus Leder hätten dem Bundespräsidenten besser gestanden. Für obenrum noch ein weißes Hemd mit langen Ärmeln. Fertig.

Das dachte sich wohl auch Steinmeiers Frau Elke Büdenbender. Sie trat ihre Erkundungstour in weißen Nikes, schwarzen Hosen (Modell Sesvenna Freak Durastretch Softshell) und einer weißen Bluse an. Soweit, so gut. Nur über ihre giftgrüne Softshellhülle ließe sich diskutieren. Jacke und Hose stammen übrigens vom selben Hersteller (Salewa) wie das Hemd des Gatten. So viel Deutsche-Urlauber-Klischee muss sein.

Zur Verteidigung Steinmeiers sei gesagt, dass Baumwollhemden in diesen Breitengraden schnell voll unansehnlicher Schweißflecken sind (von denen Angela Merkel ein Lied singen kann). Es gäbe ja aber auch noch Leinen. Das ist atmungsaktiv und hat Stil. Im Großen und Ganzen ist Outdoorkleidung aber keine komplett verkehrte Wahl, zumal, wenn es - wie Fotos zeigen - auch noch regnet. Der Preis der Allwetterrüstung ist aber, dass es sie nicht in schön gibt, geschweige denn in bundespräsidiabel.

Das Problem ist das Material

Steinmeiers Wanderkombi ist allerdings noch aus einem weiteren Grund problematisch. Dass der ehemalige Außenminister die Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amtes ignoriert (körperbedeckende helle Kleidung, lange Hosen, lange Hemden) - geschenkt! Das Problem ist das Material. Denn Steinmeier bereiste den Galapagos-Archipel, um ein Zeichen zu setzen.

Die Pazifik-Inseln seien durch eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten sowie Bakterien bedroht, sagte Steinmeier bei seinem Besuch. Eine neue Gefahr für Fauna und Flora gehe aber vom Plastikmüll aus. Allein auf Santa Cruz, einer der größeren Inseln des Archipels, seien innerhalb von kurzer Zeit 22 Tonnen angeschwemmter Plastikmüll eingesammelt worden.

Keine Frage, das Problem sind eher achtlos weg- oder über Bord geworfene Verpackungen, keine Funktionskleidung. Doch sie ist ein Teil des Problems. Outdoormode besteht größtenteils aus Mikroplastikfasern. Aus diesem Grund empfiehlt auch der Hersteller von Steinmeiers Outfit, die Kleidung in einem speziellen Waschbeutel zu reinigen, damit keine Mikroplastikpartikel ins Abwasser und anschließend in Gewässer und Böden gelangen.

Es geht also nicht nur um Stil, sondern auch um Haltung.



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