Frida Kahlo Stolz im Korsett

Sie war die berühmteste Künstlerin Mexikos, bekannt für ihre Malerei ebenso wie für ihr Korsett: Nun wird Frida Kahlo mit Ausstellungen in New York und London geehrt. Sie zeigen die erste Selfie-Königin der Welt.


Mit sechs Jahren erkrankt Frida Kahlo an Kinderlähmung, mit 18 bohrt sich ihr bei einem Verkehrsunfall eine Stahlstange in den Leib. Mit 22 Jahren heiratet sie Diego Rivera zum ersten, mit 33 Jahren zum zweiten Mal. 1930, 1932 und 1934 erleidet sie Fehlgeburten. Kurz nach der dritten werden ihr am rechten, poliodeformierten Fuß einige Zehen abgenommen. Etwa zu dieser Zeit hat ihr Ehemann Diego eine Affäre mit ihrer jüngeren Schwester Cristina. Kahlo rächt sich später, indem sie - für eine Kommunistin immerhin standesgemäß - mit Leo Trotzki schläft.

1944 erträgt die Künstlerin eine Wirbelsäulenoperation, sechs weitere werden folgen. Mit 44 Jahren sitzt Kahlo im Rollstuhl - die Spätfolgen der Polio. Kurz vor ihrem Tod wird das rechte Bein unter dem Knie amputiert, der Wundbrand hat es zerfressen. Es folgt noch eine Lungenentzündung, dann, offiziell, eine Lungenembolie, die am 13. Juli 1954 zu ihrem Tod führt.

Aus ihrer Passion, der die Drogensucht noch hinzuzufügen wäre, hat Kahlo ein Werk gemacht, dessen Hauptakteurin und Protagonistin sie selbst ist. Zahlreiche Selbstporträts zeigen eine versehrte Schöne, deren Attribute zum Inventar der jüngeren Kunstgeschichte zählen: die Monobraue, der Damenbart, die Kippe, das schlimme Korsett. Anlässlich ihres 60. Todestages im vergangenen Jahr sind zahlreiche Bände und Bücher erschienen, überall werden Ausstellungen ihr zu Ehren eröffnet.

Viele Exponate aus Kahlos persönlichem Umfeld - sie lebte mit ihrem Mann jahrelang in einem Haus in Mexiko-Stadt, in der berühmten Casa Azul - können Mexiko nicht verlassen, weil Diego Rivera es vor seinem Tod so verfügt hat.

Für die Ausstellung "Frida" (Michael Hoppen Gallery, London) ist die japanische Fotografin Ishiuchi Miyako deshalb zum blauen Haus gefahren. Rund 300 Alltagsgegenstände, die der Künstlerin gehörten, hat sie dort fotografiert. Wir sehen Nagellackfläschchen und Sonnenbrillen, vor allem aber einen roten Rock, auf den ein Korsett aufgepflanzt ist. Aus Gips oder aus Stahl waren diese Zwangsrüstungen, die Frida Kahlo wegen ihres instabilen, verkrümmten, geschädigten Rückgrats immer wieder tragen musste. Im Gemälde "Die gebrochene Säule" von 1944 zeigt die Künstlerin sich als Schmerzensfrau, die Haltung im Leid bewahrt, die angeschnallt im Korsett steht, gerade und doch gebrochen.

Viele berühmte Fotografen des 20. Jahrhunderts haben die Ikone Kahlo porträtiert. Die Ausstellung "Mirror Mirror" in der New Yorker Throckmorton-Fine-Art-Galerie zeigt die schönsten Aufnahmen. Gleichzeitig widmet der botanische Garten der Stadt der Mexikanerin eine Solo-Ausstellung: "Frida Kahlo: Art, Garden, Life" zeigt Kahlos Verbundenheit zur Natur in ihren Gemälden.

Wenn man ihren letzten Tagebucheintrag richtig versteht, dann wollte Kahlo diesen posthumen Ruhm eigentlich gar nicht: Als die Künstlerin nach langer Leidenslebenszeit mit Lungenentzündung im Krankenhaus lag, schrieb sie die vieldiskutierten Zeilen: "Espero alegre la salida - y espero no volver jamás". Ich freue mich auf das Ende und ich hoffe, niemals zurückzukehren.

Das Krankenhaus und das Leben hat sie im Alter von 47 Jahren zwar verlassen, die Welt jedoch nicht, denn ihre Kunst ist geblieben. Kahlos Ikonenhaftigkeit ist unerreicht, ihr Konterfrei prangt auf Tassen, wie sonst nur Che Guevaras. Insofern ist Frida in ihrer Darstellungswut auch die erste Selfie-Königin der Geschichte.

Frida by Ishiuchi Miyako. Michael Hoppen Gallery, London. 14.05. bis 12.07.2015. www.michaelhoppengallery.com

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
TangoGolf 13.05.2015
1. nun,
mögen New York und London weitaus besser klingen - doch auch in Deutschland gab es bis vor drei Tagen eine viel gelobte Ausstellung zu Frida Kahlo. Im Marta Herford: http://marta-herford.de/index.php/frida-kahlo-2/
Tiananmen 13.05.2015
2.
Cool. Ich finde den Bart absolut cool. Sehr dezent und doch nicht zu übersehen. Da ist kein Bild verschwendet.
nomadr 13.05.2015
3. Diego Rivera
Vor ein Paar Jahren gab es in der Galerie Würth eine gemeinsame Schau von ihren und ihrem Mann Werken. Und man muss ehrlicherweiser sagen, wenn nicht das grausame Schicksal, wäre die Frau nie ausserhalb ihrer Strasse bekannt geworden. Denn als Künstlerin ist sie ja weniger als mittelmäßig, ihr Mann Diego Rivera war um Welten talentierter und als Maler interessanter. So zeigen wohl auch die besagten Ausstellungen eher die Besitzungen der frau, und nicht in erster Linie Werke.
logabjörk 13.05.2015
4. ihr Papa ist aus Pforzheim
eingewandert.
agua 13.05.2015
5.
Ein Film,den ich mag ist "Frida".Die Verfilmung ihres Lebens mit wirklich guten und überzeugenden Darstellern.
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