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Hinter dem Fußballstadion: "Das Flutlicht verwandelt alles"

Christoph Buckstegen fotografiert sein Buchprojekt Flutlicht. Oder genauer: Parkplätze, Bunker und Kleingärten, die vom Restlicht aus dem Stadion angestrahlt werden. Seine Perspektive verleiht selbst tristen Orten etwas Magisches.

Umgebung von Fußballstadien: Die Beleuchtung Fotos
Christoph Buckstegen

Zur Person
  • Christoph Buckstegen
    Christoph Buckstegen ist am Niederrhein aufgewachsenen, später wurde er Fotograf. Der Fußball hat es ihm besonders angetan. Für seine Diplomarbeit zu dem Thema erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Seine Bilder wurden unter anderem im Magazin "11FREUNDE" und im Buch "Kunstschuss / Die schönsten Fußballfotos aller Zeiten" veröffentlicht. Seine sonstigen Fotoarbeiten wurden in zahlreichen Zeitungen und Magazinen unter anderem "Stern", "Jetzt", "SZ-Magazin" und der "New York Times" veröffentlicht und im In- und Ausland ausgestellt.
SPIEGEL ONLINE: Herr Buckstegen, warum Flutlichter?

Buckstegen: Rund um den Fußball und seine Stadien fotografiere ich schon seit 20 Jahren. Am Anfang dieses Projekts habe ich mich auch gefragt: "Macht das Sinn?" Aber ja, es macht Sinn. Das Licht verwandelt die Umgebung. Man sieht Dinge, die man sonst nicht sieht.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihren Bildern sind doch vor allem Häuser zu sehen, Gärten, Straßenzüge - das alles kann man doch auch wunderbar im Tageslicht sehen?

Buckstegen: Aber das Flutlicht gibt den Dingen eine Bühne, das Licht geht aus, der Spot geht an. Im Stadioninneren, aber auch um die Stadien herum. Zum Beispiel der Bunker neben dem Stadion am Hamburger Millerntor oder das Schwimmbad in Bremen neben dem Weserstadion. Diese Orte wirken im Flutlicht gleich ganz anders.

SPIEGEL ONLINE: Viele der Städte, in denen die Fotos entstanden sind, gelten nicht eben als architektonische Perlen.

Buckstegen: Das stimmt. Die Qualität der Architektur war kein Auswahlkriterium. Aber das Flutlicht verwandelt alles! In Darmstadt dachte ich bei Tageslicht noch: "Hier gibt es nichts." Aber dann konnte ich doch einige gute Bilder machen. Oder in Krefeld, da hatte ich tollen Dunst.

SPIEGEL ONLINE: Dunst?

Buckstegen: Ja, richtig diesiges Wetter. Da wirkt das Flutlicht noch mal stärker, es streut.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie Ihre Auswahl der Stadien eigentlich getroffen?

Buckstegen: Ehrlich gesagt, hat man da in Deutschland keine große Auswahl mehr. In den neuen Arenen sind die Flutlichter in die Tribünen integriert, für meine Arbeiten brauche ich aber das Licht von oben, von richtigen Flutlichtmasten. Bei den Neubauten strahlt nichts nach außen. Außerdem werden die neuen Stadien heute nicht mehr in die Städte gebaut, sondern außerhalb, aufs Land. Da gibt es nichts, was das Flutlicht anstrahlen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie selbst denn ein Lieblingsstadion oder Lieblingsflutlicht?

Buckstegen: Das Ruhrstadion ist einfach toll, mitten in der Stadt, mit einer starken Flutlichtanlage. Oder das alte Parkstadion! Da hat man die Lichter schon von der Autobahn gesehen. Das macht es ja aus, das Flutlicht, dass es dieser Anziehungspunkt ist, der schon von Weitem die Richtung vorgibt.

SPIEGEL ONLINE: Und ihr Lieblingsverein?

Buckstegen: Das ist Borussia Mönchengladbach. Den alten Bökelberg mochte ich sehr, aber jetzt der neue Borussiapark mit den innen angebrachten Flutlichtern - da fehlt dieser Anziehungspunkt. Da ist es draußen nicht sehr hell. Auf dem Bökelberg hätte ich solche Bilder machen können, leider leuchtet dieses magische Licht im Borussiapark nicht.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Danke
giespel 31.10.2014
Ich bewundere Leute die das Besondere im Alltäglichen sehen und unseren Blick darauf schärfen, das Magische im Profanen erkennen und dies auch wiedergeben können. Bin zwar kein Kunstkenner, aber hin und wieder berührt, wenn jemand auf etwas Besonderes zeigt, was man 1000 mal gesehen hat und eigentlich doch nicht. Gänsehaut.
2. @giespel
blu_notte 31.10.2014
Danke für den Kommentar! Mir direkt aus dem Herzen gesprochen. Genau so isses! Man kann in den Bildern mit den Augen spazieren gehen. Und atmosphärisch erspürt man dabei das Lebensgefühl, was man hätte, wenn man an genau dem Punkt stünde und denselben Blickwinkel hätte.
3. Kompositorisch...
etude 31.10.2014
...fehlt dem Fotografen m. E. das Auge für den 'richtigen' Bildausschnitt. Vielzuviele unwichtige und ablenkende Bildelemente, kein klares Hauptmotiv. Mich sprechen die Bilder überhaupt nicht an, weder inhaltlich noch von der Lichtstimmung her. Flutlicht ist mir einfach zu kalt.
4. Hi-ISO-Orgie
pirmence 31.10.2014
Ich frag mich was all die modernen Fotografen heute tun würden wenn sie keine Kameras hätten die bis ISO 12.800 (und mehr) Fotos liefern. Das Unschöne an den meisten Ergebnissen unserer Easy-Photo-Aerea ist: So ist es ja nicht. Die Bilder sind anders als die Natur. Künstlich, überschärft, vollausgeleuchtet. Kurzum. Nur ein weiterer Bildausweis unserer virtuellen Schein-Moderne.
5. So soll
ladozs 31.10.2014
kreative Fotografie sein! Interessant mit den Augen über die Bilder zu wandern und die wirklich tolle Lichtsituation aufzusaugen.Eventuelle Defizite in der Komposition lassen sich leicht verschmerzen.Was hier wirklich zählt ist die Idee, und dafür gibt es 10 Punkte/Sterne!
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