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Technik-Knigge: Dein Handy nervt!

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Überall Selfie-Sticks. Laute Telefonate in der Bahn. Und im Pool gibt's eine Unterwasserkamera. Unverschämt oder völlig normal? Sechs Vorschläge für bessere Technikmanieren.

1. Umzingelt von Selfie-Sticks

Pärchen mit Selfie-Stick: Wer ist eigentlich im Hintergrund zu sehen? Zur Großansicht
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Pärchen mit Selfie-Stick: Wer ist eigentlich im Hintergrund zu sehen?

Die Situation: Jeder um Sie herum hat einen Selfie-Stick und fotografiert sich laufend selbst - vor dem Eiffelturm, im Schwimmbad, an der Bar. Durch das neue Gadget kommt aber auch viel Hintergrund mit auf die Bilder. Sie zum Beispiel.

Gadget-Knigge: Bei all der Begeisterung über die neue Möglichkeit zum Selbstporträt ist manchen das Gespür dafür abhandengekommen, in welchen Lebenssituationen ein anderthalb Meter langer Metallstab stört und in welchen weniger. Nicht nur Museen und das Schloss Versailles haben die Dinger verboten, auch der Europapark musste ein Machtwort sprechen, weil manche ihren Selfie-Stick sogar in der Achterbahn benutzen wollten. (Ich hoffe, das waren nicht Sie!) Grundregel: Wo Stahlruten ungern gesehen sind, gilt das auch für Selfie-Sticks. Und nur weil es einigen nicht peinlich ist, sich mithilfe einer Stange selbst zu fotografieren, gilt das nicht notwendigerweise auch für die Leute im Hintergrund. Deren Bild dann womöglich in der Cloud oder schlimmstenfalls im Netz landet, wo sie dann per Gesichtserkennung auch noch identifiziert werden. Am besten knipst man nur sich und seine Begleiter - Sie wissen ja, woher der Begriff Selfie kommt.

Notwehr: Finden Sie sich nicht mit Ihrer faden Statistenrolle im Hintergrund ab! Sobald Sie merken, dass sie deutlich zu erkennen sind, winken Sie, schneiden Sie Grimassen, hüpfen Sie ins Bild. Echte Könner ziehen blitzschnell ein vorbereitetes Blatt Papier aus der Hosentasche, auf dem steht: "Selfies sind peinlich!"

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Sind Selfie-Sticks mittlerweile salonfähig oder nicht?

2. Sommerhits für alle

Picknick am See: Wäre es okay, wenn die Gruppe nebenan Musik einschalten würde? Zur Großansicht
Corbis

Picknick am See: Wäre es okay, wenn die Gruppe nebenan Musik einschalten würde?

Die Situation: Im Park oder am Strand hört die Gruppe neben Ihnen laut Musik - über einen kleinen, aber brüllenden Bluetooth-Lautsprecher. Alle 30 Sekunden bricht die Musik ab, weil jemand vom Handy aus das Lied wechselt.

Gadget-Knigge: Bevor Sie an einem öffentlichen Platz Musik aufdrehen, stellen Sie sich kurz die Gegenfrage: Wäre es für Sie okay, wenn die Gruppe direkt neben Ihnen Musik einschalten würde? Genau, kommt drauf an. Auf die Musik, auf die Lautstärke, auf den Sound. Ein paar Faustregeln: Wer Musik hören will, sollte zumindest ordentliche Lautsprecher dabei haben und nicht nur das Handy aufdrehen. Es ist höflich, einen gebührenden Abstand zu anderen Menschen zu halten und zu fragen, ob das Gedudel stört. In aller Regel ist es angenehmer für Ihre Mitmenschen, wenn sie Ihre Musik nicht ungefragt mithören müssen - das gilt für Lautsprecher ebenso wie für laut plärrende Kopfhörer in der Bahn.

Notwehr: Elegant wäre es natürlich, den Lautsprecher aus der Ferne zu kapern und mit dem eigenen Smartphone zu bespielen. Klappt leider selten. Stattdessen könnten Sie lauthals mitsingen oder sich ungefragt zur Gruppe gesellen, zwei Bier nehmen und mitfeiern, "wegen der guten Musik".

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Ist Musik im Park oder am Strand vertretbar oder nicht?

3. Lebensmittelfotografie

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Die Situation: Im Restaurant fotografiert Ihre Begleitung das Gericht auf dem Teller ausgiebig von allen Seiten, anstatt Ihnen in die Augen zu sehen und einen guten Appetit zu wünschen.

Gadget-Knigge: Die Zeiten ändern sich, Tischsitten auch. Mittlerweile ist das Fotografieren von Essen so verbreitet, dass viele Menschen einen ganz schnellen Schnappschuss vor dem Essen verzeihen - jedenfalls, sofern man vorher höflich fragt. Andere - wie die Autorin dieses Textes - finden das Fotografieren im Restaurant wahnsinnig unhöflich und zum Fremdschämen peinlich. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt sein Handy also besser in der Tasche. Es hat übrigens noch nie jemanden gestört, wenn sein Gegenüber das Essen vorab nicht fotografiert hat.

Notwehr: Sehen Sie Ihrem Gegenüber aufmerksam beim Fotografieren zu und fangen Sie keinesfalls an zu essen, bevor das Handy wieder eingesteckt wurde - erst recht nicht, wenn Sie mit einem "Fang ruhig schon an" dazu aufgefordert werden. Ist das Mahl halb verzehrt, können Sie Ihrerseits Ihr Telefon hervorholen und die Essensreste Ihrer Begleitung ausgiebig fotografieren - aus mehreren Perspektiven und mit Blitz.

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Fotos vom eigenen Teller - in Ordnung oder nicht?

4. Gesprächsstoff

Telefonierende Frau im Zug: "Sie müssen Ich-Botschaften senden!" Zur Großansicht
Corbis

Telefonierende Frau im Zug: "Sie müssen Ich-Botschaften senden!"

Die Situation: Im Zug telefoniert ein Mitfahrer lautstark und ohne seinen Platz zu verlassen. Arg verbreitet ist dieses Phänomen in der ersten Klasse, in der häufig geschäftlich telefoniert wird und mancher wohl davon ausgeht, das wäre eher vertretbar und weniger schwer zu ertragen.

Gadget-Knigge: Wer im Zug telefonieren möchte und nicht allein ist, verlässt Großraum oder Abteil und führt das Gespräch im Flur oder in einem leeren Abteil. Alles andere ist unhöflich. Das gilt übrigens auch für WhatsApp-Sprachnachrichten: Die wenigsten Mitreisenden möchten hören, was wir in unsere Handys quäken - egal, ob auf der anderen Seite jemand antwortet oder nicht.

Notwehr: Kommentieren Sie das mitgehörte Gespräch, sobald Ihr Sitznachbar aufgehört hat. Etwa so: "Sie müssen mehr Ich-Botschaften senden" oder "Das tut mir wirklich leid für Ihre Frau Mutter!" oder "Glauben Sie, der Kollege ist der Richtige für diesen Pitch?" Wer sich nicht traut, kann seinerseits zum Telefon greifen, einen Freund anrufen und haarklein aber schön laut nacherzählen, was er gerade mithört.

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Gehen Telefonate im Zug in Ordnung?

5. Unterwasserfilme

Unterwasserbilder: Nicht jeder wird gern beim Baden gefilmt Zur Großansicht
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Unterwasserbilder: Nicht jeder wird gern beim Baden gefilmt

Die Situation: Im Hotel-Pool probiert ein Gast seine neuen Gadgets aus - und macht Unterwasseraufnahmen mit seiner GoPro. Kaum ein anderer Urlauber wagt sich deshalb in den Pool. Aus Angst, von unten gefilmt zu werden.

Gadget-Knigge: Unterwasseraufnahmen sind in Ordnung, sofern es sich um Ihren eigenen Pool handelt oder den Ihres Ferienhauses. In einer Hotelanlage oder im Freibad hingegen verbietet sich die Filmerei unter Wasser.

Notwehr: Am besten fragen Sie höflich, ob der Betreffende bitte die Kamera weglegen kann. Wer darauf eine dumme Antwort kassiert, hat drei Möglichkeiten: 1. Trommeln Sie viele Kinder zusammen und animieren Sie die, mit Ihnen in den Pool zu springen und zu planschen, um das Filmen zu erschweren. 2. Wenn Sie allein sind, hilft oft ein für andere Gäste gut hörbares "Lassen Sie das!" oder "Pfui". 3. Filmen Sie Ihrerseits vom Beckenrand und murmeln Sie dabei Dinge wie "Spanner", "YouTube" und "öffentlich machen".

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Darf man im öffentlichen Pool eine Kamera benutzen?

6. Den richtigen Ton treffen

Handynutzer im Flugzeug: Tastentöne können besonders nerven Zur Großansicht
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Handynutzer im Flugzeug: Tastentöne können besonders nerven

Die Situation: Im Zug, Flieger oder Bus hat Ihr Sitznachbar die Tastentöne seines Handys eingeschaltet. Jeder Anschlag erzeugt ein Geräusch.

Gadget-Knigge: Die Töne der anderen nerven grundsätzlich, das gilt auch für alle Geräusche beim Spielen - ganz gleich, ob mit dem Telefon oder mit der Nintendo DS gespielt wird. Dafür gibt es Kopfhörer. Tun Sie Ihren Mitreisenden also einen Gefallen und schalten Sie alle überflüssigen Geräusche an Ihren Geräten unterwegs aus. Alle.

Notwehr: Gehen Sie in die Offensive: "Darf ich Ihnen kurz zeigen, wo man die Tastentöne an Ihrem Gerät abschaltet?" Das weiß die betreffende Person nämlich höchstwahrscheinlich einfach nicht. Auch bei Spielkonsolen kann ein Wink schon helfen: "Die Kopfhörerbuchse ist vorne in der Mitte."

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Welche Töne am Handy sind in Bus und Bahn vertretbar?

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10  Bilder
Fotostangen: Mit Schirm, Charme und Selfie-Stick

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insgesamt 47 Beiträge
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1.
malk101 22.07.2015
Manche Leute schaffen es ja tatsächlich in der Bahn zu telefonieren, ohne mich zu belästigen. Den meisten sei aber Dieter Nuhr ans Herz gelegt.. "Die machen das über Funk! Man muss nicht schreien."
2.
silenced 22.07.2015
Nunja, die Töne nerven, das stimmt. Da ich bei meinem alten iPhone 3GS natürlich keine Lautlosfunktion mehr habe (der Knopf hat eben immer einen Wackler), aktiviere ich Bluetooth und steck die Kopfhörer sonstwohin. Stört niemanden.
3.
siviha 22.07.2015
Ich sag nur: Takke Schellfisch Über eine schmale öffentliche Straße gehend kam ich auf eine Stadtfuehrung zu, schätze Abiturjahrgang. Die Mädels gerieten in große Aufregung Takke Schellfisch. Takke Schellfisch.. zuckten plötzlich einen Selfiestick, den man vorher nicht sah. Drehten sich passend, hauten dabei einem alten Hwrrndas Teil an den Hals. Der ear (verständlich,, Ja) sauer, ob sie denn nicht aufpassen könnten? Antwort war, sie haetten doch darüber geredet, da haette er halt zuhören sollen, ob er kein Englisch könne. Da könnte ich mir ein "na hoffentlich hoert das nicht euer Englischlehrer.. da heisst 'take a selfish' und Benehmen ist wohl Glücksache?'" Fanden die Herrschaften natürlich doof. klar, bin mit 43 ja auch ein Dinosaurier. Merke: Benehmen IST Glücksache wenns um ach so spannende Gadgets geht. Sie haben die Radler vergessen, die radeln Whatsapp und Co checken, dabei fast in Passanten auf dem Gehweg heizen und diese dann angiften, warum sie nicht aufpassen.
4. Mobiles...
denkdochmal 22.07.2015
sind nützlich. Etwa 95% der Anrufe, mit denen die Umwelt "beglückt" wird, sind unnötig, sind belästigend. Daher ein etwas aus der Mode gekommener Begriff: Disziplin. Und die tut sogar gut! Der Rest ist schlicht SEUCHE, TERROR! Deshalb finde ich auch Ihren Fragenkatalog völlig am Thema vorbei...
5. Telefon und Benehmen
Diskutierender 22.07.2015
Aus meiner Sicht gibt es wohl keinen Bereich, wo sich selbst gut erzogene Menschen derart daneben benehmen wie im Umgang mit Handy und Smartphone - typische Beispiele: - Das im Artikel zitierte Handy-Gebrüll in öffentlichen Verkehrsmitteln. - Smartphone-Zombies, die nahezu blind durch die Strassen laufen - Stehenlassen von Gesprächspartnern, wenn das Handy/Smartphone auch nur einen Mucks von sich gibt - Im Gespräch oder beim Essen oder im Meeting dauernd auf das Smartphone schauen. Irgendwie tun mir solche Leute inzwischen allerdings auch leid. Diese Leute merken nämlich gar nicht, wie sehr sie inzwischen von dieser Hirnprothese abhängig sind und evtl. sogar eine Drogen- bzw. Suchttherapie benötigen. Hinzu kommt natürlich der Stress durch dauernde Unterbrechungen z.B. wenn man alle 5 Minuten geradezu zwanghaft auf das Display schauen muss - ich denke da nur an What's App, mit der ca. 2/3 der auf Strassen herumschleichenden Smartphone-Zombies beschäftigt sind.
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