Grill-Beilage Kartoffelschiffchen auf ganz großer Fahrt

Wenn nun wieder überall Rauch aufsteigt, ist klar - die Grillsaison hat begonnen. Da wollen wir doch gleich mal eine alternative BBQ-Beilage zusteuern: "Pico de Gallo"-Kartoffelschiffchen.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Was genau die Deutschen am liebsten auf ihren Grill legen, darüber gibt es unterschiedliche Zahlen, die wie immer stark von den Interessen der Studienbeauftrager gesteuert sind. Die wachsende Beliebtheit von Geflügelfleisch zum Beispiel wird zwar in allen Umfragen bestätigt, aber die 58 Prozent auf Platz zwei nach Schwein (74 Prozent) in der 2014 von Forsa durchgeführten "Wiesenhof Grillstudie", auf die sich seitdem der größte Teil der in den Medien veröffentlichten Zahlen stützen, klingen schon recht hoch.

Es waren allerdings Mehrfachnennungen möglich, und die meisten Griller haben wahrscheinlich zur Abwechslung nichts gegen einen Putenspieß auf der Glut. Wenn bei der Befragung wie im Fall einer von "Statista" veröffentlichten 2017er-Studie aber nur ein Kreuzchen erlaubt ist, sieht das Bild etwas anders aus: 35 Prozent rotes Fleisch (Schwein, Rind, Lamm), 25 Prozent Gemüse, 23 Prozent Bratwürste aller Art und das Geflügel mit 10 Prozent weit abgeschlagen - allerdings noch deutlich vor Fisch (4 Prozent), der auch beim Massengeflügelverarbeiter "Wiesenhof" ganz hinten liegt.

Natürlich ist auch wichtig, wo man fragt. Eine aktuelle Studie von 2017 wollte ausschließlich von deutschen Großstadtbewohnern (Hamburg, Berlin, München, Köln) wissen, was sie auf den Rost legen. Und siehe da: 47 Prozent der urbanen 18- bis 29-Jährigen lieben Grillkäse, 54 Prozent sogar Gemüse. Doch Fleisch bleibt auch hier mit 91 Prozent (Mehrfachnennung möglich) die Number One. Auftraggeber dieser Befragung: die Agrarlobbygruppe "Forum Moderne Landwirtschaft", getragen zum Beispiel von den Rind/Schwein/Geflügel-Zentralverbänden, Montsanto und Nordzucker.

Noch unklarer ist die Datenlage aber bei dem, was die Deutschen am liebsten zu gegrilltem Fleisch, Bratwürsten oder Schaschlik als Beilagen verspeisen. Ein ausgesprochen unrepräsentativer Blick über die Nachbarshecken zeigt die üblichen Verdächtigen Baguette und Kartoffelsalat, sowie alle erdenklichen Salatvarianten mit kohlehydratreichen Hauptrollen, also Nudeln, Reis, Röstbrot, neuerdings auch Quinoa und ein Petersilien-Taboulé mit Bulgur oder Couscous.

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Wagner-Rezept: Die bessere Hälfte der Kartoffel

Nie wieder Abgenudelsalat!

Aber was tun nach dem siebten Nudelsalat, wenn auch der Folienklassiker "Grillkartoffel" nur noch gelangweilt herabhängende BBQ-Mundwinkel erzeugt? Ganz einfach: mit unserem heutigen Rezept für "Pico de Gallo-Kartoffelschiffchen" ein bisschen frischen Wind neben die Bratwurstschnecke bringen. Dafür werden halbfest kochende Kartoffelhälften zunächst einmal zünftig gegrillt.

Über Holzkohleglut nehmen sie dabei ganz von selbst ein kerniges Cowboyaroma an. Doch das geht auch mit einem größeren Gasgrill: Einfach zwei Hände voll Aromaholzraspeln in eine Aluschale geben und diese zwischen den Brennerabdeckungen ("Flavour Bars") und den Rost klemmen. Deckel zu, Brenner auf - und spätestens nach fünf Minuten qualmt das Teil stärker, als Lucky Luke in seinem gesamten Raucherleben.

Jetzt noch kurz warten, bis aus der Mini-Holzglut keine Flammen mehr schlagen und dann die Kartoffeln darauf rauchgrillgaren. Smoken ist es ja nicht wirklich, denn dafür bräuchte man bekanntlich getrennte Behältnisse für Glut ("sidefirebox") und Gargut ("pit"). Macht aber nichts, denn mit dieser Methode strahlt sogar auf einem Gasi Gegrilltes die pure Lagerfeuerromantik aus. Nächste Woche garen wir auf diese Weise Mini-Kartöffelchen für einen Räuchersalat als Beilage zu Cordon Bleu vom Grill.

Dazu würden auch die heutigen Schiffchen gut passen, die man als Fleischverneiner genauso gut und gerne alleine ohne weitere Schwenknackenwurst verputzen kann. Fein daran ist neben dem zünftigen Geschmack der ausgehöhlten Kartoffel an sich auch die Spritzcreme auf Basis der Potakeninnerei, sowie die sommerfrische Füllung mit gewürfeltem Schafskäse und einer Pico de Gallo.

Das ist spanisch, und die Mexikaner meinen mit dem "Hahnschnabel" eine knackige Salsa aus klein geschnittenen Zwiebeln, Tomaten und Chili. Oft ist auch noch Gurke, Koriander, Limettensaft und Knoblauch im Spiel. Ein erfrischender Dip für Nachos oder als Topping für Tacos, Tostadas und allem, was an Fleisch gegrillt vom Rost kommt - auch ohne vertiefte Statistik.



insgesamt 9 Beiträge
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newline 24.06.2017
1. Wenn ich
die gegrillten Kartoffeln aushöhle, nur einen Rand stehen lasse und die "Rösthaut" entferne, dann kann ich mir das "Brandingmuster" sparen. Davon ist später nicht mehr viel zu sehen, wie die Fotos zeigen.
schlaueralsschlau 24.06.2017
2.
Nur weil Zwiebeln, chillies und Tomaten enthalten sind, muss es doch nicht pico de Gallo heißen, denn es geht an Charakter dessen vorbei. Wie wäre es mit ausgehöhlte Kartoffelhälften mit Füllung (von mir auch mediterrane Art)? Die Musterung wurde bereits angesprochen und ich verstehe den sinnlosen Aufwand auch nicht. Wie esse ich das Ganze eigentlich? Mit Schale oder benutze ich die Kartoffel nur als Tellerersatz? Löffel, Messer oder Hand? Dazu noch einmal danke dafür, dass die Werbung für den Wein dezenter geworden ist und selbst für den Ärmsten erschwinglich. Positiv ist auch anzumerken, dass ich in letzter Zeit nicht diverse Läden ansteuern oder Weltreisen Unternehmen muss um die Zutaten zu erhalten. Bei diesem Rezept dürfte aldi wohl ausreichen.
Hoberg 24.06.2017
3. hallo! wir wollten dich grillen
also neben den Grill noch Backofen und Spritzhaube und sonst noch was.. Rezepte die solch einen Aufwand machen sind nur möglich, wenn man einen Koch anstellt. Wusste nicht, dass dies die Leser hier in der Regel sind.. Gut eine Stunde vor dem eigentlichen Grillessen schon den Grill heiß haben..soso..
Miere 25.06.2017
4. Sehr einfach mag das sein (wirklich?), aber auch sehr aufwendig.
Man sollte diese Dinger eigentlich am Vortag fertigstellen, oder? Während man mit Freunden am Grill sitzt, Bier nachschenkt und die Würstchen wendet, wird man eher nicht dazu kommen, Kartoffeln auszuschaben. Was das sinnlose Brandingmuster angeht stimme ich dem ersten Kommentator zu. Und 700 g Käse auf 8 mittelgroße Kartoffeln, ehrlich? Da kann man dann ja das Fleisch gleich weglassen. Wie passt das da überhaupt rein?
Jo-achten-van-Haag 25.06.2017
5. Hobbykoch
muß richtig lecker sein auf so ein Stück Rosmarinnadel zu beißen. Und frischer Kerbel ist für die meißten auch ein "no go".
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