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Grüne Smoothies in der Blindverkostung: "Igitt, das schmeckt nach Schimmel"

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Blindverkostung: Die guten und die schlechten Grünen Fotos
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Alles Gute in ein, zwei Schlucken: Grüne Smoothies gelten als gesund. Doch wie kommen die Obst-Gemüse-Pürees eigentlich an, wenn man die schicke Verpackung mit ihren Gesundheitsversprechen weglässt?

Sie belagern die Bestseller-Listen, dominieren Werbeplakate und ziehen uns massenhaft das Geld aus der Tasche: Neben den "Minions" gelingt das zurzeit vor allem grünen Smoothies. Die Mixgetränke aus Obst und Gemüse, denen oft sogenannte "Superfoods" wie Grünkohl, die Mikroalgen Spirulina und Chlorella oder Weizengras zugesetzt sind, gelten als überaus gesund - und als bequem: Ein paar Schlucke sollen schon reichen, um uns Dauergehetzte mit wichtigen Vitalstoffen zu versorgen.

Wissenschaftlich ist bislang nicht belegt, dass rohe Pürees der beste Weg sind, um auf die täglich empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse zu kommen. Doch vollmundige Werbeversprechen, schicke Verpackung, praktische Handhabung und ihre schlichte Allgegenwärtigkeit sorgen dafür, dass immer mehr Menschen zu den kleinen grünen Flaschen greifen und nicht zusammenzucken, wenn an der Kasse bis zu drei Euro für 200 Milliliter fällig werden. Eine Frage gerät dabei jedoch außer Acht: Schmeckt das überhaupt?

Wie wir die Smoothie-Sorten ausgewählt haben

    Sechs Sorten - von frisch bis fertig abgefüllt - gingen in den Test    Zur Großansicht
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Sechs Sorten - von frisch bis fertig abgefüllt - gingen in den Test

Grüne Smoothies gibt es vom Discounter über den Bioladen bis zum Saftstand. Wir haben fünf fertig abgefüllte Smoothies aus bundesweit verbreiteten Supermarktketten und Bioläden sowie einen frisch zubereiteten von einer ebenfalls bundesweit verfügbaren Saftkette für die Blindverkostung genommen. Die Auswahl ist selbstverständlich nicht vollständig, repräsentiert aber grob die Smoothie-typische Bandbreite der Zutaten, Geschmacksnoten und Kosten.

Wie wir die Blindverkostung durchgeführt haben

Kurz vor dem Test werden die Probegläser gefüllt Zur Großansicht
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Kurz vor dem Test werden die Probegläser gefüllt

Die sechs Smoothies haben wir unmittelbar vor der Blindverkostung in neutrale Probiergläser abgefüllt und die Proben mit den Buchstaben A bis F gekennzeichnet. Die sechs Testerinnen und Tester von SPIEGEL ONLINE haben die Smoothies getrunken, ohne den Hersteller und die Zutaten zu kennen. Ihre Kommentare haben wir protokolliert und im Anschluss enthüllt, welche Produkte hinter den Buchstaben steckten.

Das Urteil der Testerinnen und Tester

Zu süß? Zu herb? Die Tester machen sich Notizen Zur Großansicht
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Zu süß? Zu herb? Die Tester machen sich Notizen

Voelkel "Grüner Smoothie mit Mango, Grünkohl und Spinat" (250ml für ca. 2,49 Euro): "Riecht nach Kompost", war das Erste, was die Tester zu diesem Smoothie sagten, noch bevor sie ihn getrunken hatten. Besser wurde es danach aber auch nicht: "Igitt, der schmeckt nach Schimmel!", kommentierte eine Testerin. Die anderen konnten dem Mix aus den Hauptzutaten Apfelsaft, Mangomark, Bananenmark und Grünkohl auch wenig abgewinnen: "pelzig", "bitter", "gammelig" lauteten die Beschreibungen. Der große Verlierer der Blindverkostung: Platz 5.

Mr. Clou "Detox Yourself: Wake Me Up" (375ml für ca. 4,50 Euro): Der einzig frisch zubereitete Smoothie fand zunächst nicht den Gefallen der Tester: "wässrig", "fade", "schmeckt nach Erbse", "eklig", hieß es nach den ersten Schlucken. Da der Mix aus Äpfeln, Orangen, Karotten, Avocado, Ingwer, Sellerie und roten Paprika deutlich mehr Gemüse enthielt, erforderte er eine gewisse Umstellung von den sehr obstbetonten anderen Sorten. Wer den zweiten Schluck wagte, urteilte danach: "eigentlich ganz lecker, nicht so süß". Dem Urteil "dann das Ganze doch lieber als herzhafter Dip" schloss sich dennoch die Mehrheit an: Platz 4.

Harvest Moon "Green Juice mit Mango, Pfirsich, Spirulina & Weizengras" (300ml für ca. 2,99 Euro): Das schön gestaltete Label konnten die Testerinnen und Tester nicht sehen, doch auch so waren sie schon vor dem ersten Kosten von Geruch und Aussehen dieses dickflüssigen "grünen Safts" ganz angetan: "riecht fruchtig", "beerig", "lädt zum Trinken" ein. Nach dem ersten Schluck war das Wohlgefallen jedoch verflogen: als "viel zu süß" empfanden ihn alle Tester, "kann man höchstens mit Wasser verdünnt trinken". Weiter trinken mochte ihn deshalb keiner. Da sich Testerinnen und Tester nicht darauf einigen konnten, ob Harvest Moon besser oder schlechter als der Smoothie von Mr. Clou war, teilen sich die beiden Drinks Platz 4.

Chiquita "Organic Smoothie Orange Kiwi Passion" (200ml für ca. 1,79 Euro): Grün, aber ohne Grünzeug kommt der neuste Smoothie von Chiquita daher. Das Gemüse vermissten unsere Tester hier allerdings auch nicht: "angenehme Säure", "fruchtig", "mit Geschmack von Kiwi und Stachelbeere", "gute Konsistenz" wurde gelobt - macht Platz 3.

Innocent "Super Smoothie Antioxidant" (360ml für ca. 2,49 Euro): "Riecht gut", "lecker, dezent fruchtig", "gute Säure", "kann man pur trinken": Der "Super Smoothie" mit Kiwi, Limette, Weizengras und Leinsamen kam bei den Testerinnen und Testern durchweg gut an. Nur eine Kleinigkeit wurde bemängelt: "Hat mehr die Konsistenz eines Fruchtsafts als eines Smoothies". Ein unumstrittener Platz 2.

True Fruits "Green Smoothie: Rucola, Minze & Chlorella" (250ml für ca. 2,39 Euro): "Riecht gefährlich" befanden die Tester zunächst - um sich dann von der Mischung aus Möhre, Birne, Mango und Äpfeln überzeugen zu lassen: "Erst eklig, aber dann och ja", "ganz anders", "gut!", "Klasse! Der Whisky unter den Smoothies", wurde gelobt. "Mir ist das zu viel herumexperimentiert", lautete der einzige Einwand. Trotzdem eindeutig auf Platz 1.

Die Top 3: In der Mitte der Sieger, links Platz 2, rechts Platz 3 Zur Großansicht
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Die Top 3: In der Mitte der Sieger, links Platz 2, rechts Platz 3

Fazit: Auch wenn Grünzeug den Smoothies ihren Namen und ihre Farbe gibt, bleibt es die heikelste Zutat: Zuviel davon ließ die Testerinnen und Tester an kalte Gemüsesuppe denken, zu wenig machte die Smoothies unangenehm süß. Den Mittelweg schafften die Smoothies auf den Plätzen 1 und 2: Bei ihnen waren die Zusätze aus Gemüse und "Superfoods" deutlich zu schmecken, aber gleichzeitig gut auf die anderen Zutaten abgestimmt. Ebenfalls grün und gesund war der Drittplatzierte in unserer Blindverkostung, obwohl er ohne Gemüse, Spirulina oder Chlorella auskam. Aber wenn ein Mix aus Früchten eh am besten schmeckt - warum diesen nicht als Smoothie zum Frühstück trinken und das Gemüse mittags als Salat oder Beilage essen? Gut zusammen gehen sie, so hat die Blindverkostung gezeigt, nur in Ausnahmefällen.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Selber machen
ae1 27.11.2015
ist auf Dauer drastisch billiger und schmeckt nach dem Ende des Experimentierstadiums besser. Man braucht nur einen Mixer.
2. Spirulina?
fridericus1 27.11.2015
Verfüttere ich an meine Aquarienfische. Vitaminbedarf? Äpfel und Orangen sind frisch extrem lecker, esse ich täglich. Ein leckerer Obstsalat ist unschlagbar. Erschütternd, was all die hippen Leute sich für teuer Geld andrehen lassen.
3.
räbbi 27.11.2015
...wie bei jeder anständigen Religion gehört ein bisschen leiden einfach dazu... ;)
4. sie haben ne kleinigkeit
IntelliGenz 27.11.2015
vergessen. Man kann sowas nicht nur selber machen, man kann auch diese fertigen Smoothies noch mit Sojamilch strecken (Proteine!) oder mit Joghurt (verdauungsfördernd!). Durch solche Zusätze wird die grüne Brühe erst richtig nahrhaft & wertvoll
5. Frage:
Thomas Rudi Edward Mx 27.11.2015
Kann man jedes X-beliebige Getränke-Gemisch aus Obst und/oder Gemüse als "Smoothie" verhökern, oder ist der Begriff irgendwie definiert und wenn ja: was versteht man darunter genau? Kann da theoretisch soviel Zucker drin sein wie in Cola?
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