Grüne Smoothies Rohkost aus dem Glas

Spinat, Möhrengrün, Kiwi in den Mixer, pürieren - und dann trinken. Grüne Smoothies aus Gemüse und Obst liegen im Trend. Aber wie gesund sind sie wirklich?

Grüne Smoothies: Schnell und einfach herzustellen
Corbis

Grüne Smoothies: Schnell und einfach herzustellen


Einfacher kann Kochen nicht sein: Man nehme einen Berg Grünzeug, packe es mit etwas Obst in einen Mixer, drücke auf die höchste Stufe und warte ein paar Sekunden - schon ist der grüne Smoothie fertig. In ein Glas füllen, trinken, satt.

Bei Anhängern des Gemüse-Drinks wandern zum Teil unglaubliche Mengen Salat, Möhrengrün, Avocado oder Spinat in den Mixer. Bis zu drei Liter Smoothies trinken manche - pro Tag! Dahinter steckt die - wissenschaftlich nicht belegte - Überzeugung, durch die hohe Aufnahme des Pflanzengrüns Chlorophyll Entzündungen vorzubeugen und den Körper zu entgiften.

Ernährungswissenschaftler reagieren etwas verhaltener. "Es stimmt, dass sekundäre Pflanzenstoffe wie Chlorophyll viele positive Auswirkungen auf den Körper haben", sagt Heike Englert, Oekotrophologin an der Fachhochschule Münster. Auf grüne Smoothies allein ließe sich das aber nicht reduzieren: "Es gibt noch keine einzige Langzeitstudie über diese Getränke." Englert selbst hat gerade eine rohvegane Klinik für Krebspatienten in Amerika besucht und dort, wie die Patienten selbst, zweimal täglich Weizengras-Smoothies getrunken.

Überforderter Verdauungstrakt

"Es war schon erstaunlich, wie fit ich mich danach fühlte", gibt sie zu, warnt jedoch gleichzeitig vor zu viel Euphorie: "Viel hilft nicht automatisch viel." 200 bis 250 Milliliter pro Tag seien genug, denn im Übermaß können grüne Smoothies den Verdauungstrakt überfordern. Einige grüne Gemüsesorten könnten sogar die Nährstoffbilanz verschlechtern. Beispielsweise enthielten Spinat, Mangold und Grünkohl Oxalsäure, welche die Aufnahme von Eisen, Kalzium und Magnesium aus der Nahrung störe, sagt Englert. "Man sollte deshalb schon wissen und abwägen, was täglich in den Mixer kommt", sagt die Expertin. Oder wo man den Smoothie kauft: "Fertigprodukte im Supermarkt stehen oft tagelang, enthalten Konservierungsstoffe und andere Zusätze."

Für Englert sind frische Smoothies eine gute Konsumalternative: "Viele Menschen schaffen es nicht, sich an die empfohlene Regel zu halten, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen. Smoothies können schnell zubereitet und verzehrt werden, das ist praktisch!"

Obst für den süßen Geschmack

Sie sind zudem leicht herzustellen. In den Mixer kann eigentlich alles, was das Gemüseregal so bietet, darunter auch einiges, was sonst bei den Kaninchen oder auf dem Kompost landet: Blattsalate, Feldsalat, Spinat, Mangold, alle möglichen Kohlblätter, Möhren- und Radieschengrün, Kräuter oder auch Wildpflanzen wie Löwenzahn oder Giersch. "Diese können am Anfang jedoch zu bitter schmecken", warnt Fachbuchautorin Katja Lührs ("Smoothie fit").

Anfängern empfiehlt die Expertin eher milde Zutaten wie geschmacksneutrale Blattsalate und Babyspinat. Hinzu kommt Obst für den süßen Geschmack. "Gerade bei Kindern darf es davon ruhig ein bisschen mehr sein."

Erste Smoothie-Versuche könnten Anfänger problemlos mit einem Pürierstab machen, sagt Lührs: "Dauerhaft ist aber ein Mixer die bessere Lösung, weil die Konsistenz dann feiner wird." Ein Power-Blender für viele hundert Euro müsse es aber nicht sein: "Solide Geräte mit stabilem Glasaufsatz gibt es schon für unter 200 Euro."

Als Erfinderin der grünen Smoothies gilt Victoria Boutenko aus den USA. Aufgrund chronischer Erkrankungen aßen sie und ihre Familie jahrelang hauptsächlich Rohkost. Irgendwann hatte sie das Gefühl, es ging gesundheitlich erneut bergab. Boutenko begann die Ernährungsgewohnheiten von Schimpansen zu studieren. Was hält die Menschenaffen so fit?

Die Antworten, die sie findet, sind simpel: Schimpansen essen Obst und jede Menge grüne Blätter. Boutenko grübelte: Können Menschen Blätter essen? Wie lassen sich die benötigten Mengen verzehren, ohne den ganzen Tag mit Kauen zu verbringen? Was hilft gegen den bitteren Geschmack?

2004 hat sie die entscheidende Idee: schreddern und süßen. Im Mixer kreiert sie aus Palmkohlblättern und Bananen ihren ersten Smoothie. Es ist auch der Beginn ihrer Karriere: Boutenko wird erst zur lokalen, dann zu weltweiten Botschafterin für grüne Smoothies, schreibt Bücher, hält Vorträge und gibt Seminare.

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derzweitemoritz 30.11.2014
1. Der Autor weiß nicht was Nährstoffe sind
"Einige grüne Gemüsesorten könnten sogar die Nährstoffbilanz verschlechtern. Beispielsweise enthielten Spinat, Mangold und Grünkohl Oxalsäure, welche die Aufnahme von Eisen, Kalzium und Magnesium aus der Nahrung störe, sagt Englert." Keines der genannten Elemente ist ein Nährstoff. Diese erschreckende Unwissen ist aber leider weit verbreitet auch im Fernsehen werden gerne Nährstoffe mit Spurtenelementen oder Vitaminen verwechselt.
soschautsaus2014 30.11.2014
2. Lernen von Schimpansen
Verschiedene Smoothies in allen Ehren, aber wenn der Ursprung war, dass sich jemand angeschaut hat, wie fit Schimpansen sind, dann ist der Hintergrund doch eher völliger Humbug. Kein Säugetier der Welt lebt länger als der Mensch mit unseren Errungenschaften und nein, die Lebenserwartung haben wir auch nicht durch natürliche Zutaten erhalten, sondern durch medizinische Forschung. Davon abgesehen: durchaus lecker mal so ein grüner Smoothie. Ausgewogene Ernährung schadet ja nie.
limubei 30.11.2014
3. bunt gemischt
Kann bestätigen, dass eine Kur mein Wohlbefinden erheblich steigert. Bunt gemischt: Möhren Rote Beete Gelbe und Rote Paprika Fenchel Rucola Radicco Tomaten Postelein Banane Zitrone bzw was sich so im Angebot findet. Alles in Bio Qualitaet wegen reduzierter Schadstoffe. Dazu Gemüsesaft sowie Sauerkrautsaft oder etwas Sauerkraut. Das verzehrt in kleineren Portionen über den Tag verteilt mit Brot Käse oder als Vorspeise statt Salat. Zum Fruestueck, Ei, Brot, Kaese, Und kurz vor dem Verzehr Leinöl oder eine hochwertige Omega 3/6/9 Oelmischung. Das ganze kann auch mal etwas bitter schmecken. Zucker tue ich niemals hinein.
Barxxo 30.11.2014
4. Verschwendung
Gemüse mixen ist Verschwendung. Durch den Mixvorgang wird massiv Sauerstoff mit möglichst vielen Pflanzenbestandteilen zusammengebracht. Ergebnis ist, daß das Zeug schneller oxidiert ist, als man es trinken kann. Wertvolle Bestandteile werden dadurch zerstört.
chromberg5000 30.11.2014
5.
@derzweitemoritz Was sich alles unter dem Begriff Nährstoff fassen lässt, ist auch hier und damit wie immer eine Frage der Definition. In Artikel 2 Abs 2 Nr 2 der Health-Claims-VO (EG) Nr. 1924/2006 heißt es konform mit dem vorliegenden Text: „Nährstoff“ ein Protein, ein Kohlenhydrat, ein Fett, einen Ballaststoff, Natrium, eines der im Anhang der Richtlinie 90/496/EWG aufgeführten Vitamine und Mineralstoffe, sowie jeden Stoff, der zu einer dieser Kategorien gehört oder Bestandteil eines Stoffes aus einer dieser Kategorien ist;
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