Models zeigen ihr Zuhause Schöne wohnen

Die Fotografin Hadley Hudson inszeniert Models dort, wo man sie selten sieht: zu Hause. Falls Sie also schon immer mal wissen wollten, wie die vermeintlich perfekten Wesen aus der Werbung wohnen - bitte hier entlang!

Hadley Hudson

Mit Models kennt sie sich aus - dachte die Fotografin Hadley Hudson zumindest immer. Schließlich arbeitete sie schon für die britische "Vogue", das "New York Times Magazine", "Glamour" und das Szenemagazin "032c". Hudson fotografierte sehr teure Kleider an sehr jungen Models. Mal in glitzernden Hochglanzkulissen, mal vor abgewetzten Plakatwänden, aber immer bis ins kleinste Detail geplant, inszeniert und anschließend mit Photoshop perfektioniert.

Eines Tages aber machte sie spontan Aufnahmen von einer modelnden Freundin in deren Wohnung. Nach Feierabend, ohne ausgeklügelte Beleuchtung und professionelles Make-up, in Wohlfühlklamotten statt in delikaten Designerkleidern, die überdies häufig am Rücken mit Stecknadeln und Teppichklebeband befestigt sind, damit bloß nichts verrutscht bei all den Verrenkungen und sexy Posen im Job.

Als regelrechten Schock habe Hudson es empfunden, wie anders die Freundin plötzlich vor der Kamera wirkte: "Ich begriff plötzlich, wie viel ich immer auf Models projiziert hatte und wie wenig meine Fantasien eigentlich mit ihnen zu tun hatten."

Ein Hauch Cellulite

Die Fotos "enthüllen Verletzlichkeit und Übermut, Ängste und Ambitionen" der Models, schreibt der US-Schriftsteller und Modejournalist Michael Gross im Vorwort zum Bildband "Persona. Models at Home", der gerade im Hatje Cantz Verlag erschien. Hudsons Fotos kommen tatsächlich wie Schnappschüsse daher und enthüllen Makel, die gemeinhin akribisch wegretuschiert werden: Pickel, Narben, Augenringe, Achselhaare. Sogar ein Hauch von Cellulite ist manchmal zu erkennen. Dass der Band kaum ein Foto ohne Posen enthält, und sei es nur der bewusst gelangweilt-sinnsuchende Blick in die Ferne, scheint bei der fotografierten Berufsgruppe kaum vermeidbar zu sein.

Und dann sind da noch die Wohnungen der Models. Charlie posiert im New Yorker Apartment seiner Eltern vor Boxsack, USA-Flagge und abgewetzter Wand; auch Adrien lebt noch bei seinen Eltern und steht vermeintlich verloren vor einer Wand voller alter Poster und Fotos von den Sex Pistols. Giedre posiert im Abendkleid mit einem Glas Wein vor unausgepackten Umzugskartons in ihrem Zimmer in New York, und ein paar Jungs aus einer Model-WG um die Ecke sitzen in Lederjacke, Kenzo-Cap und Skinny-Jeans auf kargen Hochbetten.

Das alles wirkt so betont zufällig, dass man meinen könnte, durch eine Modestrecke eines Indie-Szenemagazins zu blättern. Ob die Bilder nun die Realität abbilden oder ob die Models tatsächliche diese inszenierte Ästhetik auch leben, ist eine der interessanten Fragen, die Hudsons Bildband aufwirft.


Hier gelangen Sie zu unserer Bilderstrecke.

Anzeige

kap



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.