Lieblings-Accessoire Was haben diese Frauen in ihren Handtaschen?

Der Fotograf Corwin von Kuhwede hat sich jahrelang gefragt, was Frauen eigentlich in ihren Handtaschen haben. Bis er nachgeschaut hat.

Corwin von Kuhwede

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr von Kuhwede, was haben Sie in Ihren Taschen?

Kuhwede: In der rechten, vorderen Hosentasche habe ich immer Taschentücher. Vorne links stecken meine Geldbörse und mein Handy. Hinten rechts bleibt frei und hinten links verwende ich für verschiedene Dinge, zum Beispiel für Kassenzettel. In meinen Jackentaschen trage ich meist noch einen Notizblock, einen Stift, Visitenkarten und Lesezeichen, die ich selbst entworfen habe. Die sind zum Verschenken.

Zur Person
  • Susann Jehnichen
    Corwin von Kuhwede hat mit drei Jahren sein erstes Foto gemacht. Es zeigt einen Himmel, ein paar Bäume, und am äußersten Rand klebt der Kopf seiner Mutter wie eine ungeschickt positionierte Briefmarke. Als Jugendlicher fotografierte er mit einer analogen Kompaktkamera und dann geschah lange Zeit nichts. Im Jahr 2005 entdeckte Corwin von Kuhwede die Fotografie neu und begann zwei Jahre später als selbstständiger Fotograf in Leipzig zu arbeiten.
SPIEGEL ONLINE: Warum wollten Sie unbedingt wissen, was Frauen in ihren Handtaschen haben?

Kuhwede: Viele Frauen machen ein Riesengeheimnis daraus, was sie in ihren Taschen haben. Zugleich heißt es, die tragen darin ihr ganzes Leben mit sich herum. Da wollte ich wissen, was das sein könnte.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie erwartet?

Kuhwede: Irgendetwas Geheimnisvolles bei all den Mythen, die um Frauenhandtaschen kursieren. Und ich glaube jeder Mann hätte vielleicht auch mal ein kleines Sexspielzeug bei einer Dame erwartet.

SPIEGEL ONLINE: Und?

Kuhwede: Ich fand keines. Die Frauen hatten meist nur Taschentücher, Tampons oder Kondome dabei. Nichts Außergewöhnliches. Erstaunlich fand ich hingegen, wie viele Sachen aus noch so kleinen Taschen herausgeholt wurden. Dann gab es wiederum Frauen, die sehr große Taschen hatten. Da war dann allerdings kaum etwas drin. Die Logik dahinter verstehe ich bis heute nicht.

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16  Bilder
Transparente Taschen, Teil 2: Mehr als nur die Geldbörse
SPIEGEL ONLINE: Hat sich der Tascheninhalt der jüngeren Frauen von denen der älteren unterschieden?

Kuhwede: Die Jüngeren hatten eher noch Eintrittskarten von Veranstaltungen dabei oder Bücher. Der Inhalt ihrer Taschen erschien mir etwas kurzlebiger. Die älteren Frauen hatten eher praktischere Dinge in ihren Handtaschen, zum Beispiel Hustenbonbons oder Pflaster. Eine trug aber auch ein großes Messer mit sich herum.

SPIEGEL ONLINE: Ach was?

Kuhwede: Doch, doch. Sie war mit ihrer Familie zu einem Shooting in mein Studio gekommen. Dann hab ich sie gefragt, ob ich auch den Inhalt ihrer Tasche fotografieren könnte. Als sie die Tasche ausleerte, war ein riesengroßes Messer dabei. Ihre Familie hat ziemlich irritiert geschaut und jemand hat gefragt: "Oma, was machst du denn mit dem Messer?" Die Frau schien selbst recht überrascht, als sie es sah - meinte dann aber, so etwas könne man doch immer gebrauchen.

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Transparente Taschen, Teil 3: Mehr als nur die Geldbörse
SPIEGEL ONLINE: Gab es auch Frauen, die schnell was aus ihrer Tasche verschwinden lassen wollten, bevor Sie es fotografierten?

Kuhwede: Einige wollten nicht, dass ich die benutzten und zerknüllten Taschentücher oder die alten zerquetschten Bonbons mit zeige. Aber hätte ich das zugelassen, wären die Fotos ja nicht mehr authentisch gewesen. Damit die Frauen ihre Taschen nicht vorher aufräumen konnten, habe ich allen nur erzählt, dass ich für mein Shooting Frauen suche, die sich mit ihrer Handtasche fotografieren lassen. Nicht aber, dass ich alles bis auf den letzten Schnipsel zeigen möchte.

SPIEGEL ONLINE: Und da haben alle mitgemacht?

Kuhwede: Als ich erklärt habe, was ich wirklich vorhatte, war die Reaktion immer die gleiche. In den Gesichtern der Frauen konnte ich erkennen, dass sie ganz angestrengt nachdachten und sich fragten, was sie eigentlich in ihrer Tasche haben, und ob das peinlich für sie werden könnte. Dann haben sich alle bereit erklärt, den Inhalt fotografieren zu lassen, weil sie die Idee gut fanden. Nur eine hat sich geweigert. Tja, wer weiß, was die dabei hatte. Das wäre wahrscheinlich der spannende Inhalt gewesen, auf den ich die ganze Zeit gehofft hatte.

Die Homepage des Fotografen finden Sie hier.



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
benn01 01.02.2016
1. Nicht nur der Inhalt ist interessant.
Man beobachte Frauen mit Handtasche z.Bsp. in öffentlichen Verkehrsmitteln. Kurz nach dem Setzen erfolgt ein intensives Wühlen in der Tasche. Weit gefehlt, wenn man erwartete, dass danach etwas entnommen würde. Bei dieser Handlung wirkt die Frau völlig entrückt. Es muß sich um eine Art unbedingten Reflex handeln.
harryholdenwagen 01.02.2016
2.
Ich sehe es immer wieder wie Frauen etwas in ihrer Handtasche suchen und verstehe nicht warum sie soviel mitschleppen. Ich habe in meiner Handtasche meine Geldbörse, Taschentücher, einen Kuli, Einkaufsbeutel und mein Handy. Der Rest ist optiontional und wird reingepackt, wenn ich es brauche wie zb mein Tablet (für die Uni) oder den Regenschirm wenn es nach Regen aussieht.
troncologne 01.02.2016
3.
Ich stelle mir gerade vor, ich würde in der Bahn nach meiner Monatskarte gefragt und müsste die aus meiner Umhängetasche hervorwühlen. Zusammen mit meinem Schlüsselbund und meinen verknoteten Kopfhörern käme dabei auch eine U-Hose zum Vorschein. Wäre das bei einem Mann nun merkwürdiger als der Schlüpfer in der Damenhandtasche aus Bild 4?
rudi_1957 01.02.2016
4. Backsteine!
Ich merk's jedes Mal kurz nach der Frage: 'Schatz, kannst Du mal kurz halten?'
wakaba 01.02.2016
5.
Zitat von benn01Man beobachte Frauen mit Handtasche z.Bsp. in öffentlichen Verkehrsmitteln. Kurz nach dem Setzen erfolgt ein intensives Wühlen in der Tasche. Weit gefehlt, wenn man erwartete, dass danach etwas entnommen würde. Bei dieser Handlung wirkt die Frau völlig entrückt. Es muß sich um eine Art unbedingten Reflex handeln.
...danach wird der Fuss kurz angewinkelt und repetitive Fingerbewegung. Hat was manisches oder Hirnschädigung oder ritueller Anfang eines autoerotischen Tagtraumes. Machen alle und ist Basis des täglichen Filmrisses.
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