Oldtimerhype Der Geruch von Benzin und Barbecue

Frauen in knappen Overalls, Männer mit matschbespritzten Helmen: Beim "Pendine Sands Hot Rod Race" und dem "Race of Gentlemen" jagen Oldtimerfans Strände entlang. Fotograf Johannes Huwe war dabei.

Johannes Huwe

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Was ist das "Pendine Sands Hot Rod Race" für ein Rennen?

Huwe: Da heizen Leute mit Oldtimern, die vor 1949 gebaut worden sind, den Strand von Pendine Sands in Südwales entlang.

Zur Person
  • privat
    Johanne Huwe konzentriert sich auf Dokumentar- und Landschaftsfotografie. Für seine Dokumentationen reist er oft an unwirtliche Orte wie Grönland, um die Inuit zu porträtieren oder in die Antarktis. Huwe lebt und arbeitet in Hannover.

SPIEGEL ONLINE: Ist das ein richtiges Rennen oder führen die Fahrer nur ihre Autos vor?

Huwe: Da geht es schon richtig um Geschwindigkeit. Es fährt zwar immer nur ein Fahrer auf einmal, aber das Ziel ist es, die rund elf Kilometer lange Strecke so schnell wie möglich zurückzulegen. Wer eine Geschwindigkeit von über 100 Meilen in der Stunde, also rund 167 Km/h schafft, wird in den 100-Meilen-Klub aufgenommen. Da wollen alle rein. Der aktuelle Rekord liegt bei 117 Meilen, also rund 188 Kilometern in der Stunde.

Fotostrecke

13  Bilder
Retro-Rennen in Wales: Sandspurt

SPIEGEL ONLINE: Woher kommen die Fahrer?

Huwe: Die sind aus ganz Europa. Ein paar Schweden habe ich schon auf der Autobahn wiedererkannt, als ich nach Südwales unterwegs war. Die leben für ihr Hobby und kommen sogar die ganze Strecke aus Nordeuropa mit dem Oldtimer angereist.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Stimmung im Ort?

Huwe: Pendine Sands platzt während des Rennens aus allen Nähten. Es gibt nur zwei Pubs und auch nur wenige Imbissstände. Die waren schon komplett leer gekauft, als ich mir etwas zu Essen besorgen wollte. Das Rennen ist noch nicht so kommerziell ausgeschlachtet wie zum Beispiel in Wildwood.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen das "Race of Gentlemen" im US-Bundesstaat New Jersey?

Huwe: Genau, vor ein paar Jahren haben Liebhaber dieses Event in der Stadt Wildwood wiederbelebt. Hier reiht sich an der Hauptstraße ein Motel ans andere, überall gibt es Diner und so alte Straßenschilder. Während des Rennes liegt der Geruch von Benzin, Hot Dogs und Barbecue in der Luft. Es fahren Eiswagen umher und alte Lastwagen, die auf Leinwänden Werbung machen. Das ist alles perfekt durchorganisiert. Außerdem kommen Bands an den Strand und spielen das ganze Wochenende über Swing aus den Fünfzigern. Und wenn die ganzen Oldtimerfans kommen, wird es magisch.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Huwe: Die leben ihren Stil. Das, was sie anhaben, Overalls und Lederklamotten zum Beispiel, tragen sie auch das ganze Jahr über. Deswegen wirken sie auch so authentisch. Die ziehen sich nicht mal eben nur für das Rennen um.

SPIEGEL ONLINE: Was sind das für Menschen?

Huwe: Die Mehrheit kommt aus den USA, aber Einzelne reisen auch aus Norwegen und Japan an. Man mag jetzt an verrückte Kfz-Schrauber denken, die den ganzen Tag unterm Auto liegen, aber es kommen auch Unternehmer aus der Schweiz und Japan. Zum Beispiel "Sushi" - das ist ein japanischer Modedesigner, dessen Kollektion weltweit verkauft wird.

SPIEGEL ONLINE: Sind auch Frauen dabei?

Huwe: Ja, eine von ihnen hält den Geschwindigkeitsrekord. Beim letzten Rennen ist ihr während der Fahrt ein Lenkrad abgefallen. Aber es ist zum Glück nichts passiert. Sie konnte mit der Lenkstange noch lenken und die Bremsen haben auch noch funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sind die Zuschauer so drauf?

Huwe: Das Rennen ist nicht nur für eine sehr spezielle Community, sondern trifft das Herz vieler anderer, deren Leidenschaft Vintage ist, die alte Möbel oder Fahrräder lieben.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Bilder sehen selbst ein bisschen altmodisch aus. Warum?

Huwe: Die meisten Fotografen, die dort sind, haben modernste Digitalkameras. Damit können sie zehn Bilder auf einmal machen und suchen sich dann einfach das beste aus. Ich fotografiere mit Leica-Kameras und Filmen, die 60 Jahre alt sind. Die muss ich manuell nachspannen. Auch den Fokus muss ich mit der Hand einstellen. Deswegen sehen die Bilder so altmodisch aus. Aber das ist meine Herausforderung. Ich habe nur einen Schuss, wenn etwas Spannendes passiert, und der muss sitzen.

Das Interview wurde für das Fotoportal seen.bygeführt.

Homepage von Johannes Huwe

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
habenix 30.07.2016
1. Herrlich unvernünftig!
Schön so etwas u sehen. Leider gibt es bei uns sowas nicht, es könnte der Lärm ja eine Eidechse stören oder mal ein Tröpfchen Öl auf den Strand tropfen, und überhaupt wer braucht schon noch Spaß bei uns?
don.bollwitz.5 30.07.2016
2. Zum Glück nicht bei uns!
Richtig: Von der Verschmutzung durch Abgase und Lärm mal abgesehen können Öl und Treibstoff den Strand verseuchen. "Herrlich unvernüftig"? Eher ein herrlich dummer Zeitvertreib. Man kann auch Spaß haben, ohne sein soziales und ökologisches Umfeld zu terrorisieren.
Überfünfzig 30.07.2016
3. #2 Genau!
So nette Spielchen wie Hallenhalma, Volksschulkurse über den politisch korrekten Umgang mit Biolebensmittel oder Ringelpietz mit Anfassen. Auf jeden Fall nichts Gefähliches oder etwas was lauter ist und fürchterlicher stinkt als ein Furz. Die weichgespülten Ökoluschen werden uns echte Kerle nie verstehen und eure Lebenseinstellung wollen wir nicht verstehen.
s.p.igel 30.07.2016
4. Wenn Sie Gefahr, Lärm und Gestank wollen,
dann hindert Sie niemand daran, an eine Hauptverkehrsstraße zu ziehen - es gibt sicher genug Leute, die mit Ihnen tauschen wollen.
Nebhrid 30.07.2016
5. Echte Kerle
Zitat von ÜberfünfzigSo nette Spielchen wie Hallenhalma, Volksschulkurse über den politisch korrekten Umgang mit Biolebensmittel oder Ringelpietz mit Anfassen. Auf jeden Fall nichts Gefähliches oder etwas was lauter ist und fürchterlicher stinkt als ein Furz. Die weichgespülten Ökoluschen werden uns echte Kerle nie verstehen und eure Lebenseinstellung wollen wir nicht verstehen.
veranstalten, echten Blödsinn? Keine Phantasie?
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