Architektenhaus in Brasilia Wohnen in der Oase

Viel Grün und ein vom Dach bis zu den Fliesen durchgezogenes Farbkonzept: Ein Vater-Sohn-Architektenduo hat einen Ort geschaffen, der sich perfekt in seine Umgebung einfügt - und trotzdem ins Auge sticht.

Haruo Mikami

Von der Straße aus betrachtet, macht das "House 28" wenig her. Das einstöckige Gebäude in der brasilianischen Hauptstadt wird ringsum von einer Steinmauer geschützt, Bäume versperren zusätzlich die Sicht. Doch wer die Einfahrt passiert hat, gelangt in eine 7000 Quadratmeter große Oase inmitten der sandigen Landschaft, zehn Autominuten vom Stadtkern entfernt. Zwischen den Pflanzen und Bäumen verteilen sich mehrere miteinander verbundene Wohneinheiten.

Die Idee dazu hatte das Vater und Sohn Architektengespann Samuel und Ruy Lamas. Für eine Familie entwarfen sie die einzelnen Quader in unterschiedlichen Höhen, um dann daraus das Ensemble zu gestalten, bei dem den Bewohnern nie ganz klar ist, ob sie sich nun im Haus oder im Garten befinden. Denn das war der ausdrückliche Wunsch der Auftraggeber: Abgeschiedenheit und Nähe zur Natur.

Aus diesem Grund ordneten Samuel Lamas und Vater Ruy die einzelnen Gebäudeteile versetzt an. So kann sich das Grün des Gartens quasi zwischen die einzelnen Wohnräume schieben. Damit die Hausbewohner das auch sehen können, wurden großflächig Glasfronten eingesetzt - vor allem in Ost-West-Richtung für dramatische Lichteffekte.

Optische Verbindung durch Farbkonzept

Um die optische Verbindung zur Umgebung zu unterstreichen, sind der Putz sowie die Innenwände und die Bodenfliesen im gleichen rötlichen Sandton gehalten wie die Erde der nahen Cerado-Savanne. Großzügig verbautes Rotholz und das Dach aus Kortenstahl - der mit der Zeit eine kräftige Rostschicht ansetzt - verstärken diesen Eindruck zusätzlich.

Beim Rundgang durch das Innere fallen einem sofort die langen Sichtachsen und fließenden Übergänge zwischen den verschiedenen Räumen auf. Dafür wurden die Wände hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung gestellt und teilweise in die einzelnen Bereiche hinein verlängert. Vom Eingangsbereich kann so bis auf die Terrasse geschaut werden, die in Verlängerung zum Wohnzimmer angelegt wurde. So können die Bewohner schnurstracks zum Pool marschieren, sobald sie daheim sind.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: House 28.

Fotostrecke

10  Bilder
Rundgang durch das "House 28": Vila Brasil!

Lage: Brasilia, Brasilien

Zimmerzahl: Drei Schlafzimmer, Lounge, Wohn-Essbereich, Wohnküche, Büro und Hauswirtschaftsraum

Garten: Das Haus steht inmitten eines 7000 Quadratmeter großen Gartens mit altem Baumbestand und reichlich Grün.

Extras: große Terrasse mit Bar und Pool

Stilfaktor: Ein auf die Umgebung abgestimmtes Farbkonzept, das alles zwischen Dach und Fußboden umfasst: Hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht.

Neidfaktor: Dieses Haus ist riesig, die 850 Quadratmeter wurden aber so geschickt verschachtelt, dass es nicht protzig wirkt.

Wer fühlt sich hier wohl? "Land Lust"-Leser und "Mein Schöner Garten"-Abonnenten

Unbedingt mitbringen: Rasenmäher, Holzpolitur, Saugroboter

Nachbarn: Keine bis auf die verschiedenen Tiere und Insekten im Garten.

Altersgerechtes Wohnen: Hier ist alles schön ebenerdig, um überall bequem mit dem Rollator hinschlurfen zu können. Platz genug für eine Senioren-WG wäre auch vorhanden.

Weitere Infos: Gibt es auf der Website der Architekten Lamas.

löw

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
C. V. Neuves 11.06.2017
1. Illuminati
Ich werde mein Haus von jetzt ab auch immer im Zwielicht bei eingeschalteter Beleuchtung fotografieren. Dann wird es mindestens ein Viertel- bis halbe Million teurer aussehen.
dirk.resuehr 12.06.2017
2. Knobelsdorff und Schinkel
Berlin hatte bedeutende Architekten. Die Bauakademie zeigte weit in die Zukunft. Viele Besucher bewundern die Bauten, ob das den von den Architekturkritikern hochgelobten Bauten geschehen wird? Sie stechen ins Auge, nicht nur, auch ins Hirn. Außer einfachsten geometrischen Formen, Quadrarte und Rechtecke, dazu Alibi-Holz, sehe ich hier nichts, Genie ist anders. Kalte Pracht, pardon, Pracht nehme ich zurück.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.