Saniertes Wohnhaus in Brüssel Wegreißen und aufschneiden

Fad wirkte der Altbau in Brüssel, eng und spießig. Ein Architektenduo plante die Sanierung und schuf eine lichtdurchflutete Wohnoase in der Stadt. Hier sehen Sie, wie sich das Haus verändert hat.

Nicolas Schimp

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: House WW von K2A Architekten.

"Innovative Lösungen für komplexe Probleme" haben sich Stéphane Kervyn und Federico Alegria zum Ziel gesetzt. Im Fall zweier heruntergekommener Häuser in Brüssel sah die Antwort der belgischen Architekten so aus: entkernen, beide Gebäude vereinen, die schöne Frontfassade aus dem 19. Jahrhundert restaurieren, und auf der Rückseite rausschneiden und wegnehmen, was geht.

Das Ergebnis ist ein bis unter das Dach durchgestyltes Eigenheim für eine Familie mit Kindern. Wo früher Studenten in kleinen, dunklen Wohneinheiten saßen und sich über den Vermieter ärgerten, der sich um nichts kümmerte, wird nun auf drei Stockwerken gelebt und gearbeitet, immer mit Blick ins Freie. Rund 500 Quadratmeter Platz haben die Bewohner.

Betreten wird das Haus über einen Windfang, der mit Baumstämmen in Szene gesetzt wird, eine Idee der Innenarchitekten von Permis de Construire. Über eine Treppe oder einen Fahrstuhl gelangen die Bewohner in das Hochparterre. Hier wurden alle Zwischenwände entfernt und so ein großzügiger Wohnbereich geschaffen, der um das Treppenhaus verläuft, das außerdem als Raumtrenner dient: auf der einen Seite das Wohn- und Esszimmer, gegenüber die Küche.

Ein Stockwerk für die Eltern

Die zwei alten Ausluchten Richtung Garten wurden abgerissen und ersetzt durch einen Vorbau mit Glasfassade und Schiebetüren. Davor erstrecken sich die Terrasse - mit Platz für eine Tafel - und der Garten mit Sitzecke. Der Außenbereich kann außerdem über einen Hinterausgang des Kellers betreten werden.

Der erste Stock ist komplett für die Eltern reserviert. Neben einem Schlafzimmer mit Aussicht in den Garten und einem Ankleideraum steht ihnen auch noch ein Badezimmer zur Verfügung, das sich über die gesamte Breite des Hauses erstreckt. So war genug Platz für eine frei stehende Marmorbadewanne und eine Dusche mit angrenzender Sauna.

Der Rest der Familie schläft in der zweiten und dritten Etage. Im zweiten Stock ist außerdem noch ein kleines Gästezimmer mit eigenem Bad. Der restliche Platz wird für Büro mit Bibliothek und Leseecke genutzt. Unter dem Dach sind zwei weitere Schlafzimmer, jeweils ausgestattet mit Balkon und Bad.

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19  Bilder
Fotostrecke: 50 Shades of Grey in Brüssel

Lage: Brüssel, Belgien.

Zimmerzahl: Vier Schlafzimmer, vier Badezimmer, Wohnküche, Loungebereich, Arbeitszimmer.

Garten: Zum Haus gehört ein kleiner Hof, der aber genügend Platz bietet für zwei Bäume, eine Terrasse und eine Sitzecke.

Extras: Sauna, Ausguck unter dem Dach.

Stilfaktor: Hinter einer Ziegelfassade aus dem 19. Jahrhundert verbirgt sich ein ultramoderner in Grautönen gehaltener Familienpalast, der dank zahlreicher Fenster aber nicht düster wirkt.

Neidfaktor: Am neidischsten sind wohl die Studenten, die hier früher gewohnt haben. Laut Auskunft der Architekten handelte es sich bei den beiden Häusern um absolute Bruchbuden - was den Vorbesitzer aber nicht davon abhielt, ordentlich Miete zu kassieren.

Wer fühlt sich hier wohl? Architekten, graue Mäuse und Minimalisten.

Unbedingt mitbringen! Designbildbände, Retro-Rennräder und schwarze Rollis.

Weitere Infos: Mehr erfahren Sie in unserer Bildergalerie, oder bei den Architekten von K2A.

löw

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
duolin 24.11.2018
1.
Mal eine Frage (ich habe keine Ahnung von der Architekturwelt): In dieser grauen Wüste soll doch nicht wirklich jemand wohnen, oder? Das doch so eine Art "Demo", mit der die Architekten ihre Fähigkeiten zeigen? Was passiert üblicherweise, wenn das Haus dann tatsächlich verkauft wird? Wird dann die ganze Inneneinrichtung rausgeworfen und alles übermalt?
jot-we 24.11.2018
2. G!
Grässlich! Grauenhaft! Gendergedöns! Das wirkt ja wie eine Mischung aus Witz, Satire und Hallenbad. Und dabei sah's doch vorher so nett vermurkelt und humanesk aus. Also: Der Blitz möge architektierende Hippster beim Proseccotrinken treffen oder - besser noch - die sollten in solchen Bauten die nächsten 20 Jahre leben müssen - natürlich bei veganem Wasser und Marie-Antoinette-Brot!
unky 24.11.2018
3. 500 qm in freundlichem Anthrazit
Die Vorliebe von Architekten für Schwarz und Grau ist mir völlig unverständlich. Wer täglich auf dunkelgraue Wände starrt, muss ja trübsinnig werden. Da werden erst ganze Glasfassaden errichtet - und dann werden alle Wände dunkelgrau getönt. Mich würde auch einmal interessieren, wie groß die Familie ist, die hier 500 qm bewohnt. Aber wahrscheinlich ist Minimalismus hier nur ein Designmerkmal und keine Lebensart.
GrüneLeuchte 24.11.2018
4. Richtig clever
Bei dem kommenden Klimawandel dafür zu Sorgen das möglichst viel Licht und somit Hitze rein kommt war wirklich richtig clever.
Mr Bounz 24.11.2018
5. Hahaha
Alle sehen es sofort, der Umbau ist total daneben. Erst Licht rein und dann wieder alles dunkel machen. Auch sonst ist die Raumaufteilung total blödsinnig. Der meiste Raum wird für all das genutzt was man täglich am wenigsten braucht. ... aber sicher gibt es Menschen die zum Lesen durchs Bad ins Ankleidezimmer gehen. NOT! Da ist der Autor mal wieder ein paar Dampfplauderern auf den Leim gegangen.
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