Designtraum in Sydney Zwei Häuser, ein Heim

In diesem schicken Eigenheim haben Eltern und Kinder jeweils ihr eigenes Reich. Sich aus den Augen zu verlieren ist aber unmöglich - dank zahlreicher Sichtachsen und eines strategisch platzierten Fernsehers.

Murray Fredericks

Man denke sich ein einfaches Haus mit Satteldach, schneide es der Länge nach durch und verschiebe die Haushälften in entgegengesetzte Richtungen - mit diesem Kniff schufen die Architekten von CplusC Architectural Workshop ein Zuhause für eine fünfköpfige Familie, in dem sowohl die Eltern als auch die Kinder in den Genuss eines eigenen Gebäudeflügels kommen. Optisch aufgewertet wird die räumliche Trennung durch einen künstlichen Bach, der "durch" das Haus fließt.

Zusätzlich wünschten sich die Bewohner jede Menge luftigen Lebensraum. Also gibt es neben einer überdachten Terrasse viele kleine Ecken und Nischen, um sich zurückzuziehen. Weil das Haus in Sydney steht, lassen sich die Schiebetüren der Kinderzimmer außerdem so weit öffnen, dass die Räume quasi nur noch drei Wände haben. Das ist äußerst praktisch, wenn das Thermometer mal wieder 47 Grad im Schatten anzeigt.

So heiß brennt die Sonne allerdings auch in der australischen Hafenmetropole selten vom Himmel. Deshalb ist das "Iron Maiden House" klassisch nach ihrem Lauf ausgerichtet: Morgens geht sie schräg gegenüber der Kinderzimmer auf und scheint auch durch das Panoramafenster im elterlichen Schlafzimmer. Im Laufe des Tages wandert sie über den Swimmingpool und leuchtet dann ins Esszimmer, ehe sie ganz verschwindet.

Wenn das Licht am Himmel aus ist, können sich die Familienmitglieder entweder verteilen auf das Wohnzimmer im Erdgeschoss und das Fernsehzimmer im ersten Stock - strategisch günstig gelegen zwischen Elternschlafzimmer und Kinderflügel. Was fürs Auge gibt es aber auch überall sonst wo. Das Haus ist so gebaut, dass die Bewohner aus jedem Raum auf Grün blicken. Dazu dienen auch die Maschendrahtzäune, sie sind Rankhilfen für Kletterrosen und andere Gerüstkletterer. Als letzte Programmalternative bliebe noch das Fernsehen der Steinzeit, eine Feuerstelle im Garten.

Fotostrecke

14  Bilder
Fotostrecke: Zwei Häuser, ein Heim

Lage: Sydney, Australien

Jahr: 2018

Zimmerzahl: Vier Schlafzimmer, ein Gästezimmer, drei Bäder sowie ein großer Wohn-Essbereich und ein Unterhaltungszimmer.

Extras: Im Garten gibt es einen Swimmingpool und eine Feuerstelle.

Garten: Vor, hinter und neben dem Haus gibt es Grünflächen. Außerdem wird es in Zukunft noch vertikale Gärten geben, wenn die Rankhilfen bewachsen sind.

Stilfaktor: Mit Wellblechen verkleidete Wände und Maschendrahtzäune vor den Kinderzimmern: Was zunächst an Guantanamo Bay erinnert, hat einen sehr viel schöneren Sinn. Die Fassaden sind eine architektonische Verneigung vor traditionellen australischen Bauweisen, und die Drähte sollen nicht die Kinder drinnen halten, sondern Pflanzen emporhelfen.

Wer fühlt sich hier wohl? Kinderreiche Familien, Sonnenanbeter, Open-Air-Fans und Regina "Maschendrahtzaun" Zindler.

Unbedingt mitbringen! Sonnencreme und Kletterpflanzen.

Weitere Infos: gibt es auf der Webseite von CplusC Architectural Workshop und bei Instagram.

löw

Mehr zum Thema


insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hummelvogel 14.08.2018
1. und wieder mal ...
... kein Grundriss, kein Schnitt.
at.engel 14.08.2018
2.
Das sind ein paar gute Ideen dabei, aber meine Traumvilla ist gut zwei Tausend Jahre alt: Eingansbereich, der sich auf ein Atrium öffnet - mit Wasserbecken oder so âhnlich... eine Art Riad oder Patio vielleicht - Küche und Wohnräume und dann die Schlafzimmer, die auf eine Art Peristyl öffen, mit Garten. Vielleicht ein erster Stock mit Terrasse und Aussicht... und das war es. Werde ich mir zwar nie leisten können, ist aber dennoch das beste, was man bisher Mittelmeerbereich erfunden hat. Satteldach in Sydney... ist einfach Blödsinn. In solchen Gegenden muss man sich gegen Sonne und warme Luft schützen... sprich Schatten und Grün! Das hatten schon die Römer kapiert.
schrottixle 14.08.2018
3. Endlich mal
ein Haus, in dem ich auch gerne leben würde.
blickindiewelt 14.08.2018
4. Schönes Haus
Bei 47 Grad im Schatten empfiehlt es sich, alle vier Wände fest geschlossen zu halten, keineswegs eine Wand sperrangelweit aufzureißen. Kleiner Tipp, falls der Autor mal in wärmere Gegenden reisen möchte. Ansonsten: schönes bewohnbares Haus
p2063 14.08.2018
5. Platzverschwendung
allein die vielen Lufträume in denen man hätte weitere Zimmer unter bringen können. Mag der eine oder andere zwar schick finden, ist aber gänzlich unpraktisch. Vor allem die ganzen Fensterflächen dier Architektenhäuser will ich nicht putzen müssen. Und im Kindertrakt erinnert der Maschendraht freundlich dran, dass man sich auch im Knast befinden könnte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.