Jean-Paul Gaultier Der Mann, der Madonnas Spitztüten-BH erfand

Jean-Paul Gaultier bricht Tabus, hat Humor und verweigert sich jeder Art von Plan: Damit ist der französische Modemacher zum Star geworden. Am Montag wird der Modeschöpfer 65. Die Bilder einer Karriere.

Getty Images

Wer Männer in Röcke steckt und die Popsängerin Madonna in ein Korsett mit Spitztüten-BH, ist anders als andere. Und darauf ist Jean-Paul Gaultier auch stolz. Er habe schon früh verstanden, dass die Leute auf sein Anderssein nicht unbedingt mit Ablehnung reagieren, erklärte der französische Modemacher in einem Interview des Magazins "Madame Figaro". Dass man ihn deshalb das "Enfant terrible" der Modewelt nennt, störe ihn nicht. "Ich finde diesen Ausdruck eher sympathisch." Und so macht Gaultier, der am Montag 65 wird, mit dem weiter, was seit mehr als 40 Jahren seine Karriere bestimmt: Konventionen brechen.

Tutus für Männer und Plateauschuhe für Milla Jovovich im Science-Fiction-Film "Das fünfte Element", in dem Gaultier die Schauspielerin in ein Minimaloutfit steckte, das nur aus einer weißen Unterhose und einigen Streifen bestand. Und der Stardesigner zeigte eine Tattoo-Kollektion zu einer Zeit, in der durchstochene Haut auf dem Laufsteg noch verpönt war: Gaultier hat Tabus gebrochen und die französische Modewelt auf den Kopf gestellt. Mit seinen exzentrischen Kreationen hinterfragt er Konventionen und den Begriff von Schönheit.

Er habe schon immer eine Vorliebe gehabt, Dinge zu verwandeln, von einer Stimmung zur anderen zu wechseln, von männlich zu weiblich, erzählte er in dem Interview weiter. Dazu gehörte auch seine Arbeit für Hermès, für das er neben seiner eigenen Kollektion von 2004 bis 2011 die Prêt-à-porter-Damenlinie entwarf. Das Luxushaus sei im Grunde der Antipode zu dem gewesen, was er war und ist - aber es habe ihm Spaß gemacht.

Gaultier hat alles erreicht, was man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten erreichen kann. Seine Haute-Couture-Kollektionen haben Modegeschichte geschrieben, im Parfümsegment brachte er einen Klassiker nach dem anderen auf den Markt. Seine Mode wird nicht nur getragen, sondern auch weltweit in Museen ausgestellt. Neben Paris, Montreal und San Francisco war seine Ausstellung "From the Sidewalk to the Catwalk" Ende 2015 auch in München zu sehen.

Der Modemacher strömt bei allem, was er tut, Optimismus und gute Laune aus. Er habe immer viel Glück gehabt, erklärte er in mehreren Interviews seinen Frohsinn. Alles sei ihm zugefallen. Pläne mache er deshalb keine. Die habe er noch nie gemacht.

mik/dpa



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