John Galliano für Maison Martin Margiela Er ist wieder da

Kühles Ambiente, exklusive Gästeliste, ein Designer im Kittel: Mit einer denkbar untypischen Modenschau hat John Galliano die erste Kollektion nach seinem Rassismus-Skandal präsentiert. Das Londoner Publikum war gnädig.


London - Fast vier Jahre haben John Gallianos Fans auf ihn gewartet, so lange hat es gedauert, bis der Designer wieder eine Kollektion präsentierte. Auf Twitter bekam das Event seinen eigenen Hashtag: #MargielaMonday.

Galliano wählte für sein Comeback den vierten Stock eines Londoner Hochhauses hinter dem Buckingham Palace, einen kühlen, weißen Raum mit je einer Stuhlreihe am Rande des Laufstegs. Das war's - ausgerechnet bei dem Designer, der für seine extravaganten Laufstegschauen berühmt wurde. Zeit für einen Neubeginn, das war die Botschaft von London.

Für das Pariser Modehaus Maison Martin Margiela entwarf Galliano die kleine Haute-Couture-Kollektion "Artisanal", er zeigte sie einem ausgewählten Publikum von etwa hundert Personen, darunter Freunde, Kollegen und Menschen, die in der Vergangenheit an seiner Seite gestanden hatten - trotz seines Rassismus- und Antisemitismus-Skandals. Der Satz "Ich liebe Hitler" hatte Galliano 2011 seinen Job bei Dior gekostet, seine Reputation und sehr viel Geld.

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Designer John Galliano: Der Neustart
Doch die Londoner Gäste erwiesen sich als dankbares Publikum: "Es ist John Galliano, also ist es okay, es ist fabelhaft", sagte Designer-Kollege Manolo Blahnik. "Es ist eine tolle Show. Ich bin froh, dass er wieder arbeitet."

Modejournalistin Hilary Alexander fand die Präsentation sensationell: "Ich bin absolut begeistert, ich bin elektrisiert, ich könnte nicht fröhlicher sein." Was sie gesehen habe, sei Galliano in seiner besten Form gewesen, "überraschend und einfach wunderbar". Es habe Schleifen, unglaubliche Masken, Goldauflagen, Stickereien und maßgeschneiderte Hosenanzüge zu sehen gegeben.

Die US-"Vogue" lobte Gallianos Versuch, sich seinem neuen Arbeitgeber anzupassen. "Er hat einen Start hingelegt, mit dem er sowohl seinen Respekt für Margiela als auch den für die Frauen zeigt, die seine potenziellen Kundinnen sind." Niemand im Raum hätte behaupten können, der Designer habe nicht sein Bestes gegeben.

Nicht ganz so begeistert zeigte sich die Modeexpertin der "New York Times" von den 24 Outfits: Die Modenschau sei kein Volltreffer gewesen, nichts Richtungweisendes. "Es war eher eine Aufwärmübung", heißt es in dem Artikel. Das sei aber verständlich. "Mr. Galliano saß schließlich eine Zeitlang auf der Reservebank."

Am Ende der Show erschien Galliano selbst auf dem Laufsteg. Als er noch für Dior arbeitete, nutzte er diese Minuten für die Selbstinszenierung, er schritt als Pirat, Dandy oder Indianer vor sein Publikum. Diesmal erschien Galliano in der traditionellen Martin-Margiela-Arbeitsuniform: einem schlichten, weißen Kittel.

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aar/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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felisconcolor 13.01.2015
1. jeder
andere verliert auf Dauer seinen Job nach solch einer Aktion (zu Recht). Und kann sich auch gleich in der Schlange der Langzeitsarbeitslosen einreihen. So eine Kündigung ist eben schlecht in der CV. Nur hier sieht man mal wieder wer wem das Näschen pudert. Was sagt uns das? Genau!
h.pylori 13.01.2015
2. Schön für Herrn Galliano,
dass er wieder in Lohn und Brot steht. Es spricht allerdings Bände, dass seine Kollegen aus der Modebranche und die Kunden wieder verzückt seinen Speichel lecken. Für etwas Bling Bling bückt man sich schon mal in diesen Kreisen.
ijf 13.01.2015
3. uff...
Will wirklich irgendjemand sowas anziehen?
sebastianxxx 09.09.2015
4. Light
Ich denke das ist doch eher DIOR-light was es zu sehen gibt - vielleicht fehlen ihm auch die talentierten Mitarbeiter von DIOR hinter den Kulissen ...
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