Nachtleben in Uganda Hängt 'ne Frau von der Zimmerdecke

Ein Fotoband huldigt der irrwitzigen Partymetropole Kampala, der ugandischen Hauptstadt, wo der Schnaps aus Plastiktüten fließt und der Reggae nie aufhört. Der Name der Bilderserie: "Fuck it".

Michele Sibiloni/ Edition Patrick Frey

Der Fotograf
  • Michele Sibiloni
    Der Italiener Michele Sibiloni, 34, ist freiberuflicher Fotograf in Kampala, Uganda. Er lebt und arbeitet seit November 2010 in dem zentralafrikanischen Land. Für das Buch-Projekt "Fuck It" zog er durch Bars und Clubs der Hauptstadt und fotografierte Orte "mit besonderer Energie". www.michelesibiloni.com

Halunken, Huren, bekiffte Helfer - wenn es Nacht wird in Ugandas Hauptstadt Kampala, gehen im Rotlichtviertel Kabalagala die Lichter aus und alle Lampen an.

Zwölf Stunden dauert hier am Äquator jede Partynacht und Wochentage spielen fast keine Rolle. Fotograf Michele Sibiloni, 34, lebt seit fünf Jahren in der Hauptstadt der ugandischen Scheindemokratie und berichtet von dort meist über die in westlichen Medien gängigen afrikanischen Themen: von Armut bis Krieg, von Lassafieber bis Zauberei.

Weil ihm das nicht mehr genügte, stürzte sich der Italiener für seinen Bildband "Fuck it" über zwei Jahre immer wieder in Kampalas lange Nächte. Seine - bewusst rohen, schnappschussartigen - Bilder zeigen neben Nachtschwärmern auch Wächter mit Schrottgewehr oder mit Pfeil und Bogen, die für einen Dollar bis zum Morgengrauen arbeiten.

Die Security-Leute glotzen verwundert, angesichts der Horden ugandischer Partywütiger, NGO-Mitarbeiter, Berichterstatter und professioneller Nachtschwärmer, die ein Tot Packs nach dem anderen aufreißen. Tot Packs sind etwa 60 Milliliter Fusel, eingeschweißt in eine Plastiktüte. Dazu eine Flasche Limonade und fertig ist der ugandische Longdrink.

Sibilonis Fotoband wurde jetzt in London vorgestellt. Stilecht erhielten die ersten 50 Käufer zu ihrer Ausgabe von "Fuck it" ein Tütchen Waragi Gin - schön scharf, und natürlich hergestellt in einer ugandischen Brennerei.

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cht

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
ttvtt 24.03.2016
1. Beruf Fotograf...
nicht jeder der eine Kamera hält ist Fotograf. Das sind irgendwelche Schnappschüsse, die auch ein Touri mit seinem Handy hätte machen können...
R. Reicht 24.03.2016
2. Mtoto-Pak
eigentlich heissen die in Plastikschläuche abgefüllten Schnäpse (z.B. Konjagi) Mtoto-Pak, Swahili für Kinderpackung ... erinnert an die bei uns als Bussibär bekannten Eisschläuche
Leserbrief 24.03.2016
3. Mal ganz wild und cool
Das wilde Leben der Helfer & Abenteurer in Afrika - insbesondere wenn sie einmal von der Familie weg dürfen und mehr Geld in der Tasche haben als die Locals. Und zu-hause im Eigenheim ist es später nach der Rückkehr dann auch schön.
frank_w._abagnale 24.03.2016
4. Nigeria.
Ich habe einige Jahre in Lagos/Nigeria gelebt. Das Leben dort ist wohl noch exzessiver aber wohl auch gefährlicher. Einer meiner Kollegen wollte nachts allein in unser Camp und ward seitdem nicht mehr gesehen. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Hoffentlich bist Du noch am Leben Nicolai....
demiurg666 24.03.2016
5.
Gehören Bilder von betrunkenen Expats nicht eher auf diese unsägliche Bento-Platform? Und Bilder dieser Art hat, wie schon jemand vor mir schrieb, jeder meiner Kollegen und ich auch von unseren Auslandseinsätzen. Aber ne, schon beeindruckend diese Fotokunst, sollte vielleicht mal Titel im Spiegel werden...
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