Kimonos Die andere Seide

Kampfflugzeuge und Hundewelpen auf Kimonos? Kann man machen. Ein neuer Bildband zeigt, wie sich das traditionelle japanische Kleidungsstück entwickelt hat. Hier sind die ausgefallenen Designs.

Corbis

Von Lisa Srikiow


Was gehört auf einen Kimono? Kirschblüten? Auf jeden Fall. Pfingstrosen und Chrysanthemen? Sicher. Aber U-Boote, Kampfschiffe und Panzer? Auch das geht, wie der Bildband "Kimono: The Art and Evolution of Japanese Fashion" zeigt. Darin sind mehr als 200 Kimonos aus drei Jahrhunderten abgebildet, die belegen, wie sich das traditionelle japanische Kleidungsstück veränderte und bis zur Gegenwart halten konnte.

Denn auch heute sind sie im japanischen Stadtbild noch zu sehen: Sumoringer tragen Kimono, junge Brautpaare lassen sich in der traditionellen Kleidung fotografieren, und in Kyoto sind sie noch immer Arbeitskleidung der geheimnisvollen Geishas. Wer durch die großen Kaufhäuser wie das Mitsukoshi in Ginza läuft, kann dort die neusten Modelle bestaunen.

Tatsächlich waren es Samurais, die sich im 17. Jahrhundert als erste die üppig dekorierten Kimonos leisteten. Die Edo-Periode gilt in der japanischen Geschichte als Epoche langen Friedens, den Soldaten mangelte es somit an Gelegenheiten, sich im Kampf zu beweisen. Ihre Kleidung verschaffte ihnen Aufmerksamkeit. Der Kimono kam in Mode.

Es war auch in dieser Zeit, als japanische Handwerker die Färbe-, Stickerei,- und Webtechniken entwickelten, für die das Land bekannt geworden ist. Bei der wichtigsten Technik Yuzen trägt der Künstler die Umrisse seines Motivs mit einer Reispaste auf den Stoff auf, die verhindert, dass sich der ganze Kimono einfärbt. Die Methode war bei reichen und modebewussten Kunden beliebt, denn dank Yuzen wuchs die Bandbreite der Motive. Auf antiken Gemälden wurden sie sogar detailgetreuer dargestellt, als die Gesichter der abgebildeten Frauen.

Drinnen Kimono, draußen Krawatte

Wie präzise Stoffe, Gewebe und Stickereien verarbeitet wurden, veranschaulichen nun die Großaufnahmen des Bildbands "Kimono: The Art and Evolution of Japanese Fashion". Die Aufnahmen stammen aus der Privatsammlung von Nasser David Kahlili, einem Wissenschaftler und Sammler iranisch-britischer Herkunft.

Herausgegeben wird der Bildband von Anna Jackson, der Leiterin der Asien-Abteilung des Victoria and Albert Museums in London. In chronologisch sortierten Kapiteln schildert sie, wie der Kimono von historischen Ereignissen beeinflusst wurde.

Ab dem 19. Jahrhundert verlor der Kimono unter Japans Eliten langsam an Beliebtheit. Kaiser Meiji wollte Japan in die Moderne führen und nahm sich den Westen zum Vorbild. Auch in modischer Hinsicht: Soldaten, Polizisten und Postboten trugen fortan westliche Uniformen. Zwar bevorzugten die Japaner zu Hause oft noch den Kimono, doch im öffentlichen Leben zeigten sie sich immer öfter in Anzug und Krawatte.

Auch die Motive veränderten sich in der Folgezeit. Lange waren vor allem Blumen und Landschaften beliebt, doch im frühen 20. Jahrhundert entwarfen die Künstler zunehmend abstrakte und geometrische Muster: riesige Blüten, die an Windräder erinnern, filigrane, fließende Linien oder Polka-Dots. In den Dreißigerjahren wurden die Motive nationalistischer: Kampfflugzeuge, U-Boote und Panzer zierten die Kimonos für junge Männer.

Je älter, desto dezenter

Zudem sollte das Kleidungsstück auch etwas über den Status seiner Träger verraten. Bunte und reich verzierte Kimonos mit langen Ärmeln waren beispielsweise jungen, unverheirateten Frauen vorbehalten. Je älter die Trägerin war, desto dezenter fiel das Design aus. Nur der charakteristische T-Schnitt blieb stets derselbe. Besondere Anpassungen sind nicht nötig: Ist der Träger klein, wird der Stoff zusammengerafft, ist er dicker, nimmt man etwas mehr.

Was die Khalili-Sammlung neben der historischen Entwicklung noch zeigt: Den Kimono als reines Kleidungsstück zu sehen, ist fast unmöglich. Von alten Liebesgeschichten bis hin zu entscheidenden Kriegsschlachten - was auch immer die Japaner bewegte, wurde auf Kimonos dokumentiert.


"Kimono: The Art and Evolution of Japanese Fashion", Anna Jackson (Hrsg.), Thames & Hudson, 304 Seiten, 80 US-Dollar

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Alfons Emsig 15.01.2016
1. Korrektur zu Bild 5
Die Edo-Epoche dauerte von 1603 bis 1868. Die Zeitangabe in der Bildunterschrift dürfte sich vielleicht eher auf den Zeitraum beziehen, in dem dieser Kimono entstand. In einen Artikel darüber, "wie sich das traditionelle Kleidungsstück entwickelt hat", gehören zudem zwingend Bilder von Kimono der Gegenwart. Auf mich wirkt der Artikel ziemlich nachlässig recherchiert und lieblos zusammengestoppelt.
Charles Neuer 15.01.2016
2. Ohje...
Warum nur ist es SPON-"Journalisten" tatsächlich nicht möglich, die korrekte Zeitspanne einer Epoche innerhalb weniger Sekunden zu googeln? Kimono wird hier als Synonym für "japanische Kleidung" benutzt. So, wie wenn man "Hose" als generelle Bezeichnung aller westlichen Kleidungsstücke bezeichnen würde. Sumotori tragen meistens Yukata und keine Kimono. Zu Bild 1: Das ist alles (Morgenrock, Bademantel, etc) aber kein Kimono.
muttisbester 15.01.2016
3. passend dazu
Noch bis 22. März in Dresden Nach 125 Jahren in Dresden wiederentdeckt: Der weltgrößte Schatz japanischer Schablonen zum Färben von Samurai-Kimonos. Proposition II http://www.skd.museum/de/sonderausstellungen/archiv/die-logik-des-regens-logical-rain/ Für alle, die sich für Kimonos interessieren...
Tauem 15.01.2016
4. Gut Ding kann man nicht verbessern.
Da gibt es Besseres zu tun. Aber erfreut habe ich festgestellt, dass die Kunst der Tuche auch in Japan gepflegt wird. Ich habe z.B. eine ästhetisch besonders gelungene Bettdecke als Gemälde aufgehängt und ich sah 4 Sujets, die so gut gelungen sind, das man das durchaus auch in einem japanischen Heim machen könnte. Im Orient (Persien) und folgend im Mittelalter nach den Kreuzzügen in Europa gab es Wandteppiche. Aber die Darstellungen und die Gestaltung war meist nicht gelungen. Sieht man noch heute.
LarstheLax 20.01.2016
5.
Tja, da muss ich Nr.2 Recht geben. Der T-Schnitt erzeugt nicht automatisch den Kimono. Daneben gibt es auch noch den Yukatta (im Sommer beliebt, besteht nur aus einem Kleidungsstück plus Gürtel, eher preiswert, deutlich ausgefallenere Motive) und den Nemaki (wie Yukatta, nur mit abgeschrägten Ärmeln, eher langweilige Motive, wird nur zuhause bzw. in Onsen oder Ryokan getragen). Kyoto kann ich dagegen zum Kimono und Yukatta schauen nur empfehlen. Kann man sich auch selbst ausleihen und tragen. Die richtig hübschen Kimonos sieht man in Japan zur "Coming of Age" Feier (2016 am 11.01.) zu Hauf ;-)
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