Schuhdesigner Kobi Levi Madonna am Fuß

Stil-Klassiker: Seine Pumps erinnern an Kunst, Tiere oder Musikinstrumente: Der israelische Designer Kobi Levi entwirft außergewöhnliche Schuhe für Lady Gaga und Whoopi Goldberg. Ein Besuch in seinem Studio.

Kobi Levi

Von Lissy Kaufmann, Tel Aviv


An Madonna hat er besonders lange gearbeitet: Für den Schuh modellierte er einen gebogenen Absatz in Form eines geschnürten Korsetts. Er brachte an der Seite ein Accessoire an, das so aussieht wie ein Mini-Mikrofon. Und er setzte an die Ferse einen platinblonden Pferdeschwanz - so einen, wie ihn Madonna eine Zeitlang trug. Mehr als einen Monat hat es gedauert, bis das Modell fertig war.

Kobi Levi, ein großer Mann mit braunen, kurzen Haaren, arbeitet in Tel Aviv und entwirft dort Schuhe. In einem Laden für Kunsthaarverlängerung habe er gesagt, er brauche blondes Haar für eine Freundin. "Dass ich es für einen Schuh verwenden wollte, habe ich verschwiegen", sagt er. Die Kunsthaar-Stilettos sind dem berühmten Jean-Paul-Gaultier-Outfit nachempfunden. Madonna trug es 1990 während ihrer Blonde-Ambition-Tour. Dieses Paar ist nur eines von Hunderten verrückter Modelle, die der 40-Jährige kreiert hat.

Kobi Levi wurde 1975 in Israel geboren und hat an der Bezalel Academy of Arts and Design studiert. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv.
Kobi Levi

Kobi Levi wurde 1975 in Israel geboren und hat an der Bezalel Academy of Arts and Design studiert. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv.

Die Schauspielerin Whoopi Goldberg zählt ebenso zu seinen Kundinnen wie Sängerin Lady Gaga, die eines von Levis Modellen in ihrem Video "Born this Way" trägt. Kobi ist noch immer erstaunt, dass Hollywood auf ihn aufmerksam wurde. Schließlich arbeitet er bis heute allein in seinem Studio. Er hat es sich in seiner kleinen Wohnung im Süden Tel Avivs eingerichtet. In dem Viertel wird gerade viel gebaut, das alte Tel Aviv trifft hier auf ein neues. Es entstehen schicke Bars und Apartments. Von draußen dringt Baulärm herein, viele Gebäude werden gerade saniert.

In dem kargen 25-Quadratmeter-Studio hängen keine Plakate an den Wänden, alles ist sehr schlicht. Jedes Utensil hat seinen Platz. In den Regalen liegen Rollen von Rauleder, Glanzleder und anderen Stoffen, sie alle hat Levi nach Farben geordnet. Vieles sind Reste, die er von lokalen Lieferanten kauft.

In Plastikboxen bewahrt Levi die Innensohlen und Absatzmodelle auf - alles ordentlich sortiert. "Wenn ich arbeite, sieht es aus wie auf einem OP-Tisch", sagt er. Jedes Instrument hat seinen Platz. Materialien klebt Levi nur an einem bestimmten Tisch zusammen. "Ich muss extrem vorsichtig sein, ein falscher Griff, ein falscher Stich, und ich kann von vorn anfangen."

"Market": So hat Kobi Levi dieses Modell genannt
Kobi Levi

"Market": So hat Kobi Levi dieses Modell genannt

Sein Studio wollte er bewusst in seiner Wohnung einrichten, denn der Designer lebt für seinen Beruf. Manchmal arbeitet er bis tief in die Nacht, um einzelne Arbeitsschritte fertig zu machen. Seine Schuhe sind seine Kunstwerke - Mittel, mit denen er sich ausdrückt.

Seine eigene Kollektion war zunächst nur eine private Leidenschaft. Doch kaum ging sein Blog im Jahr 2010 online, kamen Anfragen aus aller Welt. Bis heute arbeitet der junge Schuhmacher ohne PR- oder Marketingabteilung.

Eine aussterbende Spezies

Design lernte Levi an der Bezalel Kunstakademie in Jerusalem. Das Handwerk des Schuhefertigens eignete er sich bei alten Schuhmachern in Jerusalem und seiner Heimatstadt Ramat Gan nahe Tel Aviv an. Eine aussterbende Spezies, wie er sagt. "Ich habe sie mit Kuchen bestochen und sie dann mit Fragen gelöchert, um bei ihnen lernen zu können."

Die meisten der alten Schuhmacher verdienen ihr Geld mit orthopädischen Schuhen. Levi aber hatte etwas anderes vor, er wollte Schuhe schaffen, die einzigartig sind. Jedes seiner Modelle erinnert entweder an Objekte oder Tiere. Ein weißer Schuh mit schnabelgelbem Absatz und roten Fransen sieht aus wie ein Huhn. Das Modell "Blow" ist hautfarben und hat ein Frauenbein als Absatz.

Levis erstes Paar fertigte er für einen Schuhdesign-Kurs an der Kunstakademie zum Thema "Der Markt" an. Er schuf einen roten Plateauschuh in Form eines Einkaufskorbs aus Plastik - in seiner eigenen Größe 42. Er wollte sehen, ob er darin auch laufen könnte. Denn auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Alle seine Modelle sind tragbar. Die Träger müssen sich lediglich an die zehn Zentimeter hohen Absätze gewöhnen.

Noch während der Studienzeit verließ Kobi die Werkstätten der traditionellen Schuhmacher und kaufte sich sein eigenes Equipment: eine deutsche und eine chinesische Nähmaschine für Leder und andere Stoffe, eine Schleifmaschine für die Holzabsätze und ein Gerät, das Lederstoffe ausdünnt.

Levi bietet seine Modelle zu Preisen zwischen 750 und 2800 Euro an. Auch für Männer hat er zwei Paare im Angebot: "Mr. Shark" und "Mr. Orca" - im Wal- und Hai-Design. An jeder Einzelanfertigung arbeitet er zwei bis drei Wochen. Seine Kundinnen leben in den USA und Europa, einige tragen die Schuhe zu besonderen Anlässen, andere sind Kunstsammlerinnen.

Israelis kaufen nicht bei ihm ein. "Sie haben es lieber praktisch", sagt Levi. Im Sommer Flipflops, im Winter regendichte Boots. Levi hingegen ist ein Schuhfetischist, auch wenn in seinem persönlichen Schrank nur sieben schlichte Paare stehen. "Schuhe haben mich schon immer fasziniert, nicht aus einer Shoppingperspektive, sondern was Design und Produktion angeht." Für ihn sind Schuhe wirklich Kunstwerke - und sie wollen ausgestellt werden.

insgesamt 8 Beiträge
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upalatus 08.12.2015
1.
Bei DER Überschrift und DEM Bild hab ich ehrlicherweis nicht gleich an einen Schuh gedacht...
hugotreppner 08.12.2015
2.
Ich weiß nicht, wen es interessiert, was eine ältere Dame jenseits der Wechseljahre untenrum trägt.
siebke 08.12.2015
3. Begeistert!
...was für ein Designer, was für eine Kreativität. Habe mich sofort an Alice im Wunderland erinnert....
rainerdavidw.früh 09.12.2015
4. Passt!
Das passt dann ja sehr gut, Hugo: Sie können davon ausgehen, dass die ältere Dame sich auch nicht für Sie interessiert; und zwar nicht nur untenrum...
bafibo 21.09.2017
5.
Als Designobjekte: naja, mal was anderes. Als Schuhe: ungesund und unpraktisch. Die meisten sehen aus, als wären sie selbst für einen einzigen Partyabend zu schmerzhaft und/oder zu empfindlich (z.Bsp. der Absatz bei "Black Coffee").
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