Stil-Klassiker: Gut küssen! "Man darf ruhig mal beißen oder saugen"

Frauen lieben den Kuss am Hals, Männer den zärtlichen Biss: William Cane gilt seit 25 Jahren als Kuss-Experte und weiß, was die Menschen anmacht, was die schlimmsten Fehler sind - und wie man in einer langen Beziehung die Lust am Küssen erhält.

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Ein Interview von Eva Lindner


In der Reihe "Stil-Klassiker" präsentiert SPIEGEL ONLINE Schätze aus dem Stil-Archiv. Dieser Artikel erschien zuerst im März 2015.

Zur Person
    William Cane, 52, war Englisch-Professor an einem College in Boston, bevor er 1991 das Buch "The Art of Kissing" schrieb. Seitdem gibt er Seminare an Universitäten, in denen er Küssen unterrichtet. "The Art of Kissing" wurde in 19 Sprachen übersetzt (dt. "Die Kunst des Küssens").

SPIEGEL ONLINE: Herr Cane, haben Sie heute schon geküsst?

Cane: Heute noch nicht, aber das kann noch kommen. Für meine Bücher befrage ich Menschen auf der ganzen Welt nach ihren Kuss-Techniken, und bevor ich sie aufschreibe, muss ich sie natürlich selbst an meiner Frau ausprobieren.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem haben Sie sie am meisten überrascht?

Cane: Mit einem Kuss aus dem Südpazifik. Er heißt "Trobriand Island-Kuss" und ist sehr brutal. Man zieht seinen Partner an den Haaren und beißt ihn in die Lippe, bis sie blutet. Meine Frau hat ihn nicht besonders geschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Verständlich. Welcher ist Ihr Lieblingskuss?

Cane: Definitiv der "lip-o-suction". Dabei lutscht man an der Unterlippe seines Partners, während der an der Oberlippe des anderen nibbelt. Es ist einer der besten Küsse, bei denen sich die Zungen nicht berühren. Er ist technisch anspruchsvoller als viele andere und deshalb mein Favorit.

SPIEGEL ONLINE: Was empfehlen Sie Paaren, die seit langer Zeit zusammen sind und die Lust am Küssen verloren haben?

Cane: Sie müssen als Erstes akzeptieren, dass sie den ersten Kuss nicht zurückholen können. Alles, was man am Anfang zum ersten Mal miteinander macht, ist aufregend, verliert aber mit der Zeit seinen Reiz. Dagegen kann man nichts machen. Trotzdem sollte man sich Mühe geben und die Art, sich zu küssen, immer wieder ändern. Auch den Ort sollte man wechseln. Gehen Sie an romantische Plätze, an den Strand, in den Park, oder schauen Sie sich gemeinsam einen Sonnenuntergang an!

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Menschen erinnern sich an ihren allerersten Kuss. Warum ist der so etwas Besonderes?

Cane: Weil wir ihn schon vorher mit romantischen Erwartungen aufladen, die dann endlich erfüllt werden. Außerdem ist es der Reiz des Neuen. Tatsächlich können sich neun von zehn Menschen an ihren ersten Kuss erinnern. Das ist eine signifikante Menge.

SPIEGEL ONLINE: Viele ekeln sich bei ihrem ersten Kuss. Ist die Lust am Küssen etwas, das sich erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Cane: Am Anfang werden viele Fehler gemacht. Ich erinnere mich an die Erzählung eines Mädchens in meinem Seminar, sie wollte, dass es perfekt wird, also wartete sie auf einen romantischen Moment, löschte das Licht und schloss die Augen. Ihr Freund konnte nichts sehen und traf nur ihre Nase und ihr Kinn. Sie kicherte und fiel auf den Boden, die Romantik war hinüber. Viele zielen am Anfang nicht gut oder haben keine gute Technik, weil sie unerfahren sind.

SPIEGEL ONLINE: Hat ein guter Kuss denn mehr mit Technik als mit Liebe und Leidenschaft zu tun?

Cane: Beides ist wichtig. Wenn man keine romantische Verbindung hat, wird es kein sagenhafter Kuss werden. Wenn man wirklich verliebt ist, aber nicht weiß, was man da eigentlich tut, die Lippen des Partners verfehlt und abrutscht, ist das schon ziemlich doof. Man braucht also beides. Ich kann nur die Technik lehren, Leidenschaft muss das Paar schon selbst mitbringen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Partner muss man denn küssen, um eine ordentliche Technik zu entwickeln?

Cane: Eigentlich reicht einer. Aber die meisten küssen dann doch sechs oder sieben, bevor sie heiraten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der größte Fehler, den man beim Küssen machen kann?

Cane: Das Schlimmste, was man seinem Partner beim Küssen antun kann, ist ihm die Zunge zu tief in den Rachen zu stecken und seinen Würgreflex zu reizen. Was Männer häufig falsch machen, ist zu schnell einen Zungenkuss einzuleiten, noch bevor die Partnerin bereit dafür ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche unterschiedlichen Vorlieben haben Frauen und Männer?

Cane: 96 Prozent der Frauen werden am liebsten auf den Hals geküsst. Sie mögen diesen Kuss zehn Mal lieber als Männer. Frauen werden auch doppelt so gerne an den Ohren geküsst wie Männer, die das meistens nicht so anmacht. Männer dagegen werden gerne in die Unterlippe gebissen, weil ihnen das zeigt, dass ihre Partnerin leidenschaftlich ist. Ein großer Unterschied ist auch, dass Männer einen Kuss oft als Einladung verstehen, weiterzugehen, wogegen Frauen gerne küssen, einfach nur um zu küssen.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch "Kiss like a Star" haben Sie Filmküsse analysiert. Welches ist der Schönste?

Cane: Ich finde, am besten für die Leinwand inszeniert war der zwischen Rhett Butler und Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht". Sie stehen am Fuße einer Treppe, und er hält sie in seinen Armen und lehnt sie zurück. Die wenigsten Leute küssen sich so, dabei ist es so romantisch. In meinem Unterricht lernen die Paare diesen Kuss - ohne, dass der Mann die Frau fallen lässt!

SPIEGEL ONLINE: Muss man aus dem enormen Erfolg von "50 Shades of Grey" schließen, dass viele sich auch beim Küssen wünschen, zu dominieren oder dominiert zu werden?

Cane: Mein Ansatz ist ja ein bisschen friedlicher, aber es stimmt, viele mögen spielerische Küsse oder Rollenspiele und auch, diese Rollen zu tauschen. Generell tut Abwechslung gut. Wer normalerweise sanft küsst, darf ruhig auch mal beißen oder saugen.

SPIEGEL ONLINE: Warum küssen sich Menschen überhaupt?

Cane: Darüber rätseln Anthropologen schon lange. Eine Theorie ist, dass es von der Mund-zu-Mund-Fütterung durch die Mutter kommt. Das Baby lernt dadurch, dass Lippenkontakt etwas Gutes ist, und baut es später in sein Liebesspiel ein.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000905836 26.03.2015
1. Und das soll ein Kuss-Experte sein ???
Der Hauptgrund, warum sich Menschen überhaupt küssen, ist festzustellen, ob die Chemie zwischen Beiden funktioniert. Wenn ja, ist dann die Frau auch paarungsbereit und es entsteht eine Beziehung
lequick 26.03.2015
2.
Zitat von spon-facebook-10000905836Der Hauptgrund, warum sich Menschen überhaupt küssen, ist festzustellen, ob die Chemie zwischen Beiden funktioniert. Wenn ja, ist dann die Frau auch paarungsbereit und es entsteht eine Beziehung
Ich würde jetzt hier gerne den ASCII Code mit dem Facepalm Bild einfügen. Aber ich starre immer noch auf Ihren Kommentar und frage mich: wie viele Frauen haben Sie im Leben geküsst? Und falls es viele waren: immer noch nichts gelernt? Traurig.
Pipkin 26.03.2015
3. Darf ich raten?
Zitat von spon-facebook-10000905836Der Hauptgrund, warum sich Menschen überhaupt küssen, ist festzustellen, ob die Chemie zwischen Beiden funktioniert. Wenn ja, ist dann die Frau auch paarungsbereit und es entsteht eine Beziehung
Diese Aussage stammt von einem Mann! (Oder einer Frau mit schlechten Erfahrungen!) ...und bestätigt den Experten! Entspannen Sie sich und versuchen Sie das Küssen mal um des Küssens willen, nur so – zum Vergnügen!
moneysac123 26.03.2015
4.
Vermutlich stimmt das wirklich, denn beim ersten Kuss merke ich schon, ob es passt oder nicht. Auch kann man ja riechen, ob der genetische code kompatibel ist.
RenegadeOtis 26.03.2015
5.
#1 "Der Hauptgrund, warum sich Menschen überhaupt küssen, ist festzustellen, ob die Chemie zwischen Beiden funktioniert. Wenn ja, ist dann die Frau auch paarungsbereit und es entsteht eine Beziehung" Warum dann den Umweg? Das wäre problemlos und zielführender durch Beschnüffeln des Genitalbereiches ermittelbar. Wie zum Beispiel bei Hunden. Ich gehe mal davon aus Sie meinten das Feststellen der Paarungsbereitschaft sowie die genetische Kompatibilität.
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