Lala-Berlin-Designerin Leyla Piedayesch "Man kann sich nicht auf einen Markt quetschen"

Mit ihrem Label Lala Berlin ist sie das Aushängeschild für Mode aus Berlin. Doch Designerin Leyla Piedayesh will mehr: Den internationalen Markt erobern.

Stephanie Beckmann

Ein Interview von Stephanie Beckmann


Leyla Piedayesh sitzt im Backstage-Bereich der Kopenhagener Stadthalle. Auf kubistischen Lounge-Chairs, Sofas und Chaiselongues versammeln sich eilig tippende Blogger. Models werden frisiert, Nägel lackiert, Anproben finden statt. Piedayesh trägt einen eigenen Entwurf aus der kommenden Kollektion, ein Blusenkleid aus blaugrün schimmerndem Samt mit transparenten Einsätzen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Piedayesh, Sie veranstalten seit knapp neun Jahren Modenschauen. Sind Sie noch nervös?

Piedayesh: Eigentlich nicht, nur an den Tagen vor einer Show, die sind schlimm.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Piedayesh: In diesen Tagen kann ich immer noch viel an den Kleidungsstücken verändern. Da muss ich wichtige Entscheidungen treffen. Kurz vor der Modenschau ist das nicht mehr möglich. Zu diesem Zeitpunkt nimmt auch meine Anspannung ab.

Zur Person
  • Toni Pasig
    Leyla Piedayesh, 1970 in Teheran geboren, begann ihre Karriere als Designerin nach einem Betriebswirtschaftsstudium und Stationen beim Fernsehen mit selbstgestrickten Accessoires und Pulswärmern aus Kashmir. 2004 stellte sie ihre erste Kollektion auf der Modemesse Premium vor. Spätestens aber seit ihrer ersten Show im Rahmen der Berliner Fashion Week 2007 gelang ihrem Label Lala Berlin der nationale und internationale Durchbruch. Ihr populärster Entwurf: Triangel-Tücher aus Kashmir mit ikonographischen Kufiya-Print (auch als Palästinensertuch bekannt) in immer neuen Variationen.
SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie in Kopenhagen eine Modenschau präsentiert - aber nicht in Berlin?

Piedayesh: In der vergangenen Saison hatte wir je eine Modenschau in Berlin und in Kopenhagen. Beide Shows waren völlig unterschiedlich und daher auch aufwendig. In dieser Saison wollte ich wieder eine Show in Kopenhagen machen, weil wir uns in Dänemark eine gute Position erarbeitet haben. Aber Berlin wollte ich auch nicht ganz vernachlässigen, deswegen haben wir dort nur einen Film mit Musikbegleitung gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie sich denn in Zukunft eher in Dänemark oder Paris oder London?

Piedayesh: Ich rede ungern über die Zukunft. Ziele die ich heute habe könne morgen schon andere sein. Ich finde aber, man muss spontan bleiben und flexibel sein. Man kann sich nicht auf einen Markt quetschen. Kopenhagen hat gepasst. Ich denke im Moment aber auch bereits über eine temporäre Boutique in Los Angeles nach. Ich glaube meine Mode könnte dorthin passen. Aber das muss ich mir erst noch genau ansehen.

SPIEGEL ONLINE: Ist Alterslosigkeit wichtig für Ihre Mode?

Piedayesh: Ja. Wir leben in einer alterslosen Zeit. Einige 18-Jährige wirken sehr erwachsen, viele 50-Jährige sind hingegen sehr jugendlich. Ich definiere die Zielgruppe für meine Mode nicht über das Alter.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihre Inspiration für die kommende Herbst/Winter-Kollektion?

Piedayesh: Nach 27 Jahren war ich 2015 wieder in Iran, dort ist so vieles symmetrisch: persische Teppichmuster, Mosaike, die Architektur von Moscheen. Da ist mir klar geworden, warum ich grafische Muster so liebe. Aber ich habe mich auch von der Kulturstätte Persepolis in Schiraz inspirieren lassen: Die figürlichen Statuen und Reliefe haben wir als Motiv genutzt und in ein Muster verwandelt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht so ein Muster aus?

Piedayesh: Das ist ein bisschen Interpretationssache. Man kann in dem Motiv einen menschlichen, eine Pferde- oder einen Stierkopf erkennen. Wir haben es stilisiert und einen All-Over-Print daraus gemacht, sodass sich das Motiv wie in einem Muster immer wiederholt. In meinen Entwürfen verschmelzen Okzident und Orient.

SPIEGEL ONLINE: Wie das?

Piedayesh: Wir kombinieren den urbanen Hauptstadt-Look, also hauptsächlich Neunzigerjahre-Lagenlooks ("Grunge") aus grobem Strick über zarten Kleidern und weitflatternden Hosen oder Kleidern über engen Rollkragenpullis und Symbole aus Rock und Punk, wie etwa bunte Stierkopf-Aufnäher auf Jacken und Mützen, mit den orientalischen Prints und Farben aus meinem Heimatland. Dazu tragen die Models Piercing-Schmuck und grobes Schuhwerk.



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insgesamt 2 Beiträge
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heavenstown 05.02.2016
1. Meine Tochter hatte da mal ein Praktikum absolviert...
... das was kein Modedesigner Praktikum sondern Ausbeutung.., aber die Arbeit wurde als spannend angepriesen..., Expansion auf den Schultern der Mitarbeiter/Praktikanten...
zinobln 05.02.2016
2. Mit klapperdüren Models...
den internationalen Markt erobern...und von SPON gibt es keinerlei Kritik dazu. Schaut Euch doch bitte diese Models einmal genauer an! Die sehen doch total krank aus und diese Lala-Tante sollte weniger über Expansion sondern mehr über Ethik und Ästhetik nachdenken. Das SPON solchen skrupellosen Mode-Tanten hier noch eine Werbeplattform bietet ist befremdlich.
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