Art-déco-Bildband Wohnen wie der große Gatsby

Art déco bedeutet Pracht und verspricht Glamour. Ein neues Fotobuch feiert die Wiederentdeckung dieses Stils und besticht mit opulenten Bildstrecken sowie intimen Einblicken in belebte Wohnwelten.

Andrew Burton/ teNeues

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Das Blöde an Einrichtungsbildbänden ist häufig, dass ihre Betrachter sich zwar in die abgebildeten Räume verlieben, sie aber nie werden besichtigen können. Denn oft sind es Privatleute, die vor Stolz auf das von ihnen - oder ihrem Innenarchitekten - geschaffene Ambiente dem Fotografen die Türen öffnen. Alle anderen müssen draußen bleiben.

Bei "Living in Style: The New Art Deco" ist das anders. Die Mehrheit der 29 vorgestellten Inneneinrichtungen befinden sich in Hotels oder Restaurants, meistens in der englischen Heimat der Autorin, Designjournalistin Claire Bingham. Dazwischen finden sich jedoch auch immer wieder Wohnungen und Häuser, in denen tatsächlich jemand zu Hause ist.

Insofern ist Bingham in ihrem neuen Buch eine gute Mischung gelungen. Die von ihr während ihrer Reisen - sie schreibt auch über Reisethemen - ausgesuchten Designhotels, Klubs, Bars und Cafés sind zwar ausnahmslos schön anzusehen, lassen aber naturgemäß eine persönliche Handschrift vermissen. Die liefern fünf Bilderstrecken mit Aufnahmen aus den Wohnungen und Häusern von Art-déco-Liebhabern und Innenarchitekten.

Fotostrecke

11  Bilder
Fotostrecke: Art déco neu interpretiert

Ergänzt werden die Homestories durch Kurzporträts von Designern, die den Stil des Art déco (dekorative Kunst) aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ihrer Arbeit neu interpretieren - bis hin zu den Teppichen im Faena Hotel in Miami Beach, die von Catherine Martin entworfen wurden, der Set-Designerin von "Der große Gatsby" mit Leonardo Di Caprio.

Für viele Leser am interessantesten dürften allerdings die Einrichtungstipps sein. Leider gibt es in dem Buch davon nicht allzu viele, und manche sind auch noch inmitten eines Absatzes versteckt.

Immerhin streift Bingham in den kurzen Textpassagen Designdetails wie Farbpaletten und Accessoires. Wenn aber unter der Überschrift "Design-Stile aus verschiedenen Ären mischen" beispielsweise zu lesen ist: "Interior Design kann Kunst in ihren unterschiedlichen Facetten hervorheben", wirkt das ein wenig beliebig.

Etwas mehr Klarheit hätte auch das Inhaltsverzeichnis verdient. Sehr viel mehr als den Namen eines Hauses oder Restaurants und die entsprechende Seitenzahl verrät es nicht. Im Gegensatz zu restlichen Inhalten ist die Gliederung nur auf Englisch abgedruckt - was angesichts der spärlichen Informationen verschmerzbar ist.

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Claire Bingham:
Living in Style The New Art Deco

teNeues Media; 224 Seiten; 50,00 Euro.

"Living in Style: The New Art Deco" ist also nur begrenzt lehrreich, dafür jedoch sehr schön anzuschauen. Ein bisschen mehr Erkenntnisgewinn hätte es nach 224 Seiten schon sein dürfen, aber klar: Das Buch ist schließlich kein Ratgeber.



insgesamt 4 Beiträge
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karl-wanninger 06.04.2018
1. Die Teppiche im Faena Hotel in Miami Beach
auf dem Bild (Nr. 7) sehen für mich aber eher wie eine Reminiszenz an die Pop-Art der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts aus, in einem Raum vermischt mit ein wenig Hippie-Plunder.
nosports28 06.04.2018
2. @karl-wanninger:
In der Tat. Nur, weil Catherine Martin (basierend auf ihrer Arbeit für "The Great Gatsby") eine Art-Deco-Linie herausbrachte, bedeutet das noch lange nicht, daß alles, was sie sonst noch gemacht hat, irgendwas mit diesem Stil zu tun hat. Auch sonst sind auf den meisten Bildern gerade mal 1-3 Akzente zu entdecken, die - mit viel Wohlwollen - in diese Richtung gehen. Es scheint sich also eher um ein Wimmelbild-Buch oder ein Suchspiel a lá "Findet Waldo" zu handeln.
Papazaca 07.04.2018
3. Ist das wirklich Art Deco?
Ich muß zugeben , ich bin kein Art Deco Kenner. Aber ich habe große Zweifel, ob es sich hier durchgängig um Art Deco handelt? Ich habe eher das Gefühl, das Teile von Art Deco, persönlicher Stil diverser Designer und andere Stile hier vermischt wurden. Und das Ergebnis? Nicht mein Fall. Wenn moderne Einrichtungen oft Leere und Kälte vermitteln, fühle ich mich hier vom Überfluss an Ornamenten, Formen und Farben erschlagen. Kommt der Meisterdetektiv Hercule Poirot gleich um die Ecke? Irgendwie erinnert mich vieles an eine Filmkulisse. Aber darin leben?
mag-the-one 07.04.2018
4. It's real...
Zitat von PapazacaIch muß zugeben , ich bin kein Art Deco Kenner. Aber ich habe große Zweifel, ob es sich hier durchgängig um Art Deco handelt? Ich habe eher das Gefühl, das Teile von Art Deco, persönlicher Stil diverser Designer und andere Stile hier vermischt wurden. Und das Ergebnis? Nicht mein Fall. Wenn moderne Einrichtungen oft Leere und Kälte vermitteln, fühle ich mich hier vom Überfluss an Ornamenten, Formen und Farben erschlagen. Kommt der Meisterdetektiv Hercule Poirot gleich um die Ecke? Irgendwie erinnert mich vieles an eine Filmkulisse. Aber darin leben?
nun, zumindest das Interieur des "The Wolseley" in London ist aus der Zeit des Art Déco. Es war damals ein edler Auto-Salon, dessen Ambiente größtenteils in die heutige Zeit transponiert wurde. Die Inneneinrichtung und das Raumgefühl ist - entgegen der Fotoinszenierung - sehr einladend und schön.
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