London Fashion Week Men's Britain's got Talent

Die großen Namen sind nicht mehr vertreten bei der Männermodewoche in London. Macht aber nichts: Englands Fashion-Nachwuchs ist begabt und hungrig. Wir stellen die Talente vor. Das schönste Outfit küren Sie!

Model bei der London Fashion Week Men's
AFP

Model bei der London Fashion Week Men's


Stefan Cooke gehört zu den jungen britischen Modedesignern, deren Namen man sich merken sollte. Cooke schmilzt, webt, flicht und näht seine Stoffe zusammen, er ist fasziniert von Elastizität, an der Uni schneiderte er Hosen und Kastenjacken aus bedruckten Gummibändern. Für seinen innovativen, eigentlich sehr technischen Ansatz wird der junge Designer gerade mit Preisen überhäuft. Seine Abschlusskollektion an der Modeschule wurde von einem Kosmetikkonzern gesponsert, im Dezember erhielt er von H&M einen hochdotierten Nachwuchspreis.

Bevor er sein eigenes Label gründete, arbeitete er für Maison Margiela. Seitdem ist der Absolvent des Central Saint Martins Colleges ein Schützling des zwischenzeitlich in Ungnade gefallenen Modegenies John Galliano. Die Präsentation des 25-Jährigen war deshalb ein Pflichttermin für viele Besucher der Londoner Fashion Week Men's, die an diesem Montag zu Ende ging. Für seine erste Schau musste Cooke allerdings nicht sein H&M-Preisgeld verbraten. Er zeigte sie im Rahmen von Fashion East's Man, einem weiteren Förderprogramm, das sein Talent erkannt hat.

Cookes erste eigene Kollektion ist eine Neuinterpretation klassischer Alltagskleidung wie Jeans, Sweatshirts, Westen, Lederjacken und Trenchcoats. Das allein ist sicher noch nicht preisverdächtig. Beachtenswert werden die insgesamt eher dunkleren Teile erst, nachdem Cooke und sein Kreativpartner Jake Burt sie mit ihren Druckmotiven veredelt haben: Schlangenprints oder Zweireiher. Aus den Strickwaren von Kate Brittain - die mit Alexander McQueen und Rick Owens sonst absolute Hochkaräter beliefert - werden bei Cooke Pullunder mit freigestellten Rauten und Jacken, deren Muster sich um den Hals ihres Trägers schlängeln.

Cooke entwirft seine Mode nicht für Instagram. Seine Raffinesse erschließt sich erst bei näherer Betrachtung der Stoffe, die gemacht sind zum Anfassen, nicht zum Anschauen.

Ganz anders sieht es aus bei What We Wear. Jenes englisches Modelabel, das nicht zuletzt durch die Bekanntheit seines Gründers immer mehr von sich reden macht. Unter der Federführung des Doppel-Platin-Rappers Tinie Tempah entwickelte sich die Marke in nur drei Jahren zu einer relevanten Adresse für Athleisure - Kleidung, die nach Sport aussieht, aber eher für die Bar oder das Büro gedacht ist.

Für die Herbst-Winterkollektion 2018 entwickelte Tempah die Trainingsanzüge weiter, für die er und What We Wear hauptsächlich bekannt sind. Die Silhouetten wurden schmaler und haben nun mehr Struktur, ganz neu im Programm sind Wollpullover. Auch Anflüge klassischer Herrenanzüge sind erkennbar. Als Hauptinspirationsquelle nannte der Musiker-Schrägstrich-Designer in seinen Shownotizen Berufskleidung von U-Bahnfahrern, Bauarbeitern und Flugbegleitern, was man seiner Kollektion erfreulicherweise nicht direkt ansieht.

Von der Lachnummer zum Designer of the Year

Ein weiterer britischer Modemacher, der gerne mit dem Thema Uniformen spielt, ist Craig Green. Er lässt viele seiner Models in identischen oder nahezu gleichen Outfits auftreten. Die von ihm entworfenen Jacken und Hosen sind übersät mit Taschen, Kordeln und Bändern. Am Anfang wurde er dafür verlacht, doch seit zwei Jahren in Folge trägt er nun den Titel "British Menswear Designer of the Year". Das sprach sich herum bis nach Hollywood: Ridley Scott wählte ihn als Kostümdesigner für seinen Film "Alien: Covenant" .

Mit seinem fünf Jahre alten Label zählt Green fast schon zu den alten Hasen bei der Londoner Fashion Week. Insbesondere da in diesem Jahr die meisten etablierte Marken fehlten. Burberry und J.W. Anderson hatten bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den Termin ausfallen zu lassen und neue Mode zusammen mit der Damenkollektion im Februar zu zeigen. Vivienne Westwood zeigte zwar frische Entwürfe, allerdings nur online und in Form eines Videos.

Die Abstinenz großer Prestigemarken muss aber kein Nachteil für die Londoner Männermodewoche sein. Im siebten Jahr ihres Bestehens kehrt sie quasi zu ihren Wurzeln zurück und wird wieder das Schaufenster für vielsprechende junge Designer, die Englands Modeindustrie mit einem Jahresumsatz von 14 Milliarden Pfund am Laufen halten sollen.

löw



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