Fashion Week Das Best-of aus London

Victoria Beckhams vielbeachtete Heimkehr, das Modenschau-Debüt eines It-Girls, abgefahrene Hüte und Turnschuhklassiker in neuem Design - die Londoner Fashion Week hatte mehr zu bieten als nur Damenmode.

FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

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Victoria Beckham hat ihr zehnjähriges Mode-Jubiläum auf heimischem Boden gefeiert. Beckham, die sonst in New York zeigt, lud ihre Gäste in die Galerie Thaddaeus Ropac in der Dover Street, wo auch ihr Flagship-Store steht. In der ersten Reihe saß wie immer der Rest der modeaffinen Familie, Ehemann David und die vier gemeinsamen Kinder Brooklyn, Romeo, Cruz und Harper. Außerdem mit dabei: David Furnish, Elton Johns Ehemann und Pate für zwei der jungen Beckhams.

Die Kollektion soll laut der Modedesignerin zwar explizit keine Retrospektive sein, beinhaltet aber doch viele Beckhamsche Bestseller und typische Kombinationen: maskuline Schnitte, gebrochen durch feine Trägertops aus Satin, minimalistische Kleider mit freier Rückenpartie, weite fließende Hosen.

Neu sind die engen Hosen mit Schlitz am vorderen Hosensaum. Beckham zeigt sie in mehreren Farben - Weinrot, Karamell, Schwarz, Weiß, Blau und Feuerrot - und in insgesamt elf Outfits: zu Blazern und Tuniken, unter Strickkleidern und Spitzentops. Zum Schlussapplaus erscheint die Designerin selbst in einer der auffälligen Hosen (in Schwarz zu einem beigen Body und einem Blazer in demselben Ton).

Wie die Formen ist auch die Farbpalette der Kollektion zurückhaltend und minimalistisch: Den Anfang machte ein weißer Hosenanzug, der letzte Look war ein schwarzes Outfit aus Hose, Camisole und Mantel, passend kombiniert mit silbernen Loafern. Dazwischen wurde in neutralen Farben die Mode für das kommende Frühjahr gemalt, hier und da aufgelockert von Prints und einem Blitzer Rot. Gelungen waren auch die Kombinationen aus Hellblau und Schlammbraun.

Nach der Show wurden die Gäste von Tierschützern mit Pelzverbot-Schildern und Buhrufen empfangen. Allerdings wurde bei der Schau überhaupt keine Pelzmode gezeigt.

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Politisch wurde auch Erdem Moralioglu. Der Kanadier ist bekannt für seine Anleihen aus vergangenen Epochen. Seine aktuellen Entwürfe sind von viktorianischer Mode inspiriert. Hohe Krägen, bodenlange Röcke, viel Spitze. Damit möchte er diesmal den beiden Schwulenrechtsaktivisten Frederick Park und Ernest Boulton ein Denkmal setzen.

In ihren Frauenkleidern hatten die beiden Männer das Königreich geschockt, bevor sie ab 1870 in einem vielbeachteten Gerichtsverfahren um ihre Freiheit kämpfen mussten. Heute steht ihnen zu Ehren eine Gedenktafel im Londoner Stadteil Bloomsbury, wo Moralioglu seit Kurzem sein Atelier hat.

Das brachte ihn auf die Idee, seine Kollektion zu nutzen als Verneigung vor den Crossdressern des späten 19. Jahrhunderts: Doppelreihigen Blazern, Slippern und klassischen Anzügen stellt er hochgeschlossene Kleider mit Puffärmeln gegenüber. Ebenso Erdem-typisch wie die Zitate aus vergangenen Epochen sind die Blumenmuster und kräftigen Farben.

Vom It-Girl zu Modedesignerin

Keine Heimkehr, sondern eine Premiere feierte Alexa Chung. Dass sie Ahnung hat von Mode, ist seit Langem bekannt. Ihr Fashion-Talent bescherte ihr zunächst die Aufmerksamkeit der Klatschpresse und mittlerweile 3,1 Millionen Instagram-Follower. Der Schritt vom It-Girl zur Designerin im vergangenen Jahr war ein logischer. Die nun in London gezeigte Kollektion war nicht die erste der 34-Jährigen, aber die erste, die sie im Rahmen des offiziellen Londoner Schauenkalenders zeigte.

Für das kommende Frühjahr stellte Chung ein Best-of der vergangenen Jahrzehnte und Modestile zusammen, die sie im Laufe ihres Trendsetterinnen-Daseins inspiriert haben: Jeans wie in den Sechzigern, Wildledermäntel wie in den Siebzigern, Lackleder und Latzhosen wie in den Achtzigern. Als Accessoires dienen Shopper, Strohtaschen und Seidentücher, die als Hommage an luxuriöse Seebäder mit Ortsnamen wie Margate und Inverness bedruckt wurden.

Eine typisch englische Angelegenheit präsentierte auch Matty Bovan. Seine Hüte sind bis zu einem halben Meter hoch und ein bunter Mischmasch aus Plastikkäfern, Geldscheinen, Löffeln, Wollfäden und Blumen. Genauso farbenfroh, aber sicher besser verkäuflich, sind die Bauchtaschen, die Bovan für das US-Luxuslabel Coach überdimensioniert hat. Für die Hüfte sind sie viel zu groß, weswegen die Models sie über der Schulter oder unter dem Arm tragen.

JW Anderson ist ebenfalls wieder mit einer transatlantischen Kooperation am Start. Nach Regenbogensohlen im vergangenen Jahr stehen seine für Converse designten Chucks diesmal auf geriffelten Plateausohlen in Blau und Kautschukbraun. Die klobige Unterseite steht im Kontrast zum eigentlich schlanken Design des Turnschuhklassikers. Angesichts des Hypes um hässliche Schuhe dürften die Sneaker aber trotzdem zu Verkaufsrennern werden.



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