Russische Spezialität Ei, Ei, Baby

Abnehmen ist immer ein Trend. Mit diesem Eier-Tomaten-Gericht geht es ganz schnell. Ein Fest für Kohlehydratphobiker.

Von Hobbykoch

Peter Wagner

Wenn jemand mit einem Namen wie Hanni Rützler für Aufsehen sorgt, ohne dafür einen Weltcup-Skislalom gewinnen zu müssen, steckt bestimmt eine interessante Geschichte dahinter. Und in der Tat ist die österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin mit ihrem Wiener Futurefoodstudio nicht nur bei Matthias Horx im Frankfurter Zukunftsinstitut eine gefragte Referentin. Auch der von ihr zusammen mit dem Fachorgan "Lebensmittel Zeitung" herausgegebene, jährliche "Food Report", findet viele Käufer aus Gastronomie und Lebensmittelhandel.

Für 2016 prophezeite sie unter anderem diese Trends: "Infinite Food" ist für Nachteulen nichts Neues. Gemeint ist, dass künftig in der gesamten "Alltagskultur rund um die Uhr und überall gegessen wird". Sie schreibt auch über "Spiritual Food". Hierbei werden gesundheitliche und spirituelle Aspekte der Ernährung zu einer neuen Religion hochstilisiert.

Längst viel mehr als nur eine kurze Mode sind die "Ungredients": Ein Wortspiel von dem was drin ist (ingredients) und was nicht. Letzteres scheint im Handel mit Lebensmitteln inzwischen fast schon wichtiger zu sein. Geworben wird mit dem, was das Produkt nicht enthält. Frei von Laktose, Fett, tierischem Eiweiß, Gluten, Kohlehydraten, Erdnüssen, Fruktose, Soja, Sinn.

Ja, auch das, denn unter den aktuell mehr als 200 Slogans, die von der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zur Bezeichnung auf Lebensmittelpackungen zugelassen sind, findet sich bei Milch auch "Frei von Transfetten". Diese künstlichen Fettsäuren mögen tatsächlich gesundheitsschädlich sein - in der Milch kommen sie aber gar nicht vor.

Teuer bezahlen für das, was nicht drin ist

Die unglaubliche Bereitschaft des Menschen, bei einem industriell nachweislich nicht teurer zu produzierendem Lebensmittel für das, was man nicht kauft, deutlich mehr Geld auszugeben, hat längst einen gigantischen Markt geschaffen: Die bis zu 50 Prozent hochpreisigeren "Free From"-Produkte steigerten ihren weltweiten Umsatz von 2012 bis 2014 um 63 Prozent; allein in den USA werden nur mit glutenfreiem Essen und Trinken jährlich fast neun Milliarden Dollar umgesetzt. Zahlen, die man auch direkt bei den Erhebungs-Instituten wie Mintel finden kann.

Und wer sich im Freundeskreis profilieren will, muss nur Quellen wie Global Food Forums kennen - dort sind die Zukunftseinschätzungen Dutzender gut informierter Trendscouts übersichtlich kompiliert. Oder zu REWE gehen: In diesen Supermärkten liegen 33 Produkte des Hauslabels "Frei von"-im Regal.

Was Hanni Rützler und die vielen anderen Zukunftsforscher am Ende noch vergessen haben, ist das Abnehmen. Das nämlich ist immer ein Trend, und angesichts der aktuellen WHO-Zahlen mit weltweit 41 Millionen stark übergewichtiger oder gar fettleibiger Kinder unter fünf Jahren auch ein echter Spaß für die ganze Familie? Eher nicht, denn ab einem Body-Mass-Index (BMI) jenseits von 30 hört der Spaß auf.

Die hier Pharma- und Lebensmittel-Industrie verdient an Menschen, die abnehmen wollen, prima. Es gibt Hunderte Diätstrategien von Fasten über Low Carb, Low Fat bis zur Blutgruppenanalyse. Am Ende ist es fast egal, für welche Diät man sich entscheidet, man muss sie nur ein paar Monate durchhalten.

Für Kohlehydratphobiker sind die "Russischen Tomateneier mit Salat" ein wahrhaft gefundenes Fressen. Low Carb-diättauglich, sogar recht fettarm - und dennoch so lecker wie gesund. Solange man nicht vier Scheiben dick gebutterten Weißmehltoast dazu isst.

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insgesamt 3 Beiträge
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transalp96 30.01.2016
1. VIer Personen?
Nun bin ich seit März 2015 auf lowest carb unterwegs und der erste Zentner ist weg, aber bitte: Vier Personen? Das klingt für mich wie ein leckeres Frühstück! Denn das ist bei lowcarb wichtig: Man ist immer satt, und dann braucht es nicht andauernd irgendein Essen.
agua 30.01.2016
2. An#1 transalp
Ein Frühstück für 1 Person mit 8 Eiern?Ich lasse es als leckere Vorspeise gelten oder für ein Buffet. Als Diät Hauptspeise läßt mir das niemand durchgehen:)
Miere 31.01.2016
3. Dass Olivenöl, Rosmarin und Trockentomaten
typisch russisch sind, wusste ich bisher nicht. Man lernt nie aus. Zum Abnehmen taugt das Ganze selbstverständlich nicht. Dazu müsste es außer kohlenhydratfrei auch fettfrei sein, und dann wird's nach einer Weile sehr ungesund. Schmecken könnte es, so wie's aussieht, aber dann mit Brot oder Nudeln bitte.
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