Fotograf Marco Grob "Das Gesicht muss für sich sprechen"

Schwarzenegger, Lady Gaga, Barack Obama - der Schweizer Fotograf Marco Grob hat sämtliche Größen aus Politik, Unterhaltung und Wirtschaft fotografiert. Sein Buch "Money People Politics" zeigt die wichtigsten Porträts seiner Karriere.

Marco Grob/ teNeues

Ein Interview von Lisa Srikiow


SPIEGEL ONLINE: Herr Grob, Sie haben Größen wie Julianne Moore und Michael Douglas fotografiert. Welches Bild bedeutet Ihnen besonders viel?

Grob: Jedes Bild hat seine eigene Geschichte. Aber ich möchte das Cover-Shooting mit Hillary Clinton hervorheben - einfach, weil es mein erster großer Auftrag für das "Time"-Magazin war. Für mich als Fotograf brachen damit neue Zeiten an.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Grob: Ich bin nach New York gezogen, um mich fotografisch weiterzuentwickeln und mich ganz auf Porträts zu konzentrieren. Ich hatte das Gefühl, dass mir das in Deutschland oder in der Schweiz nicht mehr möglich war. In New York wurde dann Kira Pollack, die Bildredakteurin von "Time", auf mich aufmerksam - ein großes Glück. Sie bot mir das Shooting mit Clinton an. Auf dem deutschsprachigen Markt wäre so etwas undenkbar. Niemand würde sich auf einen neuen Fotografen einlassen, gerade bei einer Persönlichkeit wie Clinton. Da fehlt es einfach an Risikobereitschaft. Aber Kira Pollack gab mir diesen Vertrauensvorschuss.

SPIEGEL ONLINE: Empfanden Sie großen Druck bei dem Shooting?

Grob: Nein, ich war zu dem Zeitpunkt 40 Jahre alt. Da weiß man, was man kann. Das soll nicht überheblich klingen, aber ich hatte bereits gelernt, meiner Intuition zu vertrauen.

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SPIEGEL ONLINE: Wie verlief die Zusammenarbeit mit Hillary Clinton?

Grob: Sehr professionell. Clinton hat eine beeindruckend starke Präsenz. Sie war damals noch Außenministerin der USA. Die Tür flog auf und da stand die oberste Diplomatin des Landes im Raum, sonderte mich unter allen Anwesenden heraus, kam auf mich zu und begrüßte mich mit Namen. Ihr Personal hatte sie exzellent gebrieft, sie wusste genau, wer warum im Studio war. Aber dann übernahm ich als Fotograf und sie hat sehr gut mitgespielt, sich auf alles eingelassen. Vor allem hatte sie viel Zeit für mich, etwa 40 Minuten.

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SPIEGEL ONLINE: Wie viel Zeit haben Sie sonst für die Aufnahmen?

Grob: Bei Steve Jobs blieben mir beispielsweise nur drei Minuten und 48 Sekunden - für zwei Cover und drei Innenseiten. Ich stellte zwei Lichtsituationen her und ließ ihn vor grauem und weißem Hintergrund posieren. Er war ein vielbeschäftigter Mann, mehr Zeit konnte er nicht aufbringen, auch wenn ich extra zu ihm nach Kalifornien geflogen bin. Viele der Porträts entstanden übrigens in kuriosen Situationen, auf Fluren oder in Hinterzimmern - oft musste es einfach schnell gehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie in so kurzer Zeit gute Arbeit liefern?

Grob: Es kommt darauf an, das Gegenüber schnell zu erfassen. Gibt es Widerstände, ist derjenige angespannt oder locker? Darauf muss ich reagieren, ich arbeite dabei vor allem mit Licht. Das alles geht sehr schnell und intuitiv. Gleichzeitig ist es mir wichtig, die Bilder nicht zu sehr zu inszenieren. Ich sehe mich als Chronist, das Bild soll nicht an Bedeutung überfrachtet werden. Das Gesicht muss für sich sprechen. Bei einem guten Porträt erkennt man sehr schnell, welches Leben jemand gelebt hat, wo er herkommt, ob er intelligent, humorvoll oder machtbewusst ist. Ich hoffe, dass meine Bilder die Betrachter anregen, sich wieder mehr Zeit zu nehmen, einen Menschen genau anzusehen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein paar Tricks, um Ihr Gegenüber zu entspannen oder das Eis zu brechen?

Grob: Im Gegenteil. Es geht nicht darum, jemanden locker zu machen. Wenn mein Modell sehr angespannt ist, ist das doch Teil der Geschichte. Ich beschäftige mich auch nicht mehr allzu sehr mit der Biographie meines Gegenübers. Wenn ich zu viel über die Person weiß, kann mir das im Wege stehen. Als ich zum Beispiel Henry Kissinger fotografierte, war das eine Gratwanderung für mich. Ich war kurz zuvor im Auftrag der UN in Südostasien gewesen. Dort habe ich gesehen, wie die Menschen noch immer unter den Folgen des Vietnamkrieges leiden. Es war nicht leicht, der Person die Hand zu schütteln, die das durch ihre politischen Entscheidungen mitverantwortet hat. Andererseits: Meine Arbeit soll durch mein persönliches Empfinden nicht beeinflusst werden. Außerdem ist es mir wichtig, dass jeder, den ich fotografiere, dabei ein gutes, professionelles Erlebnis hat. Schließlich trage ich da auch eine gewisse Verantwortung. Und ob ich nun einen Hirten in Afrika oder den künftigen Präsidenten fotografiere, ich hänge mich bei jedem voll rein.

SPIEGEL ONLINE: Apropos, Präsident. Wie war das Shooting mit Donald Trump?

Grob: Trump habe ich in seinem persönlichen Büro im Trump Tower fotografiert. Er trat sehr breitbeinig, sehr machtbewusst auf. Er führte mich herum, zeigte mir die goldene Büste seines eigenen Konterfeis und erzählte mir, dass sie ein Vermögen gekostet habe. Trump ist ein gutes Beispiel, wie viel Aussagekraft ein Porträt haben kann: Wenn man sein Gesicht liest, ahnen wir doch wohl alle, was uns die kommenden Jahre erwartet.

Das Interview führte Lisa Srikiow für das Fotoportal seen.by

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
manuel.1 27.01.2017
1.
Wirklich beeindruckend mit welchen Personen bekannte Fotografen so zusammenarbeiten
peter_freiburg 27.01.2017
2. Stark
Sehr gute Portraits. Vom Setting und dem technischen Anspruch her keine "Rocket-Science", wohl eher one-light-Setups (oder zwei?). Aber die Kunst ist es, in wenigen Augenblicken das Vertrauen des Gegenübers zu gewinnen und improvisieren zu können. Um das Talent beneide ich den Fotografen.
nadennmallos 27.01.2017
3. Toll ....
... absolut
tomatenzahn 27.01.2017
4. Nachbearbeitung
Die meisten der Bilder sind derart stark nachbearbeitet, dass man an der Aussage "ich will die Grundsituation einfangen" zweifeln muss. Die Inszenierung ist gut gelungen, die Resultate durch die Korrektur aber eher künstlerische Abbildung denn realistische Darstellung. Schlussendlich eine Frage des Geschmacks. Das Können soll hier nicht bestritten werden, die Methoden aber hinterfragt werden. Mein Fall ist es nicht.
aequidens_pulcher 31.01.2017
5.
Da kann ich mich No 4 Tomatenzahn nur anschließen. Diese Gesichter sagen für mich gar nichts aus. Alles zu glatt, zu gestellt, viel zu stark nachbearbeitet. In Szene gesetzt, bekannte Posen. Nichtssagenden.
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