"Happy Hour" in Malibu Hausbesuch bei Mel Gibson

Mel Gibson möchte sein mittelalterliches Gutshaus verkaufen. Beim Open-House-Termin erfuhren Brigitte Steinmetz und Christine Kruttschnitt viel mehr über das Seelenleben des Oscar-Preisträgers als ihnen lieb ist.

Kruttschnitt/ Steinmetz/ Compass

Die Blue Lounge des Strandrestaurants Moonshadows ist so etwas wie die Hausbar von Malibu. Vor der Terrasse wogen Pazifikwellen, hinter der Reling die Brüste der Instagram-Models, die sich auf wasserfesten Fauteuils für ihre Follower in Szene setzen. Gelegentlich mischen sich auch echte Stars unter die persischen und russischen Poser, die in den Nischen auf der trockenen Seite Hof halten. Britney Spears kommt zum Lunch, wenn sie in der Gegend ist, und Mel Gibson prostete sich hier gerne zu, ehe seine Karriere nach einer trunkenen Nacht im Juli 2006 ein paar hundert Meter weiter am Pacific Coast Highway eine jähe Wende nahm.

Die Autorinnen
  • Chuck Mason
    Christine Kruttschnitt und Brigitte Steinmetz leben seit vielen Jahren in Los Angeles und berichten für große deutschsprachige Magazine über Hollywood und das Leben in Kalifornien. Die beiden haben noch nie einen Preis gewonnen, aber gehen regelmäßig zu den Oscars. In der "Happy Hour" lassen sie sich über ihren Alltag zwischen Kardashians und Kojoten aus. Noch mehr Häppchen, Stories und Interviews aus L.A. gibt es auf toast-la.com

Komm, lass uns hier in einer der Nischen sitzen. Meinst du, das war Mels Lieblingsplatz?

Eine Nische?! Bezweifle ich. Dieses Ego braucht Raum. Ich kann immer noch nicht fassen, wie der Mann sein Badezimmer arrangiert hat. Die Wanne mitten im Zimmer! Freistehend! Ohne Duschvorhang!

Compass

Ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass der Open-House-Termin gleichzeitig Einblick in seine Seele gibt.

Und in seine Körperhygiene. Hast du das Shampoo im Bad gesehen? Head and Shoulders. Der Mel hat Angst vor Schuppen.

Oder ist zu bescheiden für hochpreisige Haarwaschmittel. Aber der Reihe nach. Was trinken wir? Was Italienisches, weil das Gemäuer an die Toskana erinnert?

Und sein Interieur an den Vatikan, stimmt. Gleich, wenn man reinkommt, diese dunkle Holzbank! War das ein Beichtstuhl? Ich bin ja katholisch, ich musste mich bekreuzigen.

Ach, übertreib nicht! Der Blick wird doch umgehend durch dieses grandiose Panoramafenster in den Garten gelenkt - in der Ferne glänzt das Meer, im Ast hängt eine Babywippe... Ich finde, das war ein glückliches Haus.

Welches Baby überhaupt? Jetzt hat er neun. Bring mich mal auf den aktuellen Stand, bitte. Ich habe die Orientierung verloren.

(Kellnerin mit Dutt und undurchsichtigem Ausdruck hinter riesiger Spiegel-Sonnenbrille schlendert vorbei): Baby-Calamari sind aus.

Wir wollen gar nichts essen. Aber gern zwei Weißwein. Italienisch, aber kein Pinot Grigio?

(Kellnerin, automatisch): Greco di Tufo, Grotta delle Janare.

Klingt wie ein Stoßgebet, nehmen wir.

(Kellnerin nickt, während sie routiniert eine kichernde Mädchenclique in die Gischt dirigiert und mit mehreren Handys Fotos für die Gäste macht)

Also, die ersten sieben Kinder hat er mit seiner Ex-Frau, die er immer noch als Heilige bezeichnet. Das neue Baby ist von der Reiterin, die er im März mit zu den Oscars genommen hat. Sie heißt Rosalind Ross.

Hihi, der Witz schreibt sich selbst.

Streng genommen hat Miss Ross Gymnastik zu Pferde betrieben. Irgendwann begann sie Drehbücher zu schreiben, und 2014 bewarb sie sich in Mels Produktionsfirma. Der Rest ist Geschichte.

Aber was für eine? Im Haus sah ich keine Spuren einer Frau. Während du die Gewürzregale in der Küche inspiziert hast, zeigte mir die Maklerin die beiden begehbaren Kleiderschränke von Mels Master-Bedroom.

Das schweinslederne Kopfteil dieser Liegestätte war mir einen Hauch zu animalisch.

Na ja, Geschmackssache. Viel bemerkenswerter fand ich, dass beide Anziehgemächer voller Männersachen hingen! Sakkos, Hemden, Cowboyhüte. Die Maklerin meinte nur, Mels neue Freundin müsse wohl sehr pflegeleicht sein.

Vermutlich wollte sie erst gar nicht die Koffer auspacken. Das Haus kommt mit zu viel Ballast. Hast du die Striche am Türrahmen in der Küche gesehen? Da wurde mit Filzstift das Wachstum eines Kindes dokumentiert - und zwar von dem Moment an, wo es stehen konnte bis zum Oktober 2016, da zählte es sechs Jahre. "Lucy" stand dort: Das ist Lucia, die gemeinsame Tochter mit der Verflossenen, Oksana. Kind Nummer acht.

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Warte, warte - Oksana: die Russin mit den Popstar-Ambitionen, für die Mel einst ein Musik-Video inszeniert hat? Jesus, war die Trennung unchristlich: Ich erinnere mich genau an die Telefonate, in denen ein sturzbesoffener Mel Lucias Mama beschimpfte und bedrohte.

Wie konntest du das hören!?

Die schlaue Oksana hatte nicht nur ihr Pop-Gesäusel aufgenommen.

Eigentlich unvorstellbar, wie man in diesem Haus sitzen und wüten kann. Mit diesem Blick! Da oben ist es so grün, so still.

Ja, bemerkenswert - wo doch der nächste Nachbar Sean Penn ist, hat mir die Maklerin gesteckt. Noch so ein häuslicher Aggressor. Vielleicht ganz gut, dass die sich alle in den Bergen vergraben.

Aber Mel vergräbt sich ja gar nicht: Er will sein "mittelalterliches Gutshaus", wie es im Makler-Sprech heißt, für 17,5 Millionen Dollar verkaufen. 600 Quadratmeter Wohnfläche auf 22.000 Quadratmetern Malibu-Bergidyll. Finde ich geradezu ein Schnäppchen, wenn ich an diese öden Mega-Mansions in Beverly Hills denke, wo du zwanzig Millionen allein für die Postleitzahl 90210 hinlegen musst.

(Kellnerin knallt zwei halbgefüllte Kelche Weißwein auf den Tisch): Braucht ihr ein Foto?

Nein danke, wir müssen uns erst schön trinken.

Vielleicht ist Mels Man-Cave ein wenig... verwohnt?

Ach komm, er hat doch sogar auf Sonnenenergie umgerüstet, hast du die Solarpaneele in der Böschung gesehen?

Bin fast drüber gestolpert.

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Fotostrecke: Gibsons Mega Mansion

Und in der Garage ist der Starkstromanschluss für einen Tesla geplant. Er hat das Haus vor neun Jahren von David Duchovny gekauft...

Californication!

...der hat den prächtigen Lap-Pool hinterm Haus angelegt, bestimmt fünfzig Meter lang. Duchovny ist ja eher ein Hippie, aber der hat sich hier auch wohl gefühlt. Ich sag's ja, das Haus hat gute Vibes.

Hm, wie hast du die Vibes empfunden, die von dem Büffelkopf im Wohnzimmer ausgingen?

Immerhin nicht selbst erlegt, sondern ein Geschenk, hat die Maklerin beteuert. Mel hat halt sein Revier markiert. Vor der Besichtigung, sagte sie, habe sie das Haus gründlich ent-melt. Da gab's wohl noch mehr Kreuze und Rosenkränze. Und auf den Sofas lagen Bärenfelle, die sie schnell durch Kaschmirdecken ersetzt hat.

Ist dir das Filmplakat im Gästezimmer aufgefallen? "Hamlet", ein Frühwerk. Da war er so stolz drauf.

Mir gefiel das kleinformatige Hausmacher-Gemälde direkt daneben. Ein Surfer im Kampf mit den Elementen. Vielleicht ein Selbstporträt?

Ja, es gibt viele Kampfspuren. Die Ritterrüstungen am Kamin...

Ach lass ihn doch, das sind bestimmt "Braveheart"-Souvenirs. Ich glaube auch, dass die Heiligenbildchen im Esszimmer und die ganzen Theologie-Schwarten Recherchematerial für seine Passionsspiele waren.

Und Neigung. Vergiss nicht, der Mel neigt zum Frömmeln.

Aber er ist lernfähig. Hast du seine Bettlektüre bemerkt?

"The Israel Lobby", eine Kritik an der Nahostpolitik der Vereinigten Staaten - wie Amerikas vorbehaltlose Unterstützung Israels angeblich beiden Nationen schadet. Hmmm... ob das seinen Horizont erweitert?

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Nein, das war doch im Gästehaus! Mel selbst schmökerte im Bett in Jimmy Carters Autobiografie. Er scheint ein ausgesprochener Bücherwurm zu sein - mit eklektischem Geschmack.

In der Tat steht alles, was man über ihn wissen muss, in seinem Regal: "Leben und Leiden unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi" neben "The Easy Way to Stop Smoking" und "War Stories From The Future". Fast tut er mir ein bisschen leid. Das ist doch eine arg zerrissene Seele.

Ach was, als ich ihn vor einem halben Jahr getroffen habe, war er ganz fröhlich. Er ist jetzt trocken, durchtherapiert, frisch verliebt, und Hollywood hat größtenteils verziehen. Die Maklerin sagt, dass er gern töpfert und Geschirr bunt bemalt.

Ich hätte auch nicht erwartet, dass mich das Haus so versöhnlich mit seinem Bewohner stimmt. Der ist wirklich ein Familientier! Überall Kuschelhasen und Disney-Prinzessinnen... "Mad Max" kann auch leise Töne.

Ähm, hast du die kirchturmhohen Stereoboxen im Wohnzimmer übersehen?

Ja, aber dafür fehlt der Altar, vor dem westliche Wohnzimmer sonst arrangiert sind: der Fernseher.

Im Schlafzimmer hing einer an der Wand. Aber ich geb's zu: sehr dezent. Kürzlich war ich in einem Open House, da waren zwei Flachbildschirme am Kopf- und Fußende eines Indoor-Lap-Pools montiert, damit man keine Sekunde Fox-News verpasst.

Guckst du das immer noch. Wo ist eigentlich die Heilige abgeblieben?

Robyn? Mel hat ihr nach der Scheidung 2011 den Familiensitz im benachbarten Canyon überlassen. Seine Liebe misst sich in Immobilien: Für Oksana gab es ein Zweieinhalb-Millionen-Häuschen im San-Fernando-Valley.

Ich habe gelesen, er hat gerade das Grundstück um seine ultrakatholische Privatkirche hier in den Bergen auf den Markt geworfen.

Church of the Holy Family! Ich wette, die missbilligen die Wandlungen ihres Stifters; gerade die Vaterunser von Lucia und Baby Lars müssen ihnen aufstoßen.

Aber bestimmt vermacht er ihnen all seine Devotionalien und gebenedeiten Marien.

Kruttschnitt/ Steinmetz/ Compass

Meinst du, er verkauft das Haus mit allem Dekor? Aus der einsamen Umzugskiste, die ich gesehen habe, quollen nur Kochbücher. Grillrezepte, bestimmt für Bison.

Die Maklerin sagt: alles Verhandlungssache. Er hänge an nichts, es geht mit Galopp ins neue Leben.

Apropos, willst du mit zu Kevin Costner? Der stößt auch gerade seine Vergangenheit ab. Sie liegt am Meer in Santa Barbara, 25.000 Quadratmeter, 60 Millionen, pferdegerecht.

Klingt himmlisch! Und worauf trinken wir jetzt?

Auf uns arme Kirchenmäuse.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
G.Real 09.10.2017
1. Ooch,...
so viel Häme für ein doch ganz nettes Haus: 1) wunderschöne Lage. Wo gibt es das sont, etwa in Deutschland? 2) Die Architektur scheint mir etwas verwinkelt und nicht im eigentlichen Sinn "barrierefrei" zu sein. 3) Die Einrichtung erscheint doch ausgesprochen stilrein, geradezu zurückhaltend - jedenfalls im Vergleich zu anderen "Anwesen" aus jener Gegend, über die SPON bisweilen berichtet. 4) Wer will kann die Stehrümmchen versteigern "Hat Mel gehört!" und damit gewiss einen Teil des Kaufpreises finanzieren. Ergebnis: Weshalb um alles in der Welt veröffentlicht ausgerechnet SPON eine derart unsägliche Nichtnachricht? Ist es nicht würdelos, gerade Mel Gibson so viel Raum, zu widmen?
Papazaca 09.10.2017
2. Ein Haus, in dem es sehr menschelt.
Am besten gefiel mir der letzte Satz: Und worauf trinken wir jetzt? Auf uns arme Kirchenmäuse. Ansonsten sind die beiden Damen ja die reinsten Selbstinszeniererinnen. Mel Gibson ist nur das zufällige Opfer. Und das Haus ? Ach ja, hätte ich beinahe vergessen. Erstmal ist es sympathisch, das noch Sachen und Kleidung von ihm in dem Haus sind. Vieles ist ziemlich rustikal, die Front wirkt wie das Ergebnis verschiedener Anbauten. Sicher keine große Architektur aber da hat jemand gelebt und man kann offensichtlich drin leben. Es menschelt. Ob jetzt Gibson religiös ist, kritisch den Juden gegenüber oder was auch immer (viele Frauen mit vielen Kindern, die er abfinden mußte) juckt mich nicht groß. Irgendwie hat alles was von Abschied und auch Neuanfang, hoffentlich gut für Gibson. Ich würde lieber ein kleines Haus selber bauen. Wenn ich viel Geld hätte (habe ich leider nicht) und mir so eine Hütte gehören würde, würde ich sicher einen Teil abreißen und mir ein schlüssiges Konzept überlegen. Ist alles zwar sehr menschlich, aber ein Sammelsurium. Und will man in dem abgelegten Sammelsurium anderer leben? Eher nicht.
mwroer 09.10.2017
3.
Freistehende Badewannen stehen in keinem Haus das ich kenne an der Wand - das hat einfach damit zu tun dass man sich in so einer Wanne nicht eingeengt fühlen will. Unsere steht auch in der Mitte des Badezimmers - übrigens genau dort platziert auf Wunsch meiner Frau. Nein, kein Duschvorhang. Wofür soll der gut sein, das Badezimmer hat eine Tür die man schließen kann. Und sonst ist es ein Haus das offenbar nicht aus dem Wohnmagazin stammt sonder so eingerichtet ist wie es den Bewohnern gefallen hat. Nach den neuesten Design-'Trends' immer neu zu gestalten leisten sich nur Leute die Ihr Haus als Showbühne nutzen, Leute die dort leben weniger.
kurt. 09.10.2017
4. Warum so hämisch?
Ich bin nicht religiös und halte von Herrn Gibson ausnehmend wenig. Aber das Ausmaß an Häme, dass die beiden Damen da über seinem Haus ausgießen, kann ich nicht nachvollziehen. Was ist so schlimm oder egozentrisch an freistehenden Badewannen? Erstens haben die Badezimmer doch eine Tür, die man schließen kann, und zweitens ist auch nicht jeder so verklemmt, dass er sicherstellen muss, dass auch ja niemand sonst aus der Familie ihn mal nackt sehen könnte. Da würde ich bei den Damen eher eine Gymnophobie vermuten. Ansonsten wäre die rustikale Einrichtung auch nicht mein Fall, aber das ist doch Geschmackssache. Und die religiösen Artefakte sind seine Privatsache, das sage ich als Atheist. Mag sein, dass er mit der „Passion Christi“ sein Sendungsbewusstsein ausgelebt hat, aber das kann man wohl kaum von seinen Privatgemächern behaupten.
2meter2 09.10.2017
5. Thema verfehlt
Ich stimme Papazaca zu. Dieses Maß an Selbstinszenierungswut schmerzt nicht nur in den Augen. Hauptsächlich entstehen die Schmerzen allerdings durch den völlig zerfaserten und wirren Text im kindlichen Frage-und-Antwort-Stil. Die eingebügelten Meinungen, was derzeit hip, angesagt oder old fashioned sein soll, disqualifiziert die beiden Autorinnen ganz tief hinab auf Gala-Niveau. Da sind sie auch gut aufgehoben. Lasst sie dort. Und lasst sie dort weiter keine Preise gewinnen. Kein Wunder, übrigens ...
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