Met-Gala in  New York In ist, wer drin ist

Es ist die Party des Jahres: Wer zur Modegala ins New Yorker Metropolitan Museum kommt, bestimmt allein "Vogue"-Chefin Anna Wintour. Aber Sie können entscheiden, wer in den vergangenen Jahren das schönste Outfit trug.

Model Naomi Campbell (1990)
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Model Naomi Campbell (1990)

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Der Weg zu New Yorks exklusivster Party beginnt in der 5th Avenue, ist 140 Meter lang und ausgelegt mit einem schweren roten Teppich. 140 Schritte - je nach Länge und Enge des Kleids können es deutlich mehr sein - über drei Treppenabsätze, durch das große Portal und die Eingangshalle, danach rechts in das Kostüminstitut im Erdgeschoss des Metropolitan Museum of Art.

Hierhin lädt Anna Wintour, "Vogue"-Chefin und mächtigste Frau im globalen Modegeschäft, einmal im Jahr, zur Met Gala. Regelmäßig am ersten Montag im Mai ist dann eine handverlesene Mischung aus Designern, Oscargewinnern, Popstars und altem New Yorker Geldadel dazu aufgefordert, das Jahresbudget für die Modeabteilung zu spenden, den einzigen Museumsbereich, der sich komplett selbst finanzieren muss.

Weil Anna Wintour ihren Job als Gastgeberin so gut macht, wurde die Kostümabteilung 2014 in Anna Wintour Costume Center umbenannt. Seitdem sie seit 1999 die Spendengala organisiert, kamen fast 160 Millionen Dollar zusammen. Allein 12,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Die größte Spendenveranstaltung des Museums, das David Rockefeller Lunch, spült gerade einmal ein Drittel davon in die Museumskasse.

Die Highlights der diesjährigen Met Gala zeigen wir Ihnen morgen. Um sich die Wartezeit zu vertreiben, können Sie jetzt schon mal Ihr Lieblingskleid aus den vergangenen vier Jahrzehnten küren.

Und so geht's: Sie sehen zwei Fotos im Vergleich. Klicken Sie auf das Outfit, das Ihnen besser gefällt. Das andere verschwindet, ein neues erscheint - wieder können Sie das Ihrer Meinung nach schönere Outfit anklicken. Am Ende bleibt der Siegerlook übrig.

Das Stelldichein lohnt sich aber auch für die Gäste. Wer wie Rihanna bereits mehrmals eingeladen war, kann sich über viel Aufmerksamkeit freuen. Eine Google-Suche nach "Rihanna Met Gala" liefert inzwischen 1,17 Millionen Ergebnisse. Ihr Auftritt in einer goldenen Robe mit Pelzbesatz und ellenlanger Schleppe vor zwei Jahren wurde zur Internetsensation.

Das ist auch der Grund, warum die meisten der teuren Eintrittskarten - Einzeltickets kosten 30.000 Dollar, ein Tisch für zehn Personen 275.000 - von Firmen gekauft werden, die dann ihre prominenten Markenbotschafter einladen. Das bedeutet aber nicht, dass die Unternehmen frei entscheiden dürfen, in wessen Glanz sie sich sonnen. Das letzte Wort über die Gästeliste hat Anna Wintour, Teilnehmer des Abends müssen mit ihr abgesprochen werden. Keine Ausnahmen. Auf Wunsch gibt ihr Team Empfehlungen.

Warteliste für die Gästeliste

Deshalb kann sich auch nicht einfach jeder Wall-Street-Krösus mit zu groß ausgefallenem Jahresbonus in den Met Ball einkaufen. Wer in den Augen von Frau Wintour und ihres 85-köpfigen Organisationsstabs nicht dazugehört, hat Pech gehabt. Selbst wer in Betracht kommt, wird in der Regel statt mit einem Platz auf der Gästeliste mit einem auf der Warteliste bedacht.

Schneller geht es nur mit einem Oscar oder Grammy im Schrank, einer neunstelligen Zahl Instagram-Follower, Kultstatus oder makelloser Schönheit. Am besten alles zusammen. Unter den Gästen im vergangenen Jahr waren Jennifer Lawrence (Oscar), Alicia Keys (15 Grammys), die Winklevoss-Zwillinge (Geldadel) und so ziemlich jeder Designer von Weltruhm.

Selfie-Verbot

Im Inneren wird jeder der rund 600 Gäste von einem Begrüßungskomitee empfangen. Dazu gehören neben der Gastgeberin seit 2003 auch sogenannte Co-Hosts, es dürfen aber nur maximal vier sein. In diesem Jahr wurden Pharrell Williams, Katy Perry und Gisele Bündchen auserkoren. Außerdem muss noch Andrew Bolton begrüßt werden, der Kurator der zu eröffnenden Frühjahrsschau und heimliche Star des Abends. Seine Arbeit ist in dem vergangenes Jahr erschienenen Dokumentarfilm "The First Monday in May" zu bewundern:

Bevor der gemütliche Teil beginnt - auf der gesamten Veranstaltung herrscht Social-Media-Verbot -, werden die Damen und Herren noch durch die Ausstellungsräume geschleust. Schließlich geht es ja nicht nur ums Sehen und Gesehenwerden, sondern um die Kunst.

2017 kommt die von der japanischen Designerin Rei Kawakubo. Sie ist nach Yves Saint Laurent im Jahr 1983 erst die zweite Person, die noch zu Lebzeiten mit einer Retrospektive gewürdigt wird. Die 78-jährige Kawakubo oder besser gesagt ihr Label Comme des Garçons ist bekannt für Prêt-à-porter-Mode, die so ausgefallen ist, dass sie an diesem Abend vermutlich niemand tragen wird.

Dresscode: Black tie

Generell ist es ratsam, sich einfach nach allen Regeln der Kunst in Schale zu werfen und das Thema des Abends zu ignorieren. Die Veranstalter sehen es zwar gerne, wenn die Abendgesellschaft sich von Mottos wie "Manus x Machina: Fashion in the Age of Technology" oder "Punk: Chaos to Couture" inspirieren lässt, Pflicht ist es jedoch nicht. Denn im Smoking mit Metallarm (Zayn Malik) oder falschem Feder-Iro auf dem Kopf (Sarah Jessica Parker) sehen die wenigsten gut aus.

Apropos peinliche Fotos: Richtig wild wird es nachts im Museum übrigens nicht. Gwyneth Paltrow verkündete 2013, dass sie nie wieder kommen werde, weil die Party keine war. Richtig in Fahrt kommen die Schönen und Reichen erst auf den Afterpartys. Vergangenes Jahr gingen die Kontrollsüchtigen (Kardashian-Klan, Beyoncé) ins The Gilded Lilly, die wahren Feierbiester (Naomi Campbell, Taylor Swift, The Weeknd, Lady Gaga) aber waren im angesagten Up&Down. Der Laden ist dafür bekannt, dass man ebenso schwer reinkommt wie zur Met Gala, aber das ist eine andere Geschichte.

Fotostrecke

9  Bilder
Met Gala 2015: Pizzakleid, Metallic-Scheibe, Doppelpack
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