Modesünden in Filmen Ich hätte da diesen Sack für Sie ...

Kostümdesigner kleiden Schauspieler oft sehr glamourös und stilvoll ein. Doch in manchen Filmen sind die Outfits ein Verbrechen. Überzeugen Sie sich.

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Journalisten denken meist nicht darüber nach, wie sie so herumlaufen. Ihre Outfits sind bequem, unauffällig, neutral. Das hat zumindest Wendy Chuck gelernt, als sie die Kostüme für den Film "Spotlight" zusammengestellt hat.

"Spotlight" erzählt die wahre Geschichte der renommierten US-Zeitung "Boston Globe", deren Reporter im Jahr 2002 einen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche aufdeckten. Das Schwierigste sei es gewesen, stinknormale Klamotten für Menschen zu finden, die sehr berühmt sind und schön, die also in fast allem, was sie tragen, gut aussehen - Rachel McAdams etwa, sagte Chuck der "New York Times".

"Wir haben versucht, den Stil der Neunzigerjahre hinzukriegen, obwohl der Film in den ersten Jahren des neuen Jahrzehnts spielt." Mit Neunzigerjahren meint Chuck: schlecht sitzende, überweite Klamotten. Und mit diesen wollte sie vor allem eines erreichen: Authentizität.

Um das zu schaffen, ließ sich die Kostümdesignerin Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Journalisten schicken und bat sie um Fotos, auf denen man ihren Kleidungsstil erkennt. Einer schickte ihr ein Bild seiner Lederjacke, die er heute noch besitzt und von einem Paar Doc Martens. Chuck fragte nach, wo er die Kleidung kaufe und der Journalist erwiderte, seine Frau kaufe für ihn ein.

Chuck ließ sich aber auch von Boston selbst inspirieren, schaute sich in der Stadt um und lernte, dass es dort offenbar so eine Art Arbeitsuniform gebe, die aus einem blauen Hemd, Kakihosen und braunen Schuhen besteht.

Viele der Schauspieler protestierten dann übrigens, weil sie sich unwohl in der Kleidung fühlten, die Chuck für sie ausgewählt hatte. Nicht nur bei "Spotlight" litten die Schauspieler unter ihren Outfits. In den vergangenen Jahrzehnten fielen immer wieder Filme durch Kleidung auf, die entweder sehr schlicht ("Sideways"), sehr spacig ("Zoolander"), sehr hässlich ("Monster"), sehr achtziger ("Top Gun") oder sehr neunziger ("Clueless") waren. Aber sehen Sie selbst - in dieser Fotostrecke.



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
kiltbear 19.02.2016
1. Enge Ringeranzüge sind nicht sexy?
Das sehen viele Männer, aber auch Frauen ganz anders, hab ich gemerkt. :-)
Freifrau von Hase 19.02.2016
2.
Lustig, wie einem manche Journalist(innen) gewisse Outfits als "Modesünde" verkaufen wollen. Dabei laufen die Leute ganz normal rum. Wir sind halt nicht in Mailand auf dem Catwalk.
Hupert 19.02.2016
3. Modesünden?
Die Überschrift ist völlig irreführend. Das meiste in der Fotostrecke ist einfach der Mode der Zeit geschuldet... Richard Geres grausige Schlangen- oder Drachenkrawatte auf Bild 10 bleibt dagegen unerwähnt. Coopers Müllsack in Silver Linings passt zur Rolle und dem gespielten Charakter wie die Faust aufs Auge. Hier hat, egal ob Cooper selbst oder der Designer alles richtig gemacht. Ich versteh den Artikel nicht.
holyowly 19.02.2016
4. Warum Verbrechen?
Zum einen sind die meisten gescholtenen Outfits zeitgemäß und zum Film passend. Zum anderen ist es realistischer wenn man eine Film 'auf der Straße' dreht auch das Outfit der Schauspieler so zu wählen wie auf der Straße üblich. Wenn man durch unsere Städte geht, sieht man auch heute jede Menge modische Fehlleistungen. Außerdem, wer heute über Vokuhila ablästert der wird in 20 Jahren vermutlich selbst ein Lästeropfer. Moden ändern sich und man sollte nicht werten.
maipiu 19.02.2016
5. Streiten über Geschmack?
Die Klamotten sind den betreffenden Filmen absolut angemessen. Oder was ist daran zu kritisieren, wenn Ringer in Ringertrikots zu sehen sind? Oder an 80er-Klamotten in Filmen der 80er? Ich glaube, ich verstehe nicht, was die Autorin will.
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