Bildband über Modenschau-Produzent Meister des Spektakels

Fashionshows sind längst Millionenproduktionen geworden. Wenn so ein Event die Synapsen der Zuschauer ganz besonders kitzelt, kann es gut sein, dass der Franzose Alexandre de Betak dahinter steckt.

Daniel Beres/ Phaidon

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Was macht eine gute Modenschau aus? Die Mode, klar. Models, auch klar. Wichtig sind außerdem berühmte Zuschauer, die mediale Aufmerksamkeit verschaffen. Dann wären da aber noch der Ort der Modenschau, der Laufsteg, das Licht und die Musik. Für Models, Set und Ambiente ist in vielen Fällen Alexandre de Betak zuständig. Er ist wohl einer der talentiertesten, in jedem Fall aber einer der gefragtesten Showproducer der Welt. Seit rund 25 Jahren inszeniert er für die bekanntesten Modemarken der Welt.

De Betaks Arbeit soll die Betrachter verzaubern, aber nicht ablenken. Dass das gar nicht so einfach ist, beweist der Blumenberg: 300.000 königsblaue und violette Rittersporne pflanzten Betak und sein Team 2015 für Dior auf eine mit Rollrasen verkleidete Holzkonstruktion im Innenhof des Louvre. Im Inneren des Bergs war ein kleinerer Blumenhügel, aus dem später die Models kommen sollten - angestrahlt von Scheinwerferkränen, die selbst wie Stauden aussahen.

Während sich vermutlich nur wenige an die Kollektion erinnern - es war die Frühjahrsmode für 2016 - hat sich diese Kulisse vielen Menschen ins Gedächtnis eingebrannt. Tausendfach wurde die Installation bei Instagram gezeigt.

So ein Spektakel kann bis zu fünf Millionen Dollar kosten, mindestens aber 250.000. "Ich würde sagen ein bis zwei Millionen Dollar sind der Durchschnitt im oberen Preissegment", verriet de Betak im September der "Financial Times". Er habe aber auch schon für 100.000 Dollar gearbeitet, wenn er ein Label fördern wollte. Immer noch viel Geld für eine Show, die nicht länger als eine halbe Stunde dauert.

Ein Großteil der Kosten wird für die Veranstaltungsorte fällig. Städte wie Moskau freuen sich zwar über den Werbeeffekt, wenn der Rote Platz für eine Modenschau angefragt wird, lassen sich das aber trotzdem teuer bezahlen. Hinfliegen und die Orte auskundschaften muss im Vorfeld auch noch jemand. Hinzu kommen die Löhne für die Bühnenbildner und die Beleuchter. An der Dior-Schau arbeiteten insgesamt 100 Menschen.

Galliano wollte "jungfräuliche russische Bräute"

Produzenten von Modenschauen müssen sich für Produkte und Image einer Marke passende Bildwelten ausdenken. Gleichzeitig sollen sie die Geschichte der Kollektion erzählen. Das Briefing der Designer dafür ist teilweise sehr konkret, manchmal besteht es aber auch einfach nur aus einem Satz. "Jungfräuliche russische Bräute im Winter", wünschte sich John Galliano einmal von de Betak. Er ließ dann Kunstschnee von der Decke rieseln und von bunten Lasern anstrahlen. Raf Simons wollte für eine Show in Tokio einen Blade-Runner-Look. Das Ergebnis sah dann so aus:

Damit auch die Models wissen, was von ihnen verlangt wird, hängt Betak hinter der Bühne Zettel auf. "Energetic ... but not too fast. Glamorous but not modely", ist dann dort zu lesen oder: "Sexy rich bitchy in a ski ressort."

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Fotostrecke: "Strong and energetic, go!"

Der Markt für Leute wie de Betak ist klar aufgeteilt. In seiner Liga spielen eigentlich nur noch drei Konkurrenten: Etienne Russo aus Brüssel, Olivier Massart aus Paris und Julie Mannion aus New York. Sie verwalten die größten Budgets, haben die bekanntesten Marken im Portfolio.

Mit den meisten seiner Kunden arbeitet de Betak seit Langem zusammen. Für Michael Kors inszeniert er seit fast 25 Jahren. Raf Simons engagierte ihn zu seinem Start bei Dior und beauftragte ihn auch für seine erste Calvin-Klein-Schau. Für die Schwestern Kate und Laura Mulleavy und ihr Label Rodarte prägt er seit 2007 eine Bildsprache, die die Leichtigkeit ihrer Stoffe optimal unterstreicht: ein eher industrieller Look mit vielen Neonröhren - eines der wenigen Markenzeichen von Betak, seit er als Jugendlicher die Partys seiner Freunde dekorierte.

Sehr viel mehr Erfahrung brachte der Sohn einer Französin und eines Argentiniers nicht mit, als er 1987 in einem kleinen Studio im 15. Pariser Arrondissement seine Firma gründete. Ein Jahr später, mit 19, unterzeichnete er seinen ersten Vertrag: eine Modenschau für die spanische Designerin Sybilla. In den nächsten Jahren sollten große Namen und Büros in New York und Shanghai folgen.

Was also macht eine bemerkenswerte Modenschau aus? Mode, Models - und ein kreatives Organisationstalent, das mit Handy, Klemmbrett, Headset und Stoppuhr ausgerüstet hinter der Bühne steht und das Schauspiel orchestriert. Wenn das mal wieder ganz besonders die Synapsen der Zuschauer kitzelt, kann es gut sein, dass der Verantwortliche Alexandre de Betak heißt.

Einen Überblick über seine Arbeit zeigt ein Bildband, der soeben im Phaidon-Verlag erschienen ist: Alexandre de Betak: "Fashion Show Revolution".

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Alexandre de Betak:
Betak

Fashion Show Revolution

Phaidon, 292 Seiten; gebunden; Englisch; 69,99 Euro



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