Trends von der Möbelmesse So wohnen wir morgen

Statt Zimmer gibt es Zonen, die Küche wird geschickt getarnt, und große Couchlandschaften sind out. Hereinspaziert in die Wohnung von morgen.

TMN

Essen, Schlafen, Arbeiten: All das soll sich künftig nicht mehr in festgelegten Räumen abspielen, sondern einfach dort, wo man eben gerade Lust dazu verspürt. So zumindest sieht die Wohnvision von Truly Truly aus. Das australisch-niederländische Designerpaar durfte in diesem Jahr seine Idee vom modernen Wohnen auf der Internationalen Möbelmesse in Köln (IMM) vorstellen. "Das Haus" heißt das Format, mit dem die IMM jedes Jahr Designer einlädt, eine Fläche von 180 Quadratmetern zu bespielen. Grenzen und Vorgaben gibt es keine.

Joel und Kate Booy, die Köpfe hinter Truly Truly, haben sich für ein angesagtes Thema entschieden: grenzenloses Wohnen. In Neubauten wird zunehmend offen gebaut, ganze Bildbände beschäftigen sich mit dem Thema. Bei Truly Truly steht das Bad komplett offen im Raum, übermannsgroße Pflanzen und Schiebewände rund ums Bett bieten flexible Möglichkeiten zur Unterteilung.

Die ehemaligen Zimmer des Hauses sind aufgegangen in einem offenen Wohnraum mit der Küche im Zentrum. Wie erfolgreich dieses Raumkonzept sein wird, bleibt abzuwarten. Es gibt so gut wie keine Wände, sondern nur insgesamt vier Zonen - die jeweils passend zur Stimmung und den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet sind. Da stehen beispielsweise niedrige Sessel zum Entspannen oder ein Sofa, das mehrere Sitzrichtungen zulässt.

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Fotostrecke: Zwischen Hygge und Hightech

"Zwischen Hightech und Hygge" fasst eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen die Wohnwünsche im Lande zusammen. Das schlägt sich auch im Einrichtungsangebot nieder: Pflanzen, Beleuchtung und Stoffe machen das Wohnen heute zu einer recht plüschigen Angelegenheit, selbst die Dunstabzugshaube wird hier mit altrosa Stoff verkleidet. An manchen Ständen schaut es aus wie im Kuschelraum einer Kita.

Die Formen bleiben reduziert

Bei den Materialien gilt anything goes, die inzwischen bewährte Kombination aus Naturstein und gebürstetem Metall, aber auch edles Buntglas zu Neonkordel. Üppige Stoffkissen, Decken und Polster liegen auf hellem Holzmobiliar. Überhaupt: Wo Oberflächen nicht durch Stoffe umhüllt werden, da sieht man meist Naturstein oder eben Holz.

Überflüssiges und Ornament sollen unbedingt vermieden werden. Mid-Century-Schick, wohin das Auge schaut. Wirklich Neues gibt es kaum zu entdecken, was den interessanten Effekt hat, dass die großen Klassiker bei Minotti und Cassita, bei Knoll oder auch Vitra zu den Highlights dieser Messe gehören. Sondereditionen befördern die Nachfrage nach altem Design: Thonet zum Beispiel präsentiert seinen vor rund anderthalb Jahrhunderten entworfenen Kaffeehausstuhl 214 in einer Neuauflage. Das Hamburger Designstudio Besau Marguerre verpasste Thonets Bugholzstuhlmodell dafür einen neuen Anstrich.

Hightech ist ein weiteres Versprechen dieser IMM. Und natürlich: Wo eine Oberfläche ist, da kann gewischt werden. Elektrogeräte lassen sich mit dem Smartphone verbinden oder kontaktlos steuern. Verglichen mit dem Zukunftskino der Sechziger- oder Siebzigerjahre ist hier aber immer noch wenig Science-Fiction.

Atmende Spülbecken

Überraschungen hält die Küchen-Schau bereit - mindestens für jene, die sich länger nicht mit Dunstabzugshauben beschäftigt haben: Mit den Modellen von einst haben die ausgestellten Exemplare außer der Funktion jedenfalls nichts mehr gemein. Küchendunst verschwindet nun durch kaminartige Kupferrohre, riesige Hängelampen mit integrierten Absaugschläuchen, versenkbare Klappen im Herd oder gar atmende Spülbecken.

Weil Technik den Alltag erleichtern, aber möglichst nicht nach Hightech aussehen soll, wird auch sonst viel Camouflage betrieben. Gaskochfelder werden einfach direkt und rahmenlos in die Hightech-Keramikplatte versenkt, die mit Spezialdruck ihr Marmor-Finish erhält. Die Firma Porcelanosa lässt die Kochfelder ganz verschwinden, indem sie eine steinerne Arbeitsfläche über ein Induktionsfeld legt.

Die Küche wird zum Wohnzimmer

Je wichtiger die Küche offenbar im Alltag wird (siehe das Wohnkonzept von Truly Truly weiter oben), umso weniger soll sie nach Kochbereich ausschauen. Wer über die Küchenschau in Köln läuft, wundert sich an mancher Stelle: Da ist doch gar keine Küche. Scheinbar nur Tische, Sideboards und Schrankwände sieht man. Aber wer diese öffnet, die Platten und Türen verschiebt, findet dann alles, was man braucht.

"Verstärkt im Angebot sind sogenannte Taschentüren, also Türen, die in geöffneter Position vollständig in die Seiten des Schrankes geschoben werden und nicht im Wege stehen", erklärt Volker Irle von der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche. Der Kochbereich wirkt dann so, als gebe es dort gar kein Möbel.

Doch auch hier kein Trend ohne Gegenbeispiel: Beim Themenschwerpunkt "Future Kitchen" zeigt der Züricher Designer Alfredo Häberli eine mobile Herdplatte, tragbar wie ein Tablet. Bei Bedarf kann sie am Tisch genutzt werden. Oder man setzt sie mitten auf den Tresen, als mobile, gewissermaßen moderne Version der Feuerstelle, die nach Bedarf auch einmal direkt dort platziert werden kann, wo sich gerade das Leben abspielt.

Mit Material von dpa



insgesamt 73 Beiträge
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maipiu 22.01.2019
1. Interessant, interessant
Nachdem "man" noch vor wenigen Jahren seine ultramoderne (und teure) Küche stolz zur Schau gestellt hat, wird sie jetzt bescheiden versteckt. Ist sicher auch ehrlicher vor allem für die Leute, die gar nicht kochen können. Wahrscheinlich bin ich schrecklich altmodisch, denn ich bin ein Fan von abgeteilten Zimmern. In so einer fabrikhallengroßen Wohnung fühle ich mich verloren. Und was ist mit der Zugluft? (Gerade wenn die Abzugshaube im Küchenbereich auf höchster Stufe läuft?) Und was ist mit dem Wasserdampf aus dem Badebereich? Wird wahrscheinlich alles weggebeamt. Aber wie gesagt: ich bin schrecklich altmodisch.
kreuzberger36 22.01.2019
2. Prima, aber für Singles
Oder keinen Sex mehr! Kinder geht mal in die „spielzone“ und bitte Kopfhörer aufsetzen! Eure Eltern haben was zu besprechen! Truly
topas 22.01.2019
3.
Zitat von kreuzberger36Oder keinen Sex mehr! Kinder geht mal in die „spielzone“ und bitte Kopfhörer aufsetzen! Eure Eltern haben was zu besprechen! Truly
Was ist, wenn der Partner schnarcht? Oropax und gut? Man Abends noch Fernsehen möchte, während der Partner schon schlafen will? Das Küche aufräumen verschiebt man auch aus Rücksicht, dass der Partner vom Töpfe klappern im Mittagsschlaf geweckt wird? Obwohl - der hat ja immer noch den Bratengeruch im Bett. Haben wenigstens Kinder einen Rückzugsort in Form eines eigenen Zimmers? Was ist mit Unterschiedlichen Zimmertemperaturen? Aus Energiespargründen soll man ja unterschiedlich temperieren... Im Schlafzimmer kann es für mich nicht kühl genug sein, während ein Bad gerne auch 20° haben darf. Im Konzept ist beides gerade mal durch geflochtene Trennwände (also ein "Hauch von nichts") getrennt. Und der Wasserdampf vom Bad? Ist natürlich ungemein sparsam, feuchte Luft vom Badezimmer hochzuheizen, statt trockene Zimmerluft. Fragen über Fragen - oder bin ich nur zu altmodisch?
mali123 22.01.2019
4. Sollte man nicht erstmal für genügend Wohnraum sorgen`?
Das zumindest habe ich mich zuerst gefragt....
ortilius 22.01.2019
5. Ganz grauenhaft
ist jedoch nur meine Meinung...
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