New York Fashion Week Sieht nicht gut aus für Trump

Kritik an Trump ist schick. Bei der New York Fashion Week - in der Heimatstadt des Präsidenten - nutzten viele Designer ihre Schauen für klare Botschaften.

AFP

Als Christopher und Nicholas Kunz in diesem Jahr die New Yorker Modenschau eröffneten, dürfte das für alle Gäste der Place to be gewesen sein. Denn vor der Gallery 2 am Skylight Clarkson Square flog der Schnee nicht sacht zu Boden, sondern wurde nur so durch die eiskalte Luft gewirbelt. Es war also allen Beteiligten klar, an welcher Stelle im meteorologischen Kalender wir uns befinden. Was den Modekalender angeht, war die Standortbestimmung nicht so leicht.

Das Designer-Duo präsentierte, dem traditionellen Modezyklus folgend, seine Ideen für die noch weit entfernte Herbst-Winter-Saison. Doch viele andere stellten "See now, buy now"-Frühjahrsmode vor. Die Idee ist nicht vollkommen neu, findet aber immer mehr Anhänger, weil Kunden es nicht mehr gewohnt sind, ein halbes Jahr auf die Verfügbarkeit eines Produkts warten zu müssen. Außerdem sollen die Kopiermeister aus der Fast Fashion keine Gelegenheit mehr haben, Entwürfe heute abzuschauen und morgen billig anzubieten, lange bevor das Original auf den Markt kommt.

Die Vielfalt erstreckte sich jedoch nicht nur auf die Farbpalette und Stoffe. Auch bei den Models wird es immer bunter. Waren die Schauen in New York schon immer Vorreiter in ethnischer Diversität, gilt das inzwischen mehr und mehr auch für die anderen Ausprägungen menschlichen Lebens: Dicke, Dünne, Inter- und Transsexuelle, Behinderte, Krebskranke. So viel Vielfalt wie auf New Yorks Modestegen ist selten.

Diese Diversität ist umso schöner, als in diesem Fall mehr dahinter steckt als aufmerksamkeitsmaximierende Eigenwerbung. Etliche der Modenschauen waren explizite Kommentare zur Lage der Nation.

Der indischstämmige Designer Naeem Khan, einer der Favoriten von Michelle Obama, entschied sich für die Poesie, um seiner Mode eine politische Note zu verleihen. Das letzte Teil seiner Kollektion, ein goldbestickter Hochzeitskleidtraum, wurde zu Maya Angelous Gedicht "Human Family" zur Schau getragen. Die 2014 verstorbene US-Bürgerrechtlerin dichtete darin über unterschiedliche Hautfarben. Es endet mit den Worten: "We are more alike, my friends, than we are unalike."

Seitenhieb auf die US-Politik

Ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit lieferte auch Kanye West, der seine fünfte Yeezy-Kollektion für Adidas vorstellte. West, bis vor Kurzem ausgewiesener Bewunderer des Präsidenten, ließ seine Athleisure - hochgeschnittene Jeans, Hoodies, Cargohosen und Kniestiefel - unter anderem von dem muslimischen Model Halima Aden vorführen. Das Kind somalischer Einwanderer lief mit knöchellangem Pelzmantel und Hijab auf. West, quasi der Trump der Modewelt, hielt sich für seine Verhältnisse ansonsten bemerkenswert zurück.

Auch bei Public School gab es was auf die Mütze für den im Washingtoner Exil wütenden Präsidenten. Das Label stattete seine Models mit Kappen aus, auf denen zu lesen war: "Make America New York."

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Fotostrecke: Highlights der New York Fashion Week

Die spätestens von Dior wieder en vogue gemachten Statement-Shirts wurden ebenfalls aus dem Schrank geholt. Prabal Gurung steckte seine Models, normalgroße und übergroße, in Shirts mit den Sprüchen: "The future is female", "Love is the resistance" und "Girls just want to have fundamental rights".

Die Frauenrechte heftete sich auch Diane von Fürstenberg ans Revers. Ihr "Fashion starts with Planned Parenthood"-Anstecker wies die 70-jährige Designveteranin als Abtreibungsbefürworterin aus. "DVF" besuchte mit dem vom Berufsverband amerikanischer Modedesigner verteilten Button das Calvin-Klein-Debüt ihres Kollegen Raf Simons.

Der Hoffnungsträger aus Belgien und seine rechte Hand Pieter Mulier zeigten, dass sie nicht nur verstanden haben, was eine uramerikanische Marke wie Calvin Klein braucht. Simons weiß außerdem, politische Botschaften lassen sich auf Laufstegen transportieren, oder eben durch die Luft: "This is not America" stellten zunächst "Lazarus" und zum Schluss der Schau David Bowie im Original fest:

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Dazwischen zitierte Simons etliche Ikonen der US-Historie in seiner Unisex-Kollektion: Jeans und Hemden im Westernstil, Cowboystiefel, der Motorradkleidung der Highway-Patrol nachempfundene Lederkombis, Calvin-Klein-typische Ein- und Zweireiher, aber auch einen Mantel aus goldenem Kunstpelz unter Plastikfolie.

Neu dabei war Philipp Plein. Der "King of Bling" präsentierte die übliche Mischung aus vulgärer Mode, teurem Marketing, Trash und funktionierender, aber nicht wirklich eleganter PR. Auf der Bühne schmückte sich Plein mit dem ehemals "heißesten Häftling der USA", Jeremy Meeks, davor durften Madonna, TV-Sternchen Kylie Jenner und ihr Rapper-on-off-Freund Tyga sowie Paris Hilton Platz nehmen.



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