Paris Fashion Week Guter Stoff

Valentinos Pierpaolo Piccioli zeigt poetische Mode, Givenchy begeht Modesünden und Thom Browne mischt das Büro auf. Die Highlights der Modenschauen vom Wochenende.

Kreation von Valentino
IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

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Valentino-Designer Pierpaolo Piccioli hat einen Lauf. Seine Schau am Sonntag in Paris wurde erneut mit Standing Ovations beendet. Die Gäste jubelten zum Schluss sogar, als sich die Models unter einem an die Wand geschriebenen Gedicht versammelten. Lyrik ziert auch die aktuelle Mode der römischen Marke, Piccioli ließ Einzeiler über Liebe und Zärtlichkeit auf die Innenseite der Kleidungsstücke drucken. "If there's an answer it's you" steht dann zum Beispiel auf dem Mantelfutter oder der Innenseite von Stiefeln.

Für die nach außen sichtbare Seite der Stoffe holte sich der Designer wieder die Hilfe Jun Takahashis, dessen Illustrationen schon die jüngste Herrenkollektion beleben. Diesmal mischte der Japaner Abbildungen einer Statue zweier Liebender mit solchen von Rosen. Die Motive prangen auf Jacken, Mänteln, Strickpullovern, Seidenblusen und Kleider. Manche Teile wirken dadurch allerdings überladen, gerade wenn Schleifen oder Fransen ebenfalls die Blicke auf sich ziehen. Vor allem die Kragen stechen ins Auge. Sie werden von Seidenschleifen geschlossen oder tragen mit Rüschen, wie sie im späten 19. Jahrhundert Mode waren.

Noch weiter in der Zeit zurück ging Claire Waight-Keller. Ihre neue Ready-to-Wear-Kollektion für Givenchy steht unter dem Motto des biblischen Sündenfalls. Deshalb fand die Modenschau in einem botanischen Garten statt, zur Begrüßung wurden kandierte Äpfel gereicht. Als Anspielung auf Adam und Evas paradiesischen Fehlgriff dient Waight-Keller Schlangenleder, das sie zu Taschen, Schuhen und einem Mantel verarbeitete. In Zeiten, da andere Luxuslabels den Verzicht Pelze und exotische Leder erklären, fast schon eine Freveltat.

Eine Sünde wert sind die Kleider. Sie sind großflächig mit Blumen gemustert, was nicht an den Garten Eden denken lässt, sondern an Japan. Etliche der Dessins würden sich könnte man sich auch gut auf Porzellan machen. Organisch muten die Rüschenkrägen der Plisseekleider an, so fein sind sie gearbeitet. Die Farbpallette reicht von Pfirsich über Limettengrün, Mandel und Blutrot bis zu Blautönen.

Im Kontrast zu den zarten knöchellängen Kleidern mit Volants und Renaissance-Ärmeln stehen die Anzüge und Mäntel die ebenfalls gezeigt wurden. Sie machen aus ihren Trägerinnen breitschultrige Powerfrauen. Passenderweise sah "Wonder Woman"-Darstellerin Gal Gadot aus der ersten Reihe zu.

Thom Browne hatte ebenfalls eine Schauspielerin eingeladen, die bekannt ist für ihre Verkörperung eines taffen Mädchens: Maisie Williams alias Arya Stark aus dem Fantasy-Epos "Game of Thrones". Die Kollektion indes passte ganz und gar nicht zu George R. R. Martins Schlachtensaga um den Eisernen Thron. Die Thom-Browne-Frau nimmt im Herbst Platz auf einem Bürostuhl.

Die ersten 15 Looks waren alle graue Zweiteiler, viele davon getragen unter einem beigen Trench. Dass hier keine gewöhnliche Bürodrohnen-Outfits vorgeführt wurden, zeigte sich einzig an den Details. Übergroße Hosenaufschläge lenken den Blick auf die Schuhe und die abgestuften Manschetten von Mantel, Jacke und Hemd machen eine interessante Streifenoptik. Seine über dem Knie endenden Anzughosen schaute sich Browne offenbar bei Internatsschülern ab.

Am deutlichsten wurde das Spiel mit Geschlechterrollen aber in einem Look, der obenrum aus einem karierten Sakko und Mantel bestand, die Browne zu einem Faltenrock mit feinen weißen Streifen kombinierte. Der Designer hielt aber noch eine weitere Transferleistung für die Zuschauer bereit: Die Doggy Bag bekommt bei ihm eine vollkommen neue Bedeutung - als Handtasche mit der Form eines Dackels.

Später wandelten sich die Anzüge zu Mänteln mit dickem Pelzbesatz an den Säumen. Danach spielte Browne vollends mit der Bürouniform. Was auf den ersten Blick aussah wie mehrteilige Kombinationen aus Hemd, Weste, Kostüm und Mantel waren tatsächlich Kleider, auf deren Stoff die verschiedenen Bekleidungsschichten nur aufgedruckt waren. Das Fertigmachen fürs Büro könnte in Zukunft also sehr viel schneller gehen.

mit Material von AP



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