Garderobe von Trumps Ex-Wahlkampfchef Manafort Generaldirektor Haffenloher

Paul Manafort, Trumps Ex-Wahlkampfchef, ist wegen Finanzvergehen angeklagt - komischerweise nicht wegen Mode-Verbrechen. 1,3 Millionen Dollar verjubelte er für Fummel. Und das Schlimmste: Es waren nicht einmal Federn dran.

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Viele Männer wären gerne Briketts. Das ist die einzige Erklärung dafür, warum es immer noch diese komisch kastigen, taillenfernen, eben brikettförmigen Anzüge gibt, die obenrum so aussehen, als hätte der Träger in der Schulterpartie quer eine Wasserwaage oder etwas sonst wie unflexibel Starres versteckt, das über seine vergleichsweise vegetarischen Schulterchen hinausragt und dem echten, deutlich schmaleren Körper eben jene Spongebob-Schwammkopf-Quadrathaftigkeit überstülpt. Diese rechtwinkligen Kastenwesen sehen dann in den allermeisten Fällen leider nicht markant-mächtig, sondern vor allem leicht stapelbar aus.

Paul Manafort, Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager, wäre nicht nur gerne ein Brikett, er wäre am liebsten ein sehr teures Brikett. Weswegen er in nur vier Jahren über 1,3 Millionen Dollar für komisch geschnittene Klamotten ausgab. Kleines Detail, dass die Angelegenheit noch uneleganter macht: Wahrscheinlich war das Geld genau genommen nicht einmal seines.

Blouson aus Pythonleder für 18.000 Dollar

Gerade muss sich Manafort vor Gericht wegen des Verdachts auf Steuer- und Bankbetrug verantworten, keine unbedingt amüsanten Vergehen. Unterhaltsam waren allerdings die Fotos von einigen seiner Klamottenkäufe, die die Justizbehörde als Beweismittel veröffentlichte: Boxige Nadelstreifenanzüge für 12.000 Dollar, eine Jacke, die aussieht, wie für den Amish-Basar aus einer alten Steppdecke geschneidert für 14.000 Dollar, ein Dreiviertel-Arm-Blouson aus Pythonleder für 18.000 Dollar. Komiker Stephen Colbert fasste es trefflich zusammen: Manaforts Kleiderschrank sehe aus wie der eines "blinden Zuhälters, der hundert Wünsche frei hatte".

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Fotostrecke: Zuhälterträume aus exotischem Leder

Gekauft hatte er seinen Fummel-Fundus aus ausgesuchten Style-Scheußlichkeiten bei nur zwei Herrenausstattern, Alan Couture in Manhattan und House of Bijan in Beverly Hills. Gerade letzter Laden, der sich damit rühmt, das teuerste Modegeschäft der Welt zu sein, scheint eine wahre Fundgrube für Gerngroßgecken. Dem Vernehmen nach kaufte hier auch Produzent Aaron Spelling gerne ein, der dem Fernsehen kitschige Geld-Macht-und-Schulterpolster-Traumgebilde wie "Denver Clan" schenkte, die damals die Vorstellungen der etwas naiveren Fernsehzuschauer prägten, wie reiche Menschen, reiche Männer auszusehen hätten.

Wenn man sich mal von moralischen Einwänden frei macht und den Part mit der Hinterziehung kurz vergisst, kann man Manaforts offensichtlichen Spaß am Prassen durchaus auch irgendwie sympathisch finden. Immer raus mit den Kopeken! Viele Schwerstreiche sind ja bestürzende Langweiler, wenn es darum geht, ihren Zaster so unterhaltsam wieder dem Gesamtkreislauf zuzuführen, dass auch die ärmeren Zuschauer etwas davon haben. Plemplem-Typen wie den exzentrischen Fiat-Erben Lapo Elkann, der sich aus Jux und Dollerei eben mal einen Ferrari in Camouflage-Muster lackieren lässt, auch nicht gerade der Gipfel des guten Geschmacks.

Klub der reichen Bullys

Leider hat Trump uns den Spaß an diesen offensiven Prahlhälsen, den Generaldirektor-Haffenloher-mäßigen Lackaffen, vermutlich für immer verdorben, mit seinen überlangen Krawatten und sonderbar blusig aufgeblähten Brioni-Anzügen ist er ein Paradebeispiel des Aufpumpmode-Opfers, das immer mal wieder Statur und Status verwechselt, von wegen large and in charge. Trump kleide sich immer so, wie sich ein armer Mensch einen reichen Mensch vorstelle, sagte die US-Schriftstellerin Fran Lebowitz 2016, kurz vor der Präsidentschaftswahl. Dass ihm sein oberster Wahlkampfhelfer stilistisch nacheifert, ist auch ein hilfloser Versuch, bitte mitmachen zu dürfen, auch zum reichen Bullyklub zu gehören.

Manaforts An- und Aufzüge haben auch eine rührende Seite, denn sie zeigen seine absolute Hilflosigkeit. Einen Berg ergaunertes Geld, ganz nah am Puls der Macht - und dann einfach doch nur ein ganz, ganz armer Typ mit scheußlichem Geschmack, der nicht den Stil und die Weltläufigkeit hat, sich in Paris oder Mailand beschneidern zu lassen, wenn er denn schon Spaß an teuren Anzügen hat, auf ewig geistig festgepappt in einer längst entsorgten, vergangenen Idee von Luxus.

Eigentlich, schrieb die New York Times, nehme man Manafort ja gar nicht unbedingt seine Finanzbetrügereien übel, auch nicht den Punkt, dass er so viel Geld für Klamotten aus dem Fenster warf. Man spürt eher eine leicht beleidigte Enttäuschung: "Was, so viel Geld für DIESEN Fetzen?" Als habe er nicht nur die Steuerbehörde betrogen, sondern vor allem unser aller Fantasien, wofür wir selbst so viel Geld verprassen würden, fiele es uns aus heiterem Himmel und auf halbwegs legalem Wege in den Schoß.

Wir hätten, wenn wir uns schon für 15.000 Dollar eine Jacke aus einem Vogel Strauß schneidern ließen, zumindest eine mit Federn dran genommen, so viel ist klar. Ein überkandideltes Sowas-von-Drüber, das Björks anziehbaren Schwan von 2001 wie ein extrem alltagstaugliches Allerweltskleidchen hätte wirken lassen. Paul Manafort hatte alle Möglichkeiten, aber er sich nicht bemüht, und schon dafür sollte man ihn verurteilen.



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