Peche Melba 2.0 An und Pfirsich

Diese Peche-Melba-Variante paart Grillpfirsiche mit Himbeer-Basilikum-Sorbet, vanillisierter Pfirsichmousse und Himbeergeist. Umwerfend!

Peter Wagner/ Foodbild

Von Hobbykoch


Seit 126 Jahren gibt es diese beliebte Paarung aus Himbeeren und gehäuteten Pfirsichen, im Original Peche Melba genannt. Peche als das französische Wort für Pfirsich erschließt sich sofort, aber was zum Teufel haben Himbeeren mit Melba zu tun? Und wo liegt dieses ominöse Melba überhaupt? Ist es der Weiler mit drei Häusern in Mississippi? Das nur unwesentlich größere Straßenkaff in der Ödnis Idahos nahe der "Morley Nelson Snake River Birds of Prey National Conservation Area"? Der Vorort von Canberras Belconnen-Bezirk in Australien? Oder gar die Melba-Halbinsel an der Küste des antarktischen Königin-Marie-Landes?

Weit gefehlt, denn Melba liegt mitten im Herzen eines Koches. Genauer gesagt, des vorletzten Jahrhundertkoches: George Auguste Escoffier (1846-1935), der Begründer dessen, wie wir bis heute in vielen feinen Häusern der Welt bekocht werden. Dieser noch immer von vielen Herdschaffenden als "König der Köche" Angebetete verehrte seinerseits die Sängerin Helen Mitchell (1861-1931).

Die wurde unter dem an ihre Wahlheimat Melbourne angelehnten Künstlernamen Nellie Melba zu einer der weltweit gefeiertsten Sopranistinnen.

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Rezept für "Peche Melba 2.0": Dessertklassiker neu aufgelegt

Als Chef im noblen Londoner Hotel Savoy erfand Escoffier damals epochale Gerichte wie Seezungenfilet Coquelin, Homard à l'américaine (Hummer nach Art der Bretagne), Geflügel à la Derby oder Birne Helene. Nachdem er 1892 Melba als Elsa in der Wagner-Oper "Lohengrin" im Royal Opera House erlebt hatte, nutzte er die Chance, sich bei der Diva kulinarisch zu revanchieren.

Der Maître servierte eine gehäutete und gezuckerte Pfirsichhälfte auf Vanilleeis, überzogen mit passierter Himbeercoulis und mit Sahne umkränzt - und nannte es "Peche Melba". Ob er als krosses Topping Mandelsplitter oder gehackte Pistazienkerne drüberstreute, darüber streiten Kulinarikhistoriker bis heute genauso heftig wie über die Frage, ob die Geschichte überhaupt stimmt.

In einer weiteren Variante der Namens-Genese heißt es, die Diva habe der Idee erst nach sechs Jahren Bedenkzeit zugestimmt. Erwiesen ist auf jeden Fall, dass Escoffier seine Pfirsichkreation 1899 im neu eröffneten Londoner Carlton Hotel auf die Karte setzte.

Was macht der Pfirsich auf dem Schwan?

Seitdem hat sich an dem Rezept nichts mehr verändert. Die Anleitung hat auch deshalb überdauert, weil sie so gut wie nicht verbesserungsfähig ist. Wobei es durchaus Spaß machen kann, an den gesetzten Stellschrauben - Pfirsich, Himbeere, Vanille - kreativ zu drehen.

Unser "Peche Melba 2.0" kommt denn auch mit gegrillten Pfirsichscheiben, einem Himbeer-Basilikum-Sorbet, einer mit Vanille parfümierten Pfirsichmousse und einer mit etwas Himbeergeist angeschwipsten Coulis daher.

Nur in Sachen Präsentation können und wollen wir nicht mit dem historischen Vorbild mithalten. Escoffier ließ sich von der Lohengrin-Szene inspirieren, in der der Gralsritter Loherangrin, Sohn des Gralskönigs Parzival, der Herzogin von Brabant als Helfer und Beschützer gesandt wird - stets begleitet von einem weißen Schwan. Der Kochkönig ließ deshalb aus einem Eisblock einen fein ziselierten Schwan schnitzen, setzte sein Dessert mittig zwischen die Flügel und servierte den Vogel seiner angebeteten Diva.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
bosworth 18.08.2018
1. Fotografen dringend gesucht.....
Was ist denn diese gelbe Pampe? Sieht aus wie Schmelzkäse. Kann nicht endlich mal jemand diese Bilder vernünftig ausleuchten? So schwer ist das nun wirklich nicht. Ehrlich, mir vergeht da der Appetit.
specialsymbol 18.08.2018
2. Peche Melba?
Ich werde immer misstrauisch wenn man etablierte Gerichte wie Pfirsich Melba affektiert hinter Xenismen verbergen muß. Meistens lässt das darauf schließen, dass das Beste am Rezept der Name ist.
Nachlassverwalter 18.08.2018
3.
„An und Pfirsich“ ist ein feines Wortspiel. Vielleicht zum ersten Mal hat es vor vielen Jahren der Dichter Robert Gernhardt gemacht in seinem Gedicht „Pfirsichernte“, wenn ich es recht weiß - das nur eben als Fußnote zum Rezept.
larslindemann 18.08.2018
4.
Zitat von bosworthWas ist denn diese gelbe Pampe? Sieht aus wie Schmelzkäse. Kann nicht endlich mal jemand diese Bilder vernünftig ausleuchten? So schwer ist das nun wirklich nicht. Ehrlich, mir vergeht da der Appetit.
Das liegt nicht am Bild, das liegt an der "Mousse". Pfirsiche mit ein bisschen Sahne pürieren und dann kalt abbinden ist hübsch einfach, aber hinter einer richtigen Mousse steckt einiges mehr Arbeit, mehr Können und mehr Wissen. Es ist in meinen Augen auch nicht schlimm, wenn man das nicht beherrscht; Kochen ist nicht umsonst ein Lehrberuf. Aber man sollte das dann auch akzeptieren und einfach ein paar Pfirsiche mit Himbeeren und meinetwegen Schlagsahne servieren. Deshalb verstehe ich den Sinn dieses Rezeptes nicht. Wer wirklich lernen möchte, wie man eine Mousse herstellt, wird hier schlicht auf den Arm genommen. Alle anderen kaufen sich eh die Fertigmische von wiesiealleheissen, fühlen sich hiervon also auch nicht angesprochen. Was soll das?
dasfred 18.08.2018
5. Auf jeden Fall lecker
Ein Rezept, dass mir beim lesen eine gute Geschmacksvorstellung erlaubt. Daher muss ich jetzt dringend den Kühlschrank plündern, da mein Appetit mehr als angeregt wurde. Das mit gegrillten Pfirsichscheiben habe ich bisher gern mit Apfelscheiben gemacht, die dann auch mit Eis oder Cremespeisen serviert wurden.
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