Aus für Berliner Modelabel Perret Schaad hört auf

Perret Schaad steht für feminine Eleganz und ist beliebt bei Kundinnen und Kritikern. Doch nach 17 Kollektionen soll Schluss sein. Die deutsche Modebranche verliert damit eine ihrer besten Marken.

Johanna Perret und Tutia Schaad
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Johanna Perret und Tutia Schaad


Man hätte es ahnen können. Bei der jüngsten Ausgabe der Berliner Fashion Week zeigten Johanna Perret und Tutia Schaad keine neue Kollektion wie üblich, sondern eine Zusammenstellung ihrer liebsten Teile aus den vergangenen Saisons. Nun kommt die Nachricht, dass die beiden Designerinnen hinter der Modemarke Perret Schaad die Arbeit an ihrem Label einstellen. Nach neun Jahren und 17 Saisons soll Schluss sein.

Wie Johanna Perret gegenüber dem SPIEGEL bestätigte, soll es keine weiteren Kollektionen geben. "Zusammen schließen wir Perret Schaad ab und gehen neue Wege in unserer Karriere." Das muss jedoch nicht bedeuten, dass die Modemacherinnen in Zukunft nicht mehr zusammenarbeiten werden. "Wir behalten die Namensrechte", sagte Perret dem SPIEGEL, ohne einen Verkauf auszuschließen.

Sie könnten sich auch durchaus vorstellen, irgendwann wieder gemeinsam kreativ tätig zu sein. Zuerst müsse aber eine Veränderung her. "Wir beide haben ein Bedürfnis nach Entwicklung und haben entschieden, diese zu erleben, ohne unser gemeinsames Werk verändern", sagte Perret dem SPIEGEL.

Wirtschaftlicher Misserfolg ist wohl nicht der Grund für die Einstellung des Unternehmens. Die elegante Damenmode der beiden Berliner Designerinnen war bei Kritikern wie Kundinnen beliebt. Nachdem die ersten Kollektionen auch in Asien und den USA zum Verkauf angeboten worden waren, konzentrierte sich das Berliner Label später auf den heimischen Markt und hatte damit nach eigenen Angaben Erfolg.

"Bis jetzt waren wir selbstständig, brauchten keinen Investor, konnten davon leben und waren glücklich damit", werden Perret und Schaad in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert, die zuerst über das Aus berichtete. Doch für weiteres Wachstum hätte Geld von außen in das Unternehmen fließen müssen. Die Verhandlungen darüber sind wohl gescheitert.

Furchtlos und raffiniert

Tutia Schaad und Johanna Perret lernten sich während ihres Studiums an der Berliner Kunsthochschule Weißensee kennen. Bei einem gemeinsamen Praktikum bei Givenchy in Paris, stellten sie fest, dass nicht nur ihre Ästhetik kompatibel ist, sondern auch die Art zu arbeiten. 2009, ein paar Monate nach ihrer Diplomkollektion und mitten in der Finanzkrise, machten sie sich selbstständig. "Es war gerade gut, dass wir wenig Ahnung hatten. Wir waren relativ furchtlos", sagten sie 2013 dem SPIEGEL.

Nach ihrer Premiere auf der Fashion Week 2010 in Berlin wurden Perret und Schaad schnell als "Töchter Jil Sanders" gelabelt, weil ihre Entwürfe ähnlich schnörkellos waren. Perret Schaad stand für zeitlose feminine Schnitte, die nur auf den ersten Blick schlicht waren. Ungewöhnliche Nähte, versteckte Falten oder tief eingesetzte Ärmel, waren Ausdruck von Kreativität und handwerklicher Finesse.

Ein weiteres Merkmal jedes ihrer Kleidungsstücke waren die Männernamen: Aaron, Jörn oder Edouardo tauften sie ihre in Deutschland gefertigten Produkte, deren Fans sich nun nach Alternativen umschauen müssen. So ist es auch beim klassischen Büro-Outfit, das sie 2013 für SPIEGEL-Leserinnen zum Nachnähen zur Verfügung stellten. Ein geradliniges Shirt namens "Sebastian" und den schmalen Rock "Uwe". Das Büro-Rock-Schnittmuster gibt es hier zum Download.

löw

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