Neuer Bildband von Peter Lindbergh Echt schön

Wenig Make-up, viele Nahaufnahmen: Für seinen dritten Pirelli-Kalender fotografierte Peter Lindbergh Hollywoodstars auf eine Art, die intimer wirkt als Nacktaufnahmen. Die besten Bilder.

Courtesy Peter Lindbergh/ Taschen

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Peter Lindbergh ist der einzige Fotograf, der den berühmten Pirelli-Kalender dreimal gestalten durfte. Für sein drittes Engagement änderte der deutsche Fotograf so ziemlich alles am Grundkonzept des begehrten Werbegeschenks: Statt zwölf schönen Frauen fotografierte er vierzehn: sehr wenig Make-up, noch weniger nackte Haut, viele Nahaufnahmen. Insgesamt 37.000 Bilder machte Lindbergh für die "The Cal"-Ausgabe 2017, um die Natürlichkeit seiner Models zu zeigen - inklusive Poren, Falten und Sommersprossen. Ein Teil der unveröffentlichten Aufnahmen erscheint nun in einem neuen Bildband.

Lindbergh kann mit dem klinischen Plastiklook moderner Mode- und Beautyfotografie wenig anfangen. Der Wahn nach Jugend und Perfektion ist ihm schon lange ein Graus. Eine zur Vermarktung erzeugte Illusion, die nur dank des Zaubers moderner Bildbearbeitungsprogramme aufrecht erhalten werden kann. "So gesehen finde ich das Schönheitsideal von heute skandalös", sagte Lindbergh 2016 im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Auch mit den Arbeiten in diesem Buch will Lindbergh Schönheitsnormen neu definieren, keines der Bilder wurde digital manipuliert. "Jeder Fotograf sollte heutzutage seine Kreativität und seinen Einfluss dazu nutzen, uns von der Besessenheit von Jugend und Perfektion zu befreien", schreibt Lindbergh in "Shadows on the Wall".

Fotostrecke

11  Bilder
Poren, Falten, Sommersprossen: Weg mit dem "Terror von Perfektion und Jugend"

Klar hat Lindbergh im Laufe seiner Karriere sehr viel Geld damit verdient, Menschen perfekt aussehen zu lassen, was wiederum diese Menschen sehr reich machte. Das brachte ihm das Label "Entdecker der Supermodels" ein. Doch Lindbergh setzte von Anfang an mehr auf Realismus, Persönlichkeit und Ausdrucksstärke seiner Fotomodelle als die meisten anderen Modefotografen.

Es gab Modestrecken von ihm, in denen wenig bis gar keine Mode zu sehen war. Das war nicht immer im Sinne seiner Auftraggeber - eine seiner heute bekanntesten Strecken landete bei der US-"Vogue" sogar zuerst in der Schublade - führte aber schließlich zu einem neuen Stil in der Fashionfotografie. Lindberghs Ästhetik prägte die Hochglanzfotografie der Neunziger. Die Bilder in "Shadows on the Wall" beweisen, der 73-Jährige hat noch immer ein gutes Auge für Schönheit.

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Peter Lindbergh:
Peter Lindbergh. Shadows on the Wall

Taschen, 292 Seiten; 79,99 Euro

Mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern stellt er die Persönlichkeiten der Frauen heraus, mit denen ihn eine jahrelange, enge Beziehung verbindet. Einige seiner Models lichtete er etwa in eine Decke gehüllt ab, Julianne Moore sitzt angezogen auf einem kleinen Hocker, Robin Wright auf einer Tischkante. Selbst Nicole Kidman, der vom Boulevard eine Sucht nach dem Faltenglätter Botox nachgesagt wird, zeigte Lindbergh ihre Fältchen. Das ist zwar immer noch inszeniert, aber näher an der Wahrheit als viele andere Bilder aus der Traumfabrik.



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