Olympia-Pavillon in Pyeongchang Das Fenster zum All

Nur 0,036 Prozent des Lichts reflektiert Vantablack. Ein britischer Architekt hat nun mit dem Ultraschwarz ein Bauwerk gestaltet. Das ist zwar fast unsichtbar, sieht aber trotzdem galaktisch aus.

Asif Khan/ Luke Hayes

Die konkave Fassade des zehn Meter hohen Gebäudes ist mit dem schwärzesten Schwarz der Welt besprüht: Vantablack VBx2, eine Weiterentwicklung des originalen Vantablacks. Die tiefschwarzen Pigmente der Farbe absorbieren 99,9 Prozent des einfallenden Lichts. Die Wände reflektieren so wenig Licht, dass menschliche Augen sich schwer tun, die genaue Form zu erfassen. Das verringert den dreidimensionalen Eindruck des Körpers und erzeugt die Illusion eines schwarzen Lochs.

"Aus der Ferne erscheint das Gebäude wie ein Fenster ins All", sagt der Architekt Asif Khan. Aus der Nähe verstärke sich dieser Eindruck noch, weil die Fläche dann das gesamte Sichtfeld abdecke. Lichtstäbe mit leuchtenden LEDs an den Enden machen das außerirdische Aussehen perfekt. Khan montierte sie an die Wände seines Schwarzbaus. Da die Stäbe unterschiedlich lang sind, sehen sie aus wie Sterne im Weltraum.

Doch so dunkel das Äußere, umso heller wird es im Inneren. Der Innenraum ist in Kontrast zur dunklen Hülle komplett in weißem Acrylstein gestaltet. Durch einen langen Korridor können Besucher das Gebäude betreten. Das sei, wie von einer schwarzen Wolke geschluckt zu werden, sagt Khan.

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In der 1225 Quadratmeter großen Halle ist der "Wasserraum" - eine Installation, über die pro Minute 25.000 Wassertropfen fließen. Durch Rillen im Boden werden sie in ein Bassin geleitet. Laufen Besucher über Sensoren im Boden, leiten sie das Wasser um: die Tropfen ändern ihre Richtung, stoßen zusammen oder teilen sich. Das beeinflusst dann den Rhythmus, in dem sie auf die Wasseroberfläche treffen - und kreiert immer neue Muster.

Es ist nicht das erste Mal, dass der britische Architekt mit dem Vantablack arbeitet. Kurz nachdem Surrey NanoSystems seine Erfindung 2014 öffentlich gemacht hatte, nahm Khan Kontakt zum Hersteller auf. 2015 gestaltete er mit dem Ultraschwarz den britischen Pavillon für die Weltausstellung in Mailand. Wäre Khan Künstler, hätte er sein Projekt allerdings nicht umsetzen können. Der indische Bildhauer Anish Kapoor ist der einzige Kunstschaffende, der die Farbe verwenden darf. 2016 kaufte er für viel Geld die exklusiven Nutzungsrechte, was eine Kontroverse in der Kunstszene auslöste.

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Schwarze Häuser: Schön dunkel

Seit Kahns erster Zusammenarbeit mit Surrey NanoSystems wurde die Farbe weiterentwickelt, um sie sprühbar und damit geeigneter für die großflächige Verwendung zu machen. Die Farbe an die Wand zu bringen, war trotzdem gar nicht so einfach. Von den Bergen in Pyeongchang weht ein kräftiger Wind, die Temperaturen lagen beim Bau tief im Minusbereich. Letztlich schirmten Khan und sein Team ihren Arbeitsplatz mit einem Zelt ab.

Auch der enge Zeitplan sei eine Herausforderung gewesen, bis zu Eröffnung der 23. Olympischen Winterspiele musste der vom südkoreanischen Autobauer Hyundai zu PR-Zwecken in Auftrag gegebene Pavillon fertig sein. Das ist gelungen. Zum Start der Winterspiele am 9. Februar öffnet der Schwarzbau seine Tür. Dann können Besucher sich selbst ein Bild machen - sofern sie das Gebäude nicht übersehen.



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