Rezept für Erdbeersalat Garnelen rot-weiß

Jeder Bundesbürger verspeist pro Jahr im Schnitt drei Kilo Erdbeeren, meist mit Eis oder im Quarkschälchen. Gute Gelegenheit, an ihre großartige Vielseitigkeit zu erinnern - mit einem Erdbeersalat zu Avocado und Scampi.

Peter Wagner

Streng botanisch gesehen ist sie gar keine Beere, sondern eine Sammelnuss, weil sie sich aus mehreren Samen zusammensetzt: den kleinen Kernen außen auf der Oberfläche, die von wirklich guten Köchen bei vielen Zubereitungen durch ein Feinsieb aus der Speise passiert werden. Das dicke Rote, das wir gemeinhin für das Fruchtfleisch der Erdbeere halten, ist in Wirklichkeit die fleischig verdickte Blütenachse der Sammelfrucht.

Doch vielleicht macht genau das die Erdbeere so flexibel. Vor allem die großfruchtigen Gartenerdbeeren - von Haus aus nie so süß wie ihre kleinen wilden Urahnen aus dem Wald - sind wahre Verwandlungskünstler. Möglicherweise liegt es an ihrer direkten genetischen Vergangenheit als Kreuzung der kleinen kanadischen Scharlach-Erdbeere (Fragaria virginiana) und der großen südamerikanischen Chile-Erdbeere (Fragaria chiloensis), dass sie zu einem beliebten und wegen ihres leuchtenden Rot auch optisch hervorragend geeigneten Begleiter von Salaten werden konnte. Ihr volles Potenzial entfaltet sie, wenn sie starke Geschmacksnoten wie bitteren Radicchio, scharfen Rucola oder rassigen Ziegenkäse konterkarieren darf.

Farblich spannend ist ihr Einsatz auch als Komponente in Cremesuppen, wo sie - mit neutralem Öl und viel Pfeffer zur Paste gemixt - schöne Kontraste setzen kann zu Weiß (Kartoffeln, Meerrettich), Gelb (Kürbis, Mais) und natürlich Grün (Brokkoli, Lauch, Avocado oder pürierte Kopfsalatsuppe). Zusammen mit roten Paprika, Chilischoten und geschälten Gurken püriert und eiskalt serviert, macht sie als Hauptdarsteller einer besonders fruchtigen und an heißen Tagen ungemein erfrischenden Gazpacho eine super Figur.

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Klassische Methode, neue Produkte: Glasnudeln und Garnelen mit Erdbeeren

Dummerweise wird sie aber mit steigender Umgebungstemperatur auch immer zickiger. Erdbeeren gehören zu den sogenannten nichtklimakterischen Früchten: einmal geerntet, reifen sie nicht mehr nach. Daher empfiehlt es sich, die Früchte vor dem Kauf auf Druckstellen zu untersuchen. Danach sofort aufessen oder verarbeiten, da sie sich im Kühlschrank maximal drei Tage aufheben lassen. Doch auch im etwas weicheren (aber nicht fauligen) Zustand taugen sie noch für die eine oder andere Überraschung wie zum Beispiel eine herzhaften Mousse - abgeschmeckt mit eingelegtem grünem Pfeffer.

Frivoler Tinder-Star Erdbeere: sie passt zu jedem

Eine überraschende Kombination sind Erdbeeren mit Nussöl und sehr frisch gehackten Dillspitzen. Das Kraut darf aber nicht zu lange stehen, weil sich rasch die typischen Gurkenaldehyde durchsetzen, wegen derer ja kaum ein Gurkensalat ohne Dill vorstellbar ist. In den ersten fünf Minuten nach dem Hacken aber überwiegen noch ätherische Aromen wie das minzige Phellandren oder das saure P-Cymol - so wie Minze und Zitrone ebenfalls perfekt zur Erdbeere passen.

Wir drehen das Rad aber noch ein paar Umdrehungen weiter in Richtung herzhaftes Essen und verwenden die Beere heute für "Glasnudelgarnelen mit Erdbeersalat und Avocado". Beste asiatisch-mediterrane Crossover-Küche, wie sie in Kalifornien noch immer hoch beliebt ist.

Der Clou: Die störrisch-harten Glasnudeln werden im Blitzhacker zerkleinert und dienen als Panko-Ersatz für die Panierung der Garnelen. Im Frittiertopf poppen diese Glasnudelsplitter dann binnen Sekunden zu munteren kleinen Krusties auf, die vergleichsweise wenig Öl einsaugen. Zusätzlich werden sie mit dem Profitrick noch weiter entfettet: Im Backofen saugen bei 100 °C mehrere Lagen Krepp große Mengen von dem Öl auf, das bei der üblichen harten Abkühlungsphase nach dem Frittieren in die dabei aufgerissenen winzigen Kohlenhydrat-Krater der Nudeloberfläche strömen würde.



insgesamt 7 Beiträge
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hegri 10.06.2017
1. Man sollte diese Rezepte
nicht vorab als neumodischen Kram abtun. Die Variante mit Dill und Nussöl hört sich wirklich interessant an. Werde ich ausprobieren. Ausgerechnet in Detroit habe ich erstmals in den 90ern eine nach meinem damaligen Verständnis ungewöhnliche Salatvariation von Erdbeeren, Spinat, gehackten Nüssen, Nussöl und leichtem Balsamico genossen. Und das meine ich nicht ironisch. Ich bin für so etwas durchaus zu haben. - Aber tief in mir steckt die alte, immergültige Vorstellung aus Kindertagen: Erdbeeren halbieren und - ja - gut zuckern, damit sie schön saften. Zusammen mit Quark oder Vanillepudding ergeben sie die klassische, überragende Kombination, die mich immer wieder erfahren lässt (gerne sommertags auf der Terrasse), wofür Erdbeeren eigentlich gemacht sind!!! Es ist so, ich kann nichts dafür.
palef 10.06.2017
2. ...stimmt...und auch nicht, liebe(r) hegri...
...Nachbarin geht einkaufen, ab in ihren Garten, die Druckstellenprüfung direkt vor Ort und rein in dem Mund....köstlicher geht's nicht, so mit schlechtem Gewissen und ungezuckert.....
Miere 12.06.2017
3. Erdbeeren passen einfach nicht zu Guacamole.
Auch wenn Sie die pürierte weiche Avocado mit Knoblauch und Tabasco nicht "Guacamole" nennen mögen. Die Garnelen mögen so für sich lecker sein, das weiß ich nicht (bezweifle es eher), wären mir aber viel zu viel Aufwand. Dass sie zu Erdbeeren passen kann ich mir nicht vorstellen. Auch Dill und Minze passen für meinen Geschmack überhaupt nicht zu Erdbeeren, egal nach wie vielen oder wenigen Minuten. Allenfalls diese aromafreien Vorsaison-Erdbeeren, die absolut gar kein Erdbeeraroma haben und so fest sind wie Äpfel, kann ich mir mit Dill vorstellen. Nein, es gibt Gründe, warum man Erdbeeren mit Sahne oder Quark serviert und nicht mit Fisch und Knoblauch. Pfui Deibel.
schlaueralsschlau 12.06.2017
4. @ hegri
Ich bin auch für Ihren Vorschlag: Erdbeerenessen wie es sich gehört! Dazu dann bitte nicht der für Wagner obligatorischen Wein und sein Meersalz.
kroganer 12.06.2017
5. Alles möglich
Ich finde ausprobieren und probieren, bis man gefunden hat was schmeckt! Ich mach ein Rote Beete Carpaccio mit gebratenen Spargel und Erdbeerkernöl dazu gibt es dann ein paar Erdbeer Stücke als Garnitur und eine leichte Rauchcreme Salz, Pfeffer aus der Mühle lecker! Wie gesagt alles ist möglich!
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