Rezept für Kicherklopse mit Kokos-Püree Die haben gut lachen

Den jüngsten vegetarischen Kochbüchern fehlt öfter mal der Sinn. Wir haben das beste und das schlechteste angesehen. Und am Ende richtig lecker fleischlos und super sättigend gekocht.

Von Hobbykoch

Peter Wagner

Es ist immer zielführend, wenn einer von der Sache, über die er schreibt, richtig viel versteht. Rolf Hiltl zum Beispiel führt in Zürich das nachweislich älteste vegetarische Restaurant der Welt (seit 1898), das 2013 die "Erste vegetarische Metzgerei" eröffnete. Die witzige Parallele zur Welt des Blutes und des Fleisches dreht Hiltl nun noch ein bisschen weiter, indem er nun in einem der geilsten Veggie-Kochbücher der vergangenen Jahre zeigt, wie er und seine Köche dort Gemüse, Tofu, Seitan oder Tempeh "schlachten".

"Meat The Green"* kopiert in der gesamten Anmutung und Ästhetik die momentan hippen Fleischfachbücher, doch statt Schwein und Rind zu zerlegen, rücken finster dreinblickende Schlachtgesellen in fies gekachelten Räumen hier mit bösen Messern und Beilchen Melonen und Möhren zu Leibe. Bis das Rote-Bete-"Blut" auf die Plastikschlachterschürze spritzt. Gleichzeitig vermittelt das Buch großartige Veggie-Kochtricks - die meisten (natürlich fleischfreien) Rezepte zwischen "Tofu Tikka Masala", "Boeuf Bourguignon", "Cordon Bleu", "Züri Geschnetzeltes" oder "Köttbullar" sollte jeder Alleskocher drauf haben, der aktuell mitreden will.

Wer gern öfter mal Fisch und Fleisch weglässt, hin und wieder trotzdem gern Hering oder Steak isst, hat dagegen vielleicht auf ein Buchkonzept wie "Heute veggie, morgen Fleisch: Klassische und neue Rezepte für Teilzeit-Vegetarier"* gewartet. Das wäre Must-have für jeden Flexitarier. Die müssen leider trotzdem noch warten, bis ihr Problem zwischen zwei Buchdeckeln gelöst wird.

Offenbar war die Idee, dieses Thema von einem erprobten Veggie-Koch wie Martin Kintrup schreiben zu lassen, eher suboptimal. Denn die überwiegende Mehrzahl der 60 vegetarischen Rezepte dieses Buches, die durch Allesfresser-Ergänzungen auf 120 Anleitungen aufgeblasen werden, funktionieren zwar im fleischfreien Bereich mittel bis sehr gut. Sobald Kintrup aber Fleisch oder Fisch beigibt, endet es meist mit seltsamen bis affigen Kombinationen.

Das ist schade, denn viele sich gemischt ernährende Lebensgemeinschaften hätten sich über ein Buch gefreut, mit dem alle ihren Spaß haben können. So ist es bei den Salatrezepten im vorderen Drittel reichlich egal, ob für die Flexis noch ein Lammsteak zum Griechensalat gebraten wird.

Wie zum Teufel soll man das essen?

Noch schlimmer sieht es bei den Currys und den Nudelrezepten aus. Authentische indische Eintöpfe und italienische Pastaspezialitäten schmecken jedermann auch ohne Fleisch so gut, dass man sie mit albernen Alternativbeigaben nur verschlimmbessern kann: Womit soll man zum Beispiel ölglitschige lange Gemüsesaucen-Linguine mit gebratenen Schweinemedaillons essen? Mit Gabel, Löffel und Messer - oder schneidet der Koch die Fleischscheiben wie für Omi auf dem Teller klein?

Nein, da kochen wir lieber entweder ein beherztes Fleischgericht oder gleich vegetarisch/vegan mit Ambition: Unser Rezept für "Kicherklopse mit Kokos-Püree" erinnert je nach Ausformung der Bratlinge sowohl an Falafel als auch an arabisch gewürzte Hackfleischbuletten. Es ist komplett vegetarisch; allerdings lassen die Klopse durch ihre kräftig-herzhafte Würzung und den trickreichen Einsatz eines Mixers bei der Vorbereitung vergleichbare fleischfreie Fertigware hinter sich.

Die Grundidee für die Beilage, mithilfe von Kokosmark und Mungbohnen ein echtes Low-Carb-Püree herzustellen, stammt von dem in London arbeitenden "Nopi"-Küchenchef Ramael Scully aus Malaysia, dessen Werk "Nopi - das Kochbuch" wir an dieser Stelle bereits wärmstens empfohlen haben. Der Kokosbrei ist nicht nur schmackhaft und frei von industriell bearbeiteten Kohlenhydraten - er sättigt auch nach einem halben Teller.


*Buchhinweise

Rolf Hiltl: "Meat The Green"; AT-Verlag; 160 Seiten; 49 Euro; ISBN 978-3038008965

Martin Kintrup: "Heute veggie, morgen Fleisch: Klassische und neue Rezepte für Teilzeit-Vegetarier"; Gräfe und Unzer; 144 Seiten; 16,99 Euro; ISBN: 978-3833854415



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
tempus fugit 20.02.2016
1. Ich habe alles, ....
....ausser den violetten Karotten - und daher wird's erneut nichts mit dem tollen Menü und abgefetteter Kokosmilch. Na ja, dafür heute abend mehlig kochende Kartoffen vom Aldi, Vollfettquark von Lidl, Schnittlauch u/o geriebener Meerrettich - und ein Weissbier - von wem wohl? Genau - von Aldi, nur die Brauerei verrat' ich nicht! Huch - ganz vergessen: ganz vegetarisch - zufällig und weil's schmeckt!
skeptikerin007 20.02.2016
2. Danke,nein
Mag sein,dass ihr Gericht gut schmeckt. Dafür brauen sie ohne nachzudenken hauptproduktr aus Dritteweltländer und hergekarrt selbstverständlich mit Flugzeug. Warum bringen sie nicht Gerichte mit Gemüse aus Deutschland oder Österreich? Hätte gerne gesehen oder besser gesagt, nachgekocht. Aber nicht Vegiburger, Vegiwurst und andere auf Fleisch getrimmte Lebensmittel.
agua 20.02.2016
3.
Ich werde keine lila Möhren bekommen, das Rezept aber ausprobieren.Zwei Beiträge, die das Rezept kritisieren, davon einer, weil es vegetarisch ist.Ist es ein Rezept mit Fleisch, wird kritisiert, dass es nicht vegetarisch ist...:)
tempus fugit 20.02.2016
4. Ob ...
Zitat von aguaIch werde keine lila Möhren bekommen, das Rezept aber ausprobieren.Zwei Beiträge, die das Rezept kritisieren, davon einer, weil es vegetarisch ist.Ist es ein Rezept mit Fleisch, wird kritisiert, dass es nicht vegetarisch ist...:)
...fleischlich oder vegetarisch oder gar veganisch - wenn was gut schmeckt, dann ist mir das total - wurscht-?egal! Nur eines kann ich nicht ab: Übertüttelkram wie 'entfettete Kokosmilch' aber vorneweg Butterfett und eine Liste von 'Zutaten' wo man sich dann fragt, wonach dass dann schmecken soll... Darum ging's mir - grosses Getüttel - für meinen Geschmack! Und über Geschmack lässt es sich trefflich diskutieren? Ä Guade...
tempus fugit 20.02.2016
5. Noch was, hab' mal gezählt:....
Zitat von tempus fugit....ausser den violetten Karotten - und daher wird's erneut nichts mit dem tollen Menü und abgefetteter Kokosmilch. Na ja, dafür heute abend mehlig kochende Kartoffen vom Aldi, Vollfettquark von Lidl, Schnittlauch u/o geriebener Meerrettich - und ein Weissbier - von wem wohl? Genau - von Aldi, nur die Brauerei verrat' ich nicht! Huch - ganz vergessen: ganz vegetarisch - zufällig und weil's schmeckt!
...für so ein Gericht - irgendwo um die 40 (vierzig!) Zutaten?
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