Kürbis-Orangensuppe mit Dilldatteln Brüh im Glanze dieses Glückes

In New York feierten die Suppe jüngst ein furioses Comeback. Jetzt schwappt der Trend zu uns. Deshalb ein Experiment in der Schüssel: Kürbis-Orangensuppe mit Dilldatteln.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Dieser Food-Trend hat den Sommer überlebt: "Bone Broth", die Suppe aus Mark ("Broth"), Suppenfleisch mit Knochen oder Hühnerkarkassen, ist seit Juli vergangenen Jahres der In-Snack in New York.

Im East Village sah man auch im Winter Schlangen vor neuen Suppenküchen wie dem "Brodo", wo der Brühen-Star Marco Canora Suppen aus Knochen vom Rind, Truthahn oder Huhn mit Ingwersaft oder Chili anschärft und in Pappbecher füllt. Kostenpunkt: fünf bis neun Dollar. Der Trend ist längst bei den Imbissen und Foodtrucks von London bis Berlin angekommen.

Entsprechend viele Buchtitel aus den USA, England oder Australien schwirren derzeit durch die Lizenzabteilungen deutscher Verlage. Bald wird es Brühenbücher wie etwa "The Bone Broth Secret: A Culinary Adventure in Health, Beauty, and Longevity" auch in deutscher Übersetzung geben.

Selbstanbauer und Selberkocher

Wer es nicht erwarten kann oder nach neuen Verwendungen für die auf Vorrat selbstgekochte und eingefrorene Knochenbrühe sucht, findet in "Suppe satt!"* von Karen Meyer-Rebentisch und Michaela Baurs "Heißgeliebte Suppen: 100 x Löffelglück mit alten und neuen Gemüsesorten"* brauchbare Überbrückungsrezepte.

Beide Bücher sind sinnvollerweise jahreszeitlich aufgeteilt, wobei "Satt" ein bisschen mehr auf die typische Klientel der Selbstanbauer eingeht. Das Buch macht seinem Titel alle Ehre: Selten sah man in den Suppentellern so viele sättigende Eintopfzutaten auf einen Haufen.

Näher am Selberkocher, der seine Zutaten auf dem Wochenmarkt und im Bioladen einkauft, ist "Heißgeliebt". Dessen Suppen können auch als Gazpacho im Sommer kalt serviert werden. Die wurden erfreulicherweise mit internationalen Zutaten wie Queller, Muscheln und Ingwer sowie heimischen Gewächsen wie Hollerblüten und Birnen aufgeporscht.

Zunächst harzig, dann süß

Den Wechsel der Jahreszeiten markiert auch unser heutiges Rezept für "Kürbis-Orangen-Suppe mit Dilldatteln". Kurz bevor die auch jetzt noch Wochen haltbaren Hokkaido-Kürbisse der 2015er Ernte aus den Gemüseabteilungen der Supermärkte verschwunden sind, kochen wir aus dieser wohlschmeckenden Zutat eine cremige Suppe, die wir vor dem Servieren mit ein paar gerösteten Kernen und Kernölspritzern vom Kürbis dekorieren.

Der erste Clou an dieser Suppe: die Zugabe von Orangen aus der spanischer Ernte. Und der zweite, deutlich gewagtere: Dilldatteln. Das passt viel besser zusammen, als man auf den ersten Blick denkt. Neben den minzigen und grasigen Aromastoffen ist der Geschmack der frischen Dillspitzen geprägt von dem Stoff Myrcen, der zunächst harzig wirkt, dann aber süß schmeckt; weswegen Dill auch ein interessanter Partner zu Erdbeeren oder Wassermelonen sein kann.


*Buchhinweise
Karen Meyer-Rebentisch: "Suppe satt!"
Seelenwärmer für jede Jahreszeiten. blv; 144 Seiten; 9,99 Euro; ISBN: 978-3835414693
Michaela Baur: "Heißgeliebte Suppen". 100 x Löffelglück mit alten und neuen Gemüsesorten; ZS-Verlag; 144 Seiten; 15,99 Euro; ISBN: 978-3898835039



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
InesH 12.03.2016
1. Nanu? Alle nach dem Motto: Meine Suppe ess ich nicht?
Also das hat Herr Wagner nun wirklich nicht verdient, zumal das sehr lecker klingt. Als Dessert, aber warum nicht auch mal ein warmes Dessert, muss ja nicht immer Eis sein. Ich werd es auf jeden Fall mal ausprobieren. Wieso in NY jetzt Dinge *vergoldet* verkauft werden, welche unsere Mütter und Omas früher standardmäßig und nebenbei hergestellt haben und was als Basis für jeden ordentlichen Eintopf, jede Bouillon und jede Sauce gilt - nun ja. New York halt, Betonung auf New :) Guten Hunger, und Danke Herr Wagner.
Miere 14.03.2016
2. Nicht ernsthaft, oder?
Sie reden vom Comeback der Suppe. Seit Jahrtausenden kochen die Leute Erbsen-, Graupen-, Linsen-, Bohnen- oder sonstige Gemüsesuppen bzw Getreidebreie und hängen falls vorhanden einen Suppenknochen rein. Und Sie kommen mit einem überkandidelten Dattel-Orangen-Rezept? Nicht ernsthaft, oder?
kuac 14.03.2016
3.
Zitat von MiereSie reden vom Comeback der Suppe. Seit Jahrtausenden kochen die Leute Erbsen-, Graupen-, Linsen-, Bohnen- oder sonstige Gemüsesuppen bzw Getreidebreie und hängen falls vorhanden einen Suppenknochen rein. Und Sie kommen mit einem überkandidelten Dattel-Orangen-Rezept? Nicht ernsthaft, oder?
Wer viel Geld hat, der isst doch nicht eine von Ihnen genannten Suppen. Eher eine Schickimicki-Suppe wie hier vorgestellt. Allerdings wie InesH schon bemerkt hat, klingt eher wie ein Nachtisch.
jamguy 16.03.2016
4.
Zitat von InesHAlso das hat Herr Wagner nun wirklich nicht verdient, zumal das sehr lecker klingt. Als Dessert, aber warum nicht auch mal ein warmes Dessert, muss ja nicht immer Eis sein. Ich werd es auf jeden Fall mal ausprobieren. Wieso in NY jetzt Dinge *vergoldet* verkauft werden, welche unsere Mütter und Omas früher standardmäßig und nebenbei hergestellt haben und was als Basis für jeden ordentlichen Eintopf, jede Bouillon und jede Sauce gilt - nun ja. New York halt, Betonung auf New :) Guten Hunger, und Danke Herr Wagner.
Ich geb Dir den Typ hau noch Pfannkuchen als Flädle rein? Lass mich wissen wie es schmeckt!
InesH 21.03.2016
5.
Zitat von jamguyIch geb Dir den Typ hau noch Pfannkuchen als Flädle rein? Lass mich wissen wie es schmeckt!
Hat geschmeckt. Auch ohne Flädle. Statt des Dills habe ich Fenchelgrün genommen (Dill ist hier eher selten und Fenchel wächst wild wie Unkraut) und statt des Hokkaido Muskat-Kürbis. Ist ja Saisonausklang, und den Muskat gibt es in Stücken. Apropos Stücke - einen kleinen Teil des Kürbis hab ich nur gewürfelt und in Stücken in der fertigen Suppe garziehen lassen. Durch den Fenchel haben die Datteln irgendwie an Lakritz erinnert - interessant. Kommt nächsten Herbst wieder auf den Tisch. LG InesH
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.