Rezept für Mispel-Quinoa Orientalische Vitaminbombe

"Superfoods" sind in aller Munde. Deren Allheilkräfte sind zwar wissenschaftlich keinesfalls erwiesen, aber sie schmecken gut - vor allem im Doppelpack. Deshalb haben wir zwei kombiniert: Mispeln und Quinoa.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Wissenschaftlich wasserdicht bewiesen ist von keinem der angeblich allheilenden, oder zumindest seligmachenden Nahrungs-Superstars wie Chia, Goji, Moringa, Açai, Dinkelgras oder Camu-Camu, dass sie wirklich gesünder sind als, sagen wir mal, Sauerkraut. Andererseits: wenn's schmeckt und satt macht, warum nicht? In diesem leichten Hauptgericht spielen gleich zwei "Superfoods" die Hauptrolle: Quinoa und die hierzulande leider ziemlich in Vergessenheit geratene Mispelfrucht.

Die Steinfrucht gehört zur Familie der Rosengewächse und wächst auf bis zu fünf Meter hohen Bäumen, die - anders als der botanische Name Mespilus germanica vermuten lässt - im Kaukasus und im nördlichen Iran heimisch sind. Dort stehen Mispeln seit gut 3000 Jahren auf dem Speiseplan.

Die südamerikanische Chenopodium quinoa, 2013 zur "Pflanze des Jahres" gekürt, macht seit noch längerer Zeit satt. Quinoa ernährt seit gut 6000 Jahren die Menschen in den Andenregionen und wurde als "Anden-Gold" und unverfälschtes "Naturgetreide" in letzter Zeit dermaßen hochgejazzt, dass es sich inzwischen lohnt, beim Einkauf auf ökologischen Anbau zu achten.

Die leicht giftig wirkenden Bitterstoffe (Saponine) sind zwar auch bei Bio-Quinoa unvermeidlich, aber um die von Bauern zur Ertragsmaximierung versprühte Pflanzenchemie kommt man so herum. Die Saponine lassen sich mit einem Sieb und reichlich fließendem Wasser vor dem Kochen abwaschen, die Pestizide teilweise nicht.

Den Rest erledigt die Pfanne, in der die Körner vor dem Kochen kurz in etwas Olivenöl angeröstet werden. Dabei entsteht ein kernig-nussiger Geschmack, der perfekt zu den Mandeln und dem aprikosenartigen Geschmack der Mispeln passt.

Angriff der Vitaminbomber

Im Mittelalter gehörten Mispeln fast überall in Europa zu den wichtigsten frei wachsenden Obstsorten und Vitaminlieferanten: Sie haben viel Vitamin C und lassen sich wegen des hohen Pektingehaltes auch mit vergleichsweise wenig Zucker zu Marmeladen, Gelees und Relish einkochen. Vor allem als süß-saure Chutneys sind sie die idealen Begleiter zu hellem Fleisch wie Geflügel oder Kaninchen.

Weil es so lange dauert, bis aus einer im frühen Winter geernteten Mispel eine essbare Frucht geworden ist, finden sich in unseren Breiten nur noch wenige Mispel-Bäume. Doch vor allem bei türkischen und griechischen Gemüsehändlern gibt es momentan herrlich vollreife Früchte - in der Regel japanische Wollmispeln. Der Name stammt von der leicht haarigen Oberseite, in der sich Schädlinge verfangen - weshalb diese Sorte auch nie mit Insektiziden besprüht werden muss und immer "bio" ist.

Bei den in nördlicheren Gefilden gepflückten Mispeln führt die lange Nachreifungszeit über den Winter zu einer verholzten Schale, die entfernt werden muss. Die Levante-Früchte dagegen reifen länger an den Bäumen, hier kann die gründlich gewaschene Schale mitgegessen werden.

Allen Mispelsorten gemein ist, dass sie sich auch trocknen und wegen des dann sehr hohen Stärkeanteiles zu einem aromatischen, garantiert glutenfreien Mehl verarbeiten lassen.

Wer keine warmen Früchte mag, lässt alle Zutaten abkühlen und mischt die Quinoa-Mispel-Mandel-Mischung mit etwas Zitronensaft, Olivenöl, gehackter Minze und ein paar Kirschtomatenvierteln zu einem köstlichen Hauptgericht-Salat. Dazu passen ein paar Streifen kross gebratene Hühnerbrust.



insgesamt 13 Beiträge
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JoMi 29.04.2017
1. interessant..
Aber wo gibt's frische mispeln?
Jages-Klotzscher 29.04.2017
2. Wenn ich gute Vitamine will, schlucke ich Pillen.
Ohne sie kurz in etwas Olivenöl anzugerösten. Wenn man Speisen erst mehrfach behandeln und "verschneiden" muss, spüle ich sie -ohne meine Verdauung zwischen zuschalten- direkt das Lokus hinunter. Und widme meine Zeit meiner wahren Könnerschaft, aus amerikanischen Kampfstiefelsohlen Steaks zu machen.
danubius 29.04.2017
3. Die beste Location
Zitat von JoMiAber wo gibt's frische mispeln?
dafür ist für uns der Gardasee. Bei unseren Freunden gibt's - neben Wind zum Surfen - immer Mispeln (it.: nespole) frisch vom Baum, die wir z.B. für Marmelade, Chutney, Likör etc. oder für Nachtisch nehmen: der Länge nach aufschneiden, Kerne rausnehmen, Ziegenkäse rein und ganz kurz anbacken. Im Übrigen: wenn man in D eine/n Balkon/Terrasse mit Sonnenseite hat, kann man aus dem Kernen ein Bäumchen ziehen ...
elkemeis 29.04.2017
4.
Zitat von JoMiAber wo gibt's frische mispeln?
Heute Nachmittag habe ich welche bei einem "Gmiasstandl" (Obst- und Gemüsestand) am Stadtrand Münchens gesehen. Am Viktualienmarkt gibt es sie ganz sicher auch. Ansonsten einfach mal beim nächsten türkischen oder nahöstlichen Händler fragen.
Miere 30.04.2017
5. Und was für Mispeln soll man jetzt dafür verwenden?
Die echte Mispel (mespilus germanica) ist im Spätherbst reif, nach den ersten Frösten. Die sollte jetzt im Frühling nicht mehr zu bekommen sein. Sie kann, wenn sie kräftig Frost abbekommen hat, der das Fruchtfleisch zu Püree gemacht hat, ganz lecker sein, finde ich, aber mit Sicherheit würde ich die Schale nicht essen wollen. Was es jetzt im Frühling gibt ist die japanische Wollmispel (eriobotrya japonica). Diese ist mit der echten Mispel nicht verwandt, und hat nichts mit ihr gemeinsam. Die Früchte gibts als "Nespoli" im Handel, sie sind orange (nicht braun wie echte Mispeln), und man kann sie mit Schale essen. (Gepellt ist aber besser.) Sie sind sehr weich und wässrig und ich würde sie nicht kochen, ähnlich wie Erdbeeren. Dass man da Mehl draus machen kann, kann ich mir nicht vorstellen. Wie dem auch sei, dieses Gericht ist selbstverständlich kein Hauptgericht, sondern eine Sättigungsbeilage, entsprechend wie Reis oder Kartoffeln. Das Hauptgericht (Fleisch/Fisch/Ei) fehlt noch, ebenso wie eine Gemüsebeilage.
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