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Linguine mit Artischocken und Speck: Purer Cynismus

Von Hobbykoch

Linguine mit Artischocken und Speck: So bereiten Sie die Artischocken zu Fotos
Peter Wagner

Bald rückt auch für die jecksten Jecken die Fastenzeit näher. Beim Abspecken und Entgiften helfen Detox-Diätbücher und Fett-weg-Superfoods wie die Artischocke. Die macht sogar die Pasta leichter.

Wer schon länger das Gefühl hat, im Zuge seiner normalen Allesfresser-Ernährungsweise auch jede Menge Dreck zu sich zu nehmen, wird im Moment überschüttet mit Detox-Büchern. Diese enthalten zwar oft passable Tipps und Kochrezepte, um sich punktuell sauberer zu sättigen, aber diese Phase endet wie die meisten guten Vorsätze: Rückfall in die ungesunde, aber selige Curry-Pommes- und Schnitzel-Bratkartoffel-Routine. Trotz aller Gesundheitsratgeber. Da muss erst ein Kardiologe aus Uruguay kommen, der in Indien Medizin studierte, in New York als Chefarzt arbeitete und inzwischen mit seiner "Clean-Detox"-Methode halb Hollywood entgiftet.

Die Rede ist von Dr. Alejandro Jungers jetzt auch in deutscher Übersetzung erhältlicher ganzheitlicher Koch- und Lebens-Anleitung "Clean Eating", die auf über 300 Seiten nicht nur verständlich erklärt, sondern mit vielen Warenkunde-Infos und Rezepten (entwickelt von dem Chefkoch Frank Giglio; Gastrezepte von Promis wie Orlando Bloom, Donna Karan, Cameron Diaz oder Gwyneth Paltrow) auch easy im Speisenalltag umsetzbar ist. Jungers Buch verzichtet nicht auf Fleisch, zeigt aber, worauf man achten muss, um sogar als Carnivore gesund zu bleiben.

Ansonsten muss der Clean Eater auf wenig verzichten: Glutenhaltige Zutaten und Milchprodukte, weißer Zucker und jegliche Form von vorbehandelter Nahrung. Genau hier liegt auch die wahre Stärke dieses Saubermannes: Man braucht nicht jede Detox-Marotte des Buches mitzumachen - es reicht völlig, mithilfe der durchweg leckeren Rezepte einfach aus nichts als natürlichen und möglichst chemiefreien Grundzutaten zu kochen.

Arti-Schocker und andere Fettkiller

Mit der Artischocke zum Beispiel. In "Clean Eating" als Salat zu Heilbutt oder Pizza-Auflage, in unserem heutigen Rezept als Basis für ein schnelles Pastagericht, sorgt ihr Bitterstoff Cynarin für Detox- und Fettkiller-Effekte. Aber nur, wenn sie nicht aus der Dose kommt. Muss sie auch nicht, schließlich ist die Cynara scolymus nahezu ganzjährig als Frischware verfügbar. Die Blütenstandköpfe der distelartigen Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) werden von Frankreich, USA, Italien über Spanien, Ägypten und Argentinien bis zur Türkei eigentlich immer irgendwo geerntet. Allerdings kommen dabei noch immer häufiger die großen, voll verholzten Artischocken in den Handel, die typischerweise in Wasser gekocht im Ganzen serviert werden. Man zupft in aller Ruhe die Blätter ab und tunkt sie in einen feinen Dip.

Kulinarisch interessanter und weitaus flexibler sind die bei der Ernte noch violetten kleinen Poweraden. Kein billiger Spaß: Während in der Reifezeit zum Beispiel in Spanien auf dem Wochenmarkt fünf Stück für 89 Cent zu haben sind, zahlt der deutsche Cynar-Freund (mit dem Gemüse wird auch der gleichnamige italienische Aperitifklassiker hergestellt) bis zu zwei Euro. Das Stück. Wichtig ist, beim Einkauf darauf zu achten, dass die Artischocken einen möglichst langen Stiel haben - dann ist das eigentliche Fruchtfleisch höchstwahrscheinlich noch nicht angetrocknet.

Allerdings macht selbst das Vorbereiten der auch außen noch recht weichen Baby-Artischocken ein wenig Mühe, weswegen wir beim heutigen Rezept für "Linguine mit Artischocken und Speck" mal keine sonstigen Zutatenbilder zeigen, sondern Fotos, auf denen die wichtigsten Arbeitsschritte zu sehen sind. Mit ein wenig Übung ist das in weniger als einer Minute pro Powerade zu schaffen. Dafür wird man bei diesem Pastaschmaus mit einem feinen Aromenspiel und einem spannenden Mundgefühl belohnt, das die laffen und geschmacksarmen Gemüsevettern aus der Dose nicht einmal ansatzweise zustande bringen.

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insgesamt 28 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ja eigentlich ein tolles Rezept,
mcmf 06.02.2016
aber warum Speck und Kalbsfond dazu???? Vielleicht noch Sahne?? Wie einfalls/geschmacklos. Damit killt man noch das beste Rezept mit feinsten Zutaten......
2.
buchstabiererin 06.02.2016
Ich fand das Rezept interessant. Bis ich Kalbfond und Weißwein gelesen habe. Das macht doch den Geschmack der anderen Zutaten kaputt...
3.
suelzer 06.02.2016
Ich halte das für absoluten Unfug. Erstens macht Fett erwiesenermaßen nicht dick, sondern die toten Kohlenhydrate aus den Nudeln, welche die schädlichsten sind. Besser und gleichzeitig entwässernd wären Kartoffeln, Hirse oder Reis. Ansonsten ist der ganze Detoxkram etwas für die Hipster, die noch einen Sinn in ihrem Leben suchen. Gesunde Ernährung ist für mich alles, was hier wächst und nicht erst zwei Wochen transportiert und dann noch 2 Monate im Discounter vor sich hin gammelt. Das Erfolgsrezept gesünder Ernährung ist die Ausgewogenheit. Und man sollte auf Fertiggerichte und die Pizzabringdienste verzichten. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin insulinpflichtiger Diabetiker mit Pankreaskarzinom. Mein Speiseplan ist zwangsläufig sehr eingeschränkt. Pasta und andere tote Kohlenhydrate sind der Tod für mich.
4.
io_gbg 06.02.2016
Der Autor schreibt "Beim Abspecken und Entgiften helfen Detox-Diätbücher" und "Da muss erst ein Kardiologe ... kommen, der ... inzwischen mit seiner "Clean-Detox"-Methode halb Hollywood entgiftet." Beim Entgiften helfen Diätbücher nicht. Die Vorstellung vom Entschlacken ist überhaupt pseudowissenschaftlicher Unsinn. Der Körper entsorgt Abbauprodukte selbst und wenn es mal wirklich zu einer Vergiftung kommt, dann hilft eine "Entschlackungsdiät" am wenigsten. Das ist in einem SpOn-Artikel richtig dargestellt worden: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/trend-detox-der-mythos-um-die-boese-schlacke-und-gift-im-koerper-a-892115.html Darin unter den Zwischenüberschriften mehr "*Schlacke? Gibt es im Körper nicht*" "*Getestete Detox-Produkte sind wirkungslos*" Sollte man zur Kenntnis zu nehmen, bevor man falsche Tatsachenbehauptungen in die Welt setzt.
5. Purer Cynismus?
cyrill3000 06.02.2016
Das ist die lustigste Schlagzeile, seit es auf SPON Rezepte gibt! Darauf erstmal einen Cynar-Salute! ;0)))
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Zum Autor
  • Gunter Glücklich
    Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird.
  • Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de