Potato Skins Es kommt ein Kartoffelschiff, geladen

Was vom Jahre übrig blieb, schmeißen wir nicht weg, denn Nachhaltigkeit ist ja einer unserer guten Vorsätze. Stattdessen kochen wir muntere Kartoffelschiffchen daraus, in den USA als "Potato Skins" Nationalspeise.

Von Hobbykoch

Peter Wagner

Wer in Kühlschrank und Speisekammer eine halbwegs kluge omnivore Vorratshaltung pflegt, kann mit wenigen stets verfügbaren Nahrungsmitteln plus ein paar typischer Überbleibsel der soeben vergangenen Feierlichkeiten das neue Jahr kulinarisch gleich mal mit einem freundlichen Hallo begrüßen: Speck sollte immer griffbereit sein, auch Lauchzwiebeln, irgendeine Form von Crème fraîche oder saurer Sahne, Olivenöl, Butter, ein oder zwei Zitronen, ein Glas Sahnemeerrettich und Mixed Pickles. Verschiedene Pfeffer und Salze sowieso, und auch der kleine Rosmarinstock auf dem Küchenfenster hat schon wieder zarte Spitzen ausgetrieben.

Solche Vorräte sind in jeder kochenden oder sonstwie ernährenden Lebenssituation stets die halbe Miete. Die zweite Hälfte steuern die Reste der Feste bei: Wir hatten für das Silvesterraclette wieder mal viel zu viele Pellkartoffeln gekocht und Käse eingekauft. Und beim Neujahrsfrühstück wurde wie immer der Lachs nicht aufgegessen, außerdem findet sich im Kühlschrank noch ein angebrochenes Glas dünner grüner Spargel, den wir in den Eiersalat geschnitten hatten.

Solchermaßen ausgestattet haben wir an dieser Stelle schon ganz andere Resteverwertungsfantasien ausgelebt: Selbst gemachte Kartoffelchips zum Beispiel oder jede Menge Suppen wie die winterliche Kürbisdoppelsuppe, die Brühe aus alten Parmesankanten, und aus Kartoffelschalenresten hatten wir auch schon einmal etwas Leckeres gekocht - die Suppe mit den bunten Gnocchi bekam durch die gerösteten Schalen einen leicht rauchigen Charakter, das Wurzelinnere wurde zu 100 Prozent zu den Klößchen verarbeitet.

Krosse Schale, weicher Kern

Und wenn man die olle Knolle nicht komplett aushöhlt, entsteht das Grundprodukt für eines der beliebtesten Gerichte in den USA - die Potato Skins. Diese kleinen Kartoffelschiffchen aus Schale und ein paar dünnen Millimetern Fruchtfleisch werden in Amerika gern mit einer geschmacklich eher neutralen Mischung aus dem Ausgeschabten, Sauerrahm und etwas Reibekäse zu einer Hauptgerichtsbeilage zubereitet, die neben Fleisch und Fisch vom BBQ, warmem Truthahnschinken oder Chicken aller Art aber eine hervorragende Figur macht.

Wenn man die Skins fantasievoller füllt, eignen sie sich auch je nach Menge als spannende Häppchen, Vorspeisen oder in größerer Zahl gar als abwechslungsreiche Hauptgerichte. In den USA gern in die Kartoffelmasse eingerührt und dann als Superbowl-Snack verputzt: allerlei Räucherpasten von Forelle, Geflügel oder Fisch, dazu Frischkäsesorten, Bacon, Chilies oder Hackfleisch. Dieser Denkrichtung folgen auch die Füllungen des heutigen Hobbyküchenrezeptes: Wir porschen den Kartoffelstampf mit Crème fraîche, Lauchzwiebeln und krossem Speck, sowie mit Fetakäse, Oliven und Rosmarin auf. Eine dritte Variante wird lauwarm serviert und ist gefüllt mit Sahnemeerrettich, grünem Grillspargel und Graved Lachs.

Als Basis können (wie bei uns) über Nacht im Kühlschrank abgekühlte ungeschälte Pellkartoffeln benutzt werden. Wenn die Knollen erst noch gegart werden müssen, schmecken die späteren Potato Skins besser mit im Ofen oder in Alufolie gewickelt auf dem Grill gebackenen Kartoffeln. Wie auch immer - mit Potato Skins geht das junge Jahr gleich richtig lecker los!


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