Suppen und Eintöpfe Soulfood mit Hülsenfrucht

Angesichts des Dauersauwetters verlangt unser Körper nach innerer Wärmung. Zum Beispiel durch üppige Suppen und Eintöpfe wie den spanischen Cocido de Garbanzos. Ein Kichererbseneintopf mit Wumms.

Peter Wagner/ Foodbild

Von Hobbykoch


Essen aus einem einzigen großen Kochgefäß ist die weltweit wohl beliebteste und verbreitetste Nahrungsform. Wo man hinkommt, gibt es jedenfalls erst mal einen Teller Suppe: In Polen einen Bigosch mit Sauerkraut, Pilzen und allerlei Schweinernem; weiter östlich in der Ukraine oder Russland sind es die Eintöpfe auf der Basis von Roten Beten, Kohl oder Salzgurken - Borschtsch, Schtschi und Soljanka. In Griechenland steht beim Stifado Fleisch im Zentrum, aus arabischen und nordafrikanischen One-Pots kommen Maghmour (Aubergineneintopf), Sabanekh (Spinateintopf) oder die nach ihrem irdenen Kochgefäß mit dem typischen Zipfelmützendeckel benannten Tajines.

Die Cajun-Küche Louisianas ist erfüllt vom Schmackofatzgeruch des Jambalaya mit Huhn und Garnelen, in Belgien blubbert derweil ein wallonischer Hochepot, in den Alpen von Bayern bis Slowenien liebt man den Ritschert mit Rauchfleisch und sättigenden Graupen und Hülsenfrüchten, während beim Irish Stew noch der älteste und ansonsten unessbare Hammel durch stundenlanges Kochen halbwegs kaubar wird. Weniger lang braucht die italienische Minestrone, die trotz feinerer Zutaten wie Pecorinokäse oder Salsiccias in ihrem tiefsten Herzen ein Stück Cucina Povera geblieben ist.

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Cocido de Garbanzos: Ein Topf, viele Zutaten, noch mehr Geschmack

Lust auf Eintopf bekommen? Dann seien zwei aktuelle Kochbücher empfohlen, mit denen sich das Thema in höchst unterschiedliche Richtungen vertiefen lässt. Die niederländische Star-Autorin Tanja Dusy zeigt in "Asia-Noodle-Bowls", wie sich die Eintopf-Idee in eine für westliche Gaumen allzeit erträgliche Asia-Pasta-Richtung weiterkochen lässt. Die meisten ihrer 50 Rezepte sind echte Seelenwärmer-Hotpots und gerade im Winter eine tolle Abwechslung zu Pichelsteiner & Co.

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Tanja Dusy:
Asia-Noodle-Bowls

50 leichte Rezepte für Ramen, Salate und Wok-Gerichte

Edition Michael Fischer; 144 Seiten; 17,99 Euro

Es muss nicht immer ein Tier im Topf sein

Wer garantiert nichts vom Tier in seinem Eintopf haben will, liest bei Österreichs bestem Veggie-Koch, Paul Ivic, über die "Vegetarische Winterküche"*: Der Chef im Wiener Restaurant Tian ist nicht nur einer der wenigen rein vegetarisch arbeitenden Michelin-Sterneköche Europas, er teilt seine Expertise auch immer wieder in leicht nachkochbaren Rezepten mit. Linseneintopf mit selbst gebackenem Sauerteigbrot, tiefrotes Kartoffelgulasch, frech paprizierte Kohlsuppe mit Kartoffelschmarrn-Crostini, Rotkohlsuppe mit karamellisierten Grießknödeln, Petersilienwurzelsuppe mit Spinatknödeln oder mit Grüntee parfümierte Eier in der Udon-Suppe: absolut empfehlenswert, selbst für alle, die sich bislang keinen Hotpot ohne Speck oder Rinderbrust vorstellen konnten.

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Paul Ivic:
Vegetarische Winterküche

Fotos von Eisenhut & Mayer

Brandstätter Verlag; 192 Seiten; 29,90 Euro

Für unsere heutige Variante des Madrilener Kichererbseneintopfes "Cocido de Garbanzos" wollen wir aber nicht auf Fleisch verzichten, denn Pökelbauch, Rinderbrühe und haufenweise scharfe Chorizo geben den sättigenden Hülsenfrüchten und der immensen Gemüsevielfalt des Gerichtes einen tiefen Basis-Wumms, den wir um so mehr lieben, je eingefrorener sich unsere Hände um die heiße Suppenschüssel krallen.



insgesamt 7 Beiträge
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tempus fugit 13.01.2018
1. Ach unser Wagner,...
...immer weit weg und viel Gedöns (ich könnt' jetzt ein Bild einstellen von einer leckeren Frühstückssuppe - auch mit Kichererbsen - in Beirut...) aber für deutsches Sauwetter mal so ein gut gemachter Pichelsteiner oder Irish Stew (ziemlich ähnlich...) wäre doch mal was ehrliches - und wirklich sehr gut. Meinem ausländ. Freundeskreis hab' ich das mal gekocht - nein, das war keine Maggi-Suppe - da hat man echt gestaunt, was authentische deutsche Küche kann... Dazu ein Alt oder ein nicht zu hochgradiges Guiness - da muss man nicht ein ganzes Zutatenregal abräumen...
daldner 13.01.2018
2. Angesichts der Menge der Zutaten...
600g Fleisch, und jeweils 1 kg Hülsenfrüchte und Gemüse... stimmt die Menge der zuzugeben Fleischbrühe ganz und gar nicht: nur 1 Liter..? Außerdem vergaß der Autor, dass man die über Nacht eingeweichten Kichererbsen (Einweichwasser unbedingt wegschütten) zunächst mal weichköcheln muß ( ca 1 Stunde simmern lassen, aufsteigenden Schaum abschöpfen). Die Zugabe von Wildfenchel kann man hingegegen wohl vernachlässigen. Schade, dass man die meisten Rezepte, die so in der Gegend herumschwirren, nicht blind nachkochen kann, weil die Mengenangaben nicht stimmen.
Onkel Drops 13.01.2018
3. ich koch das ganze Jahr schon international...
aber in der kalten Jahreszeit greife ich liebend gerne auf die Klassiker zurück. wtf is pichelsteiner? lippische Ananas ( auch Steckrübe geschimpft ) mit geräuchertem Bauch, Kartoffeln und co.! oder ein Eintopf von lippischen Palmen ( Grünkohl ) mit Wurst und Kassler ( falsche Brägenwurst ist halt nur Wurst ! basta). und wenn ich es international feurig möchte dann halt ein großer Topf Vindeloo (richtiges Curry!!!) mit Rind oder Lamm und frisches selbst gemachtes Fladenbrot ( das ist wie Sauna und spült die Poren frei, so muss das sein!!! ). slow food halt ,wenig Arbeitsschritte, langes garen und lecker deftig beim genießen. ( wenig Arbeitsschritte bedeutet bei mir : auch die Zutaten sollten einfach verfügbar sein! OK vindeloo currypaste ist bei mir gelagert, wird aber das ganze Jahr gebraucht für: Currywurst deluxe , beim Grillen stets als erstes alle :die frische Currysauce mit vollreifen Tomaten aus dem Garten und etwas Ingwer. Ketchup Nö danke)
Cypher 13.01.2018
4. Kichererbsen nach dem Einweichen unbedingt ca. 1 Std. kochen!
Wie daldner im Kommentar Nr. 2 schon sagt: eingeweichte Kichererbsen muß man unbedingt weichkochen. Ohne Salz, und ca. eine Stunde lang. Warum? Weil man sonst im Krankenhaus landen kann. Rohe Kichererbsen sind giftig! Wie übrigens auch Bohnen. Mit rohen Kidneybohnen kann man sich problemlos ins Jenseits befördern. Da Herr Wagner das sicherlich weiß, hat er das Rezept wohl mit Kichererbsen aus dem Glas zubereitet und die über Nacht eingeweichten nur der Vollständigkeit noch hinzugefügt. Die 500 g beziehen sich daher sicherlich auf fertig zubereitete, gekochte Kichererbsen. Und auch was die Mengen angeht, stimmte ich daldner zu. Mit einem Liter Brühe käme auch ich nicht aus.
schmiedt 13.01.2018
5. In Madrid macht man das ganz anders.
Es gibt sogar Seiten im Netz, die sich keinem anderen Thema widmen, zum Beispiel www.cocidomadrileño.com , wo der Name schon Programm ist. Eins ist jedoch klar, wenn man sich in Spanien auskennt: Navetten, Pastinaken, Kohlrabi sind in Spanien erst seit kurzem überhaupt bekannt, wenn überhaupt. Dafür fehlen die Kartoffeln, wie soll ein Cocido ohne Kartoffeln gehen? Ohne morcilla (Blutwurst) und einem Schinkenknochen fehlt der typische Geschmack. Butifarra ist gut und schön, aber katalanisch, daher nicht im madrider Cocido zu erwarten (es gibt natürlich katalanische Varianten, die sind aber nunmal anders - in der Zubereitung, den Zutaten und eben auch im Geschmack und man nennt sie escudella amb carn d'olla). Und ein Cocido, der in 30 Minuten fertig gekocht sein soll, habe ich noch nie erlebt, selbst mit einem Druckkochtopf nicht. Ich glaube, der Autor hat dieses Rezept abgeschrieben, aber nicht selber ausprobiert. Und als Getränketipp Schwarzbier anzugeben, ein ääähh... typisch spanisches Gesöff... nun ja...
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