Schottische Ostereier Kalorienbombe to go

Bevor Britannia uns Europäer endgültig verlässt, noch ein toller Ostertipp aus den Highlands. Keine Angst - kein gefüllter Schafsmagen. Aber die Schotten mögen nun mal ordentlich fettige Speisen.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Werden wir sie vermissen, die Brexit-Küche? Miteinander im selben Fett frittierte Kartoffel- und Fischreste mit jenem unnachahmlichen Aroma, das uns Rest-Europäer immer wieder blitzartig daran erinnert, dass längst ein Ölwechsel beim Auto fällig wäre? Salzarm im Wasser aufgequollenes Lamm mit Pfefferminzsauce? Ach, Sie essen kein Fleisch? Wie wäre es dann mit Käse-Butter-Scones, fett mit Marmite bestrichen? Und oben drauf zwei Finger dick Clotted Cream (94% Fett i.Tr.)? Nichts dabei? Selbst schuld, dann fahren wir halt ein Stück die Highlands rauf.

Dort, in Schottland und an unzähligen Orten der Welt, an denen Migranten aus dieser rauhen Gegend leben, rottet man sich traditionell am 25. Januar zusammen, um miteinander nicht nur des Geburtstages von Robert Burns (dem Nationaldichter) zu gedenken. Mindestens ebenso wichtig ist es, im Laufe der Zeremonie namens "Burns supper" bei der Zeile "cut you up wi' ready slight" des Burns-Gedichtes "The Address to a Haggis" selbigen mit einem kühnen Schnitt aufzuschlitzen und sich über die herausquellenden dampfenden Gedärme herzumachen.

Andererseits denken selbst einige Schotten angesichts dieses gesottenen Schafsmagens mit seiner schmierigen Füllung aus Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl sofort daran, wie man ihn ohne Gaumenberührung am schnellsten loswerden könnte. Vielleicht liegt genau hier der Ursprung eines im Norden Brittanias als Volkssport gerne geübten Wettkampfs - dem Haggis-Weitwurf.

Noch immer verbeugen sich die Menschen in den typisch karierten Unisex-Röcken tief vor ihrem Nationalhelden Alan Pettigrew, seit dem 24. Mai 1984 Weltrekordhalter in dieser Disziplin: Er warf das eineinhalbpfündige Magenpaket in Inchmurrin, Argyll, 180 Fuß und elf Zoll weit. Das sind mehr als 55 Meter.

Fleisch ist mein Osterei

Und weil die Schotten wie jeder andere Volksstamm unseres Planeten einerseits zwar sehr stolz sind auf ihre Traditionen, andererseits auch nicht jeden längst überholten Schwachsinn unreflektiert mitmachen wollen, bleibt selbst bei so manchem "Burns supper" der Haggis weitestgehend unberührt. Stattdessen ziehen die Gäste an dieser Stelle ein nicht minder urschottisches und unter dem Strich sogar minimal leichter bekömmliches Nationalgericht aus der Jackentasche - die scottish eggs, frittierte Eier in Hackhülle.

Nachdem wir vor ein paar Jahren an dieser Stelle die Ostereier im Hackversteck als "Falschen Osterhasen" ausgaben, kommen uns nun Schottlands beliebte Tapas gerade recht, um dem österlichen Schokoladenoverkill das entgegenzuwerfen, was ihn am schnellsten kompensiert: Fett! Proteine! Salz!

Doch halt, was haben Eier im frittierten Mettmantel mit Tapas zu tun? Sehr viel, denn ähnlich wie Speckdattel, Minitortillas, Piementos de Padrón oder ensalada rusa in der Eierhälfte, werden im Norden Englands die meisten scottish eggs in den Pubs verzehrt, die sonst so gut wie keine Speisen im Programm haben - wie in Spanien als kleine Begleiter, weil man ja zum Alkohol auch mal was beißen will. Die Schottischen Eier halten sich auch im Flaschenkühlschrank ein paar Tage und können ohne Teller oder Besteck einfach und ohne Krümel aus der Hand gegessen werden.

Genau das machte die Speise aus dem Norden auch in anderen britischen Landesteilen beliebt, wo sie in fast jedem Supermarkt als Snack für die Mittagspause, spätes Frühstück, den kleinen Zwischendurchhunger, Picknickhauptnahrung, Dinnerersatz, TV-Beilage oder Mitternachtshappen verkauft werden. Und das schon recht lange - angeblich wurden solche to-go-eggs erstmals 1738 im Londoner Kaufhaus Fortnum & Mason hergestellt und angeboten.

Doch wer sich deshalb jetzt auf ein diätisches Low-Carb-Ostern freut, hat die Rechnung ohne den Hefezopf gemacht. Und die immensen Fettkalorien (über 50 Prozent) dieser Eier, denn die Hartgekochten werden nicht einfach mit magerem Beefhack umhüllt, sondern in extra fettem Schweinemett unter Zugabe von noch fetterem ungebrühten Schweinswurstbrät. Das alles nicht nur aus Gründen der schnellen Sättigung, sondern weil eine allzu magere Umhüllung beim Garen hässliche Risse bilden würde.

In einem Punkt aber wollen wir Gnade walten lassen. Die meisten Rezepte für Schottische Eier sehen vor, die Mettklopse zu panieren und schwimmend im heißen Öl zu frittieren. Wem das nun wirklich zu viel des Guten ist, dem zeigen wir die Backofen-Variante - und noch dazu eine Variation für Nichtfleischesser. Mit einem ebenfalls sehr leckeren "Hackmantel", allerdings aus Karotten und geröstetem Kichererbsenmehl.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
orkneyan 08.04.2017
1. Witzig... trotzdem daneben irgendwie
Das schottische Essen hat einen schlechten Ruf, zugegeben. Aber das ist mittlerweile nur noch dummes Gerede. In Edinburgh sammeln sich die Michelin-Sterne und Mark Greenaways Kochbuch Perceptions bringt uns die neue schottische Küche ins Haus. Aber ok, nachts holt man sich dann doch eine Munchie-Box.
WaR52 08.04.2017
2.
....und was machen wir mit den Möhren und den Kichererbsen?
cobaea 08.04.2017
3.
Zitat von WaR52....und was machen wir mit den Möhren und den Kichererbsen?
Weitwurf? Abgesehen davon sind Fish and Chips inzwischen in GB durchaus wieder geniessbar - nicht so wie noch vor 30, 35 Jahren, als die Fish+Chips nur mit einem guten Schuss Essig erträglich waren und in einem Stück alter Zeitung serviert wurden. Mittlerweile gibt's überall auf der Insel wirklich guten, frischen Fisch und gute Pommes. Das Fett wird nicht mehr nur einmal im Quartal gewechselt. Manchmal hab ich mich gefragt, ob's dafür irgendwann mal eine EU-Richtlinie gab, die öfteren Ölwechsel vorschreibt. Praktisch ausgestorben sind auch die Frühstückswürstchen aus rot gefärbtem und mit Fett vermischtem Sägemehl (so schmeckten sie jedenfalls früher). Und Scottish Eggs sind wirklich ein prima Snack - ein bisschen wie Frikadellen auf die Hand. Oder eben Falscher Hase.
anna cotty 08.04.2017
4. Haggis
Nun, so schlimm schmeckt Haggis auch wieder nicht. Ich habe schon viel schlechtere Gruetzwurst in Deutschland gegessen und bei uns in Irland gibt es den 'White Pudding' der sehr aehnlich wie Haggis schmeckt. Black Pudding heisst hier die Blutwurst. Schlimmer finde ich eine andere schottische Spezialitaet: Deep Fried Mars Bar ( frittierte Marsriegel).
wiersbin.p 09.04.2017
5.
Zitat von cobaeaWeitwurf? Abgesehen davon sind Fish and Chips inzwischen in GB durchaus wieder geniessbar - nicht so wie noch vor 30, 35 Jahren, als die Fish+Chips nur mit einem guten Schuss Essig erträglich waren und in einem Stück alter Zeitung serviert wurden. Mittlerweile gibt's überall auf der Insel wirklich guten, frischen Fisch und gute Pommes. Das Fett wird nicht mehr nur einmal im Quartal gewechselt. Manchmal hab ich mich gefragt, ob's dafür irgendwann mal eine EU-Richtlinie gab, die öfteren Ölwechsel vorschreibt. Praktisch ausgestorben sind auch die Frühstückswürstchen aus rot gefärbtem und mit Fett vermischtem Sägemehl (so schmeckten sie jedenfalls früher). Und Scottish Eggs sind wirklich ein prima Snack - ein bisschen wie Frikadellen auf die Hand. Oder eben Falscher Hase.
Ja, es gibt eine EU Richtlinie die seit 2004 EU weit gültig ist. Erste Fassungen sind noch älter und waren schon 1998 gültig, aber gerade Deutschland musste zur Umsetzung erst verklagt werden. Nach nochmaliger Überarbeitung in die derzeit gültige Fassung von 2004, wurde es dann im Jahr 2006 auch in Deutschland zum zwingend verbindlichem Gesetz. Diese Regelungen gelten übrigens auch für KITAS, Kindergärten, Straßenfesten wo für Entgelt Lebensmittel / Speisen veräußert werden usw. Die Überarbeitung wurde notwendig um der Deutschen Lebensmittelindustrie gefällig zu sein... http://www.onlinehilfe-lebensmittelhygiene.de/assets/Rechtsgrundlagen/VO-852-2004-lkF.pdf https://www.gesetze-im-internet.de/lmhv_2007/BJNR181700007.html
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