Kochbuch "Ei à la carte" Das Goldene vom Ei

Hühner, die goldene Eier legen, gibt es nicht. Aber es gibt Spitzenköche, die Eier vergolden. Ein neuer Rezeptband stellt erlesene Eierspeisen vor - und erklärt, was eine germanische Göttin und den Osterhasen verbindet.

Kris Vlegels/ Sieveking

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Eier spielen in allen Kulturen eine besondere Rolle, nicht nur als Osterei. Die Ägypter legten sie den Toten mit ins Grab als Wegzehrung für ihre Reise zu Osiris. In manchen alten Kulturen Südostasiens steht am Anfang der Welt das Ur-Ei, aus dem zunächst das erste Lebewesen Pangu und später das Universum hervorgingen. Das Weltenei kennen auch die Inder, Perser, Ägypter und Griechen.

Gleichzeitig sind Eier eine herrliche Delikatesse, teilweise in seit Jahrhunderten überlieferten Rezepten. Für den Kochbuchautor Luc Hoornaert "ein Grund mehr, dem nachzugehen, was die Köche aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen uns heute mit ihren Eiergerichten zu erzählen haben". Dazu hat der Belgier seine Lieblings-Spitzenköche um Rezepte gebeten, und das Ergebnis in "Ei à la carte - Vielfältige Rezepte aus aller Welt" aufgeschrieben.

In zehn Kapiteln liefert Hoornaert Anleitungen für Feinkost, Süßes und Deftiges aus Japan, China, Korea, Großbritannien, der Türkei und Iran. Den Kapiteln mit den Rezepten vorangestellt ist ein kurzer kulturgeschichtlicher Abriss eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel. Den Abschluss bildet eine Sammlung verfeinerter Ei-Klassiker wie Omelett oder Eier und Speck. Als Digestif gibt es fünf Cocktails, natürlich alle mit Ei.

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Fotostrecke: Ei-Speisen aus Europa und Asien

Die rund 60 Rezepte sind unterteilt in sechs Schwierigkeitsstufen von einfach bis anspruchsvoll, wobei die höchste Stufe schon eher was für Vollprofis mit entsprechender Gerätschaft ist. Denn neben allerlei exotischen Zutaten und Kocherfahrung braucht es für manche der Gerichte auch besonderes Kochzubehör wie zum Beispiel eine spezielle japanische Omelettpfanne für die Tamago Dashi, gerollte Omelette.

Fehlende Zutaten, ob essbar oder technisch, lassen sich notfalls mit etwas Fantasie ersetzen. Schwieriger wird es, wenn man kein Freund der asiatischen und vorderasiatischen Küche ist. Denn die meisten der von Hoornaert, ein ausgewiesener Japan-Kenner und -Liebhaber, vorgestellten Rezepte stammen aus dieser Region. Wer jedoch seinen kulinarischen Horizont erweitern möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient.

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Luc Hoornaert:
Ei à la carte

Vielfältige Rezepte aus aller Welt

Sieveking Verlag; 192 Seiten; 34,00 Euro.

Für alle, die keine Lust oder Zeit zum Nachkochen haben, findet sich auf der letzten der 191 Seiten eine Liste mit den Restaurants der in dem Buch vorgestellten Meisterköche, die jedoch alle in Belgien, den Niederlanden oder Großbritannien am Herd stehen. Einer von ihnen ist Peter Goossens aus dem mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Hof van Cleve im belgischen Kruishoutem. Laut Hoornaert ist Goossens "der Schöpfer der belgischen Gastronomie und wahrscheinlich der größte Koch, den dieses Land je gekannt hat". Von ihm stammt auch das Rezept für goldene Eier auf der nächsten Seite.

Für alle, die nur in den Artikel geklickt haben, um zu erfahren, was die Göttin des wiederkehrenden Lichts Ostara und den Osterhasen verbindet, hier die Kurzfassung: Ostara besaß der Legende nach eine Henne, die ständig ihre Eier versteckte. Das nervte die Frühlingsgöttin so sehr, dass sie das Federvieh in einen Hasen verwandelte. So entstand angeblich die Geschichte vom Osterhasen. (Dabei ist nicht einmal klar, ob jemals jemand zu dieser Göttin gebetet hat.)



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